Beim Rehlinger Pfingstsportfest kann Ringer nur Zuschauer sein

Leichtathletik : Für Ringer läuft es richtig rund

Der Neuzugang des LC Rehlingen will in 2019 durchstarten. Beim Pfingstsportfest ist er an diesem Sonntag aber nur Zuschauer.

Richard Ringer hat den Kopf frei. Und das liegt nicht daran, dass ihm gerade auf 1800 Meter Höhe im schweizerischen St. Moritz frische Bergluft um die Nase weht. Der 30-Jährige ist auch nicht zum Urlauben dort, sondern zum Schuften – St. Moritz ist das dritte von insgesamt fünf Höhentrainingslagern in dieser Saison für den Leichtathleten, der seit Anfang 2019 für den LC Rehlingen startet. „Harte Einheiten“ habe er hinter sich, sagt Ringer, „aber es läuft ordentlich, ich bin bislang gut durchgekommen.“

Bis Donnerstag bleibt er noch in St. Moritz. Dann wird der Langstreckenspezialist drei Wochen in der Höhe gewesen sein, um weiter an der Basis zu feilen, die ihn in dieser Saison wieder an die Erfolge anknüpfen lassen soll – wie 2018. Denn im vergangenen Jahr brannte Ringer eine Zeit über 10 000 Meter in die Tartanbahn, die seit Dieter Baumann vor 21 Jahren kein Deutscher mehr gelaufen war. Ringers Sieg beim Europacup in London in 27:36,52 Minuten, als er die komplette europäische Elite bezwingen konnte, brachte ihm europaweit großen Respekt ein und katapultierte ihn in die Rolle eines Läufers, der bei Großereignissen nicht mehr unter dem Radar läuft, sondern von den Konkurrenten beachtet wird. Eine Rolle, die ihm gefällt.

Gefallen hätte ihm auch ein Start beim Pfingstsportfest in Rehlingen, das am Sonntag zum 55. Mal stattfindet und das Ringers Verein LC Rehlingen organisiert. „Schade, ich wäre gerne gelaufen“, sagt Ringer, zumal er an das Bungertstadion gute Erinnerungen hat. Vier Mal ist er hier schon am Start gewesen, schaffte in Rehlingen erstmals eine Qualifikation für einen internationalen Einsatz bei den Aktiven. An diesem Sonntag muss er aber passen, weil tags zuvor die deutschen Meisterschaften über 10 000 Meter in Essen auf seinem Terminkalender stehen. „Es sind Meisterschaften, da will ich natürlich dabei sein“, sagt Ringer: „Aber Sonntagmorgen setze ich mich mit Tobias ins Auto und komme natürlich noch ins Saarland.“ Tobias – das ist Tobias Blum, waschechter Saarländer und Vereinskollege von Ringer, der in Essen ebenfalls starten wird.

Blum hat sich trotz seiner erst 24 Jahre dafür entschieden, schon jetzt sein Glück auf der Marathondistanz zu versuchen. Ringer will damit noch ein bisschen warten. Aber sein ganz großes Fernziel ist klar: „Ich will 2024 bei den Olympischen Spielen in Paris im Marathon an den Start gehen.“ Dieses Ziel plant der studierte Betriebswirt akribisch – und hat auch schon ein paar Testballons steigen lassen.

So machte Ringer für seinen Kumpel Arne Gabius beim Frankfurt-Marathon das Tempo – und zwar über 31 Kilometer. „Eigentlich wollte ich ihn bis zur Halbmarathon-Marke begleiten“, erinnert sich Ringer, „einer der anderen Tempomacher war aber viel früher ausgestiegen als geplant. Da bin ich eingesprungen.“ Dass es dann bis zu Kilometer 31 ging – „das hat mich selbst überrascht. Vor allem, dass es so gut lief“. Anfang April legte er dann in Berlin bei seiner Premiere im Halbmarathon 62:10 Minuten hin – Platz zehn der ewigen deutschen Bestenliste.

Dass er seinen Auftritt als „okay“ bezeichnet, spricht für die Bescheidenheit von Ringer – und seine Demut vor den langen Distanzen. „Ich habe verdammt viel Respekt vor dem Marathon“, sagt Ringer, „das ist eigentlich eine komplett andere Disziplin.“ Auch deswegen geht er behutsam vor. Bis zu Olympia 2020 will er der Tartanbahn noch treu bleiben, danach soll der endgültige Wechsel auf die Straße erfolgen.

Zurück zum Anfang, zum freien Kopf von Richard Ringer. Der ist deswegen so frei, weil der 30-Jährige die richtigen Partner an seiner Seite hat – seinen neuen Verein im Saarland zum einen, zum anderen seinen Ausrüster asics, mit dem er einen Vertrag bis 2024 abgeschlossen hat. „Das gibt mir natürlich unheimlich Sicherheit“, sagt Ringer. Hilfreich ist auch, dass er bei seinem Arbeitgeber MTU in Friedrichshafen eine recht flexible Arbeitszeitgestaltung genießt. „Das passt alles gerade sehr gut“, sagt Ringer: „Ich kann mich voll auf den Sport konzentrieren.“ Das lässt darauf hoffen, dass Ringer beim erklärten Saisonhöhepunkt 2019, der WM in Doha (28. September bis 6. Oktober), über 5000 Meter an der Startlinie für Deutschland steht. Im Idealfall mit einem freien Kopf natürlich.

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