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"Belastbare Tatsachen liegen nicht vor"

"Belastbare Tatsachen liegen nicht vor"

Hamburg. Der Weg ins "Gastwerk", dem Tagungshotel in Hamburg, war Uwe Schwenker bekannt. Der Geschäftsführer des THW Kiel nächtigt dort aus Aberglauben während des Pokal-Endturniers. Für gewöhnlich wird er aber nicht, wie am Montagabend, von acht Kameramännern von TV-Sendern, einer Schar von Fotoreportern und Journalisten empfangen. Der 49-Jährige runzelte die Stirn

Hamburg. Der Weg ins "Gastwerk", dem Tagungshotel in Hamburg, war Uwe Schwenker bekannt. Der Geschäftsführer des THW Kiel nächtigt dort aus Aberglauben während des Pokal-Endturniers. Für gewöhnlich wird er aber nicht, wie am Montagabend, von acht Kameramännern von TV-Sendern, einer Schar von Fotoreportern und Journalisten empfangen. Der 49-Jährige runzelte die Stirn. Dann schritt er zur Krisensitzung mit dem Präsidium der Handball-Bundesliga (HBL), die nicht weniger als die Zukunft des Handballs entschied. Zwei Stunden später verkündete er, dass die Korruptionsvorwürfe gegen Kiel haltlos seien: "Der THW Kiel hat nie Spiele manipuliert", sagte Schwenker. Und dass er sich mehr Verantwortungsbewusstsein bei allen gewünscht hätte: "So ist der Schaden groß, nicht nur für den THW, sondern auch für den gesamten Handball." Auch Dieter Matheis, Aufsichtsrat des Liga HBL, gab sich mit dem Ergebnis der Sitzung zufrieden. "Das war eine Sache unter Ehrenmännern, die nun geklärt ist", sagte der Mann, der die Sache mit seinem Brief an Schwenker ins Rollen brachte. Darin hatte er Schwenker aufgefordert, Gerüchte aufzuklären, wonach Kiel das Champions-League-Finalrückspiel am 29. April 2007 gegen die SG Flensburg-Handewitt (29:27) mittels Schiedsrichterbestechung manipuliert haben soll. HBL-Präsident zufrieden"Die Fragen, die gestellt wurden, sind beantwortet worden. Belastbare Tatsachen liegen nicht vor", erklärte Reiner Witte, Präsident der deutschen Handball-Bundesliga (HBL), und dass er nicht davon ausgehe, dass "weitere Erkenntnisse in der Richtung" präsentiert würden. HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann freute sich, Vorwürfe nach dem "Orkan der Aufmerksamkeit", der durch die Veröffentlichung entfacht worden war, geklärt zu haben. Die Erklärungen also waren klar, die Sache schien aus der Welt, die Glaubwürdigkeit des Handballs gerettet. Doch der HBL-Aufsichtsrat, der gestern ebenfalls in Hamburg tagte, war nicht geneigt, einfach zur Tagesordnung überzugehen. Nach der Beratung verlas Aufsichtsrats-Chef Manfred Werner eine Erklärung, die Raum für Spekulationen gibt: "Wir haben den Themenkomplex diskutiert. Der Aufsichtsrat sieht weiteren Informationsbedarf." Eigentlich wurde damit gerechnet, dass der Fall zu den Akten gelegt wird. Nicht unwahrscheinlich, dass Aussagen Matheis', Beiratsvorsitzender der Rhein-Neckar-Löwen, das HBL-Gremium haben aufschrecken lassen. Am Montagabend hatte er durchblicken lassen, dass die Vorwürfe bereits bei Vertragsverhandlungen der Löwen mit dem ehemaligen THW-Trainer Noka Serdarusic eine Rolle spielten. Damals hätten zwei Löwen-Gesellschafter, er, Manager Thorsten Storm und Serdarusic, am Tisch gesessen. Damit liegt die Vermutung nahe, dass Serdarusic Stichwortgeber der Vorwürfe war. Rache als Motiv?Das Motiv des mit elf Meisterschaften erfolgreichsten Bundesliga-Trainers liegt auf der Hand: Offenbar will sich Serdarusic bei Schwenker dafür rächen, dass er nach privaten Differenzen mit dem THW-Manager im Juni 2008 beurlaubt wurde. Vor dem Hintergrund stellt sich der damals anstehende Transfer von Nikola Karabatic als mieses Spiel dar: Wurde der Welthandballer, der bis 2012 Vertrag beim THW hat, als Druckmittel eingesetzt? Zündstoff liefert auch die Aussage des dänischen Löwen-Gesellschafters Jesper Nielsen. Man wisse, dass es Unregelmäßigkeiten bei Kiels Champions-League-Spielen gegeben habe. Grundlage seien Aussagen von Personen des THW und des Umfelds. Schwenker wollte die erneuten Vorwürfe nicht kommentieren: "Wir können nicht auf alle Verleumdungen reagieren." In einer Mitteilung hieß es vielmehr: "Noka Serdarusic hat dem THW Kiel am heutigen Tage ebenfalls bestätigt, dass er weder an derartigen Manipulationen beteiligt war noch irgendjemanden vom THW Kiel beschuldigt hat, so etwas getan zu haben. Er hat auch keine Selbstanzeige gemacht."

Zum ThemaDie polnischen Schiedsrichter Marek Goralczyk und Miroslaw Baum, die das Champions-League-Finalrückspiel zwischen dem THW Kiel und der SG Flensburg-Handewitt gepfiffen hatten, reagierten bestürzt auf die Bestechungsvorwürfe. Der Zeitung "B.Z." sagte Goralczyk, dass er "nie im Leben Geld bekommen habe. Jeder macht Fehler, ich auch. Aber nicht für 50 000 Euro." Das "Flensburger Tageblatt" zitiert Baum: "Das alles ist ein großer Schock für mich." red/dpa