Beim FCS-Pokalgegner 1. FC Köln ist Feuer unterm Dach

Fußball : Beim FCS-Pokalgegner ist Feuer unterm Dach

1. FC Köln präsentiert sich beim 1:3 in Mainz ganz schwach. Torhüter Horn gerät in die Kritik, Trainer Beierlorzer warnt vor Saarbrücken.

In der Mainzer Arena am Europakreisel liefen auf den Flachbildfernsehern im Kabinentrakt die wichtigsten Spielszenen bereits in Endlosschleife, als Timo Horn aus der Gaste-Kabine kam. Seinen Rucksack geschultert, das Haar geschniegelt. Zunächst stellte sich der Torwart des 1. FC Köln regungslos vor einen Monitor, doch nach dem ersten Gegentor bei der 1:3-Niederlage beim FSV Mainz 05 drehte der 26-Jährige den Bildern den Rücken zu. Den tückischen Distanzschuss von Robin Quaison (57. Minute) und den haltbaren Schuss von Levin Öztunali (82.) ersparte sich Horn, der zu diesem Zeitpunkt längst ahnte, dass wieder viel über ihn diskutiert werden würde. Der Vorwurf auch in der Fanszene: Die Identifikationsfigur aus der Domstadt, seit dem Kindesalter beim Effzeh, entwickelt sich nicht weiter und gewinnt kaum Spiele. Und wenn er dann patzt wie am Freitagabend, greift Empörung um sich.

Horn empfahl allen, sich das 1:2 aus der Perspektive der Hintertorkamera anzusehen: „Das Ding war der Wahnsinn.“ Eine Flugkurve wie aus dem Zufallsgenerator. Horn behauptete nicht, dass dieser fulminante Flatterball unhaltbar war – aber er dachte es laut. Über das 1:3 müsse man hingegen nicht diskutieren: „Im kurzen Eck darf ich den nicht kassieren. Den kreide ich mir auf jeden Fall an. Deshalb habe ich mich massiv geärgert.“ Der Keeper malträtierte den Rasen mit heftigen Fausthieben. Sein 250. Pflichtspiel war denkbar schlecht verlaufen.

Trainer Achim Beierlorzer stellte zwar anerkennend fest, der schwedische Nationalspieler Quaison habe einen „richtigen Hammer abgelassen“, aber „Timo hat im Training diese Dinger schon gehalten“. Doch grundsätzlich will er seine Nummer eins nicht auf den Prüfstand stellen: „Ich weiß, dass es diese Diskussionen unter den Fans gibt. Wir haben einen guten Torhüter. Ich lasse mir Timo nicht zerreden.“

Doch die Debatte ist längst nicht mehr aufzuhalten, zumal Sportchef Armin Veh explizit Horns Gegenüber Robin Zentner lobte: „Der andere Torhüter hat richtig gut gehalten. Timo war, sage ich mal, unglücklich.“ Er wolle die Torwartdiskussion nicht anheizen, ergänzte Veh mit einem süffisanten Lächeln – dabei hatte er es längst getan. Ersatztorwart Thomas Kessler, schon 33 Jahre alt, der zweite gebürtige Kölner im Kasten, stellt allerdings keine ernsthafte Alternative dar.

Doch nicht nur Horn wurden Hörner aufgesetzt. Auch Schiedsrichter Frank Willenborg bekam den Zorn der Kölner Verantwortlichen zu spüren. Der Mainzer Verteidiger Moussa Niakhaté hatte beim Stande von 1:2 den Ball nach Flanke von Kingsley Schindler an den ausgestreckten Arm bekommen. Der Referee eilte auf Intervention des Videoassistenten an den Kontrollmonitor, verhängte aber keinen Strafstoß. „Das fühlt sich so noch viel beschissener an“, schimpfte Beierlorzer. „Dann können wir ja die Arme immer breit halten“, sagte Veh und streckte zum Beleg seine Gliedmaßen wie ein Verkehrspolizist beiseite: „Gibt es da jemand, der sagt, das war kein Handspiel?“ Der 58-Jährige unkte: „Wenn das kein Elfmeter ist, habe ich die Regelschulung nicht verstanden. Das ist für mich unfassbar.“

Abseits von Torwartfehlern und Videoärger dämmerte auch Beierlorzer, dass „wir uns am Ende an die eigene Nase fassen müssen“. Der 51-Jährige kritisierte deutlich „die schwache Zweikampfquote und das passive Anlaufverhalten“ nach der trügerischen Führung von Torjäger Simon Terodde (14.). Auch Veh fiel das negativ auf: „Wir müssen auch mal lernen, solch ein Spiel zuzumachen. Sonst werden wir bis zum Schluss unten drin bleiben.“

Bei solch düsteren Prophezeiungen könnte hilfreich sein, dass gleich das nächste Pflichtspiel ansteht: die Zweitrunden-Begegnung im DFB-Pokal beim 1. FC Saarbrücken an diesem Dienstag (18.30 Uhr). Zwar gilt der Spitzenreiter der Regionalliga Südwest als überaus ambitioniert, und Beierlorzer sieht diese 4. Liga explizit als „starke Spielklasse“ an, aber eigentlich könnten sich die Kölner in Völklingen ein bisschen von dem verloren gegangenen Selbstvertrauen zurückholen, um gestärkt ins Derby nächsten Sonntag bei Fortuna Düsseldorf zu gehen. Allerdings besteht angesichts der aktuellen Lage durchaus die Gefahr, dass der Schuss in die andere Richtung losgeht.

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