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Fußball-Regionalliga
Zwischen Resignation und Trotz

 Trainer Dirk Lottner hat mit dem FCS erneut ein Schlüsselspiel verloren. Auch über seine Zukunft in Saarbrücken wird gesprochen.
Trainer Dirk Lottner hat mit dem FCS erneut ein Schlüsselspiel verloren. Auch über seine Zukunft in Saarbrücken wird gesprochen. FOTO: Andreas Schlichter
Saarbrücken. Beim 1. FC Saarbrücken läuft die Verarbeitung des verlorenen Topspiels. Das Saisonziel Aufstieg ist wohl verfehlt. Von Patric Cordier

Himmel und Hölle. Sie liegen manchmal so nah beieinander – gerade im Sport. Am Samstag durften die Regionalliga-Fußballer des 1. FC Saarbrücken noch vor über 14 000 Zuschauern zum Spitzenspiel beim SV Waldhof Mannheim antreten. Die Leistung gegen den Tabellenführer war über weite Strecken stark, die 2:3-Niederlage darum umso bitterer. Keine 74 Stunden nach der emotionalen Achterbahnfahrt droht am heutigen Dienstag im heimischen Hermann-Neuberger-Stadion in Völklingen eine Minuskulisse, wenn es um 17 Uhr gegen den Aufsteiger TSG Balingen geht. „Wir müssen mit leereren Rängen rechnen als sonst“, sagt FCS-Sportdirektor Marcus Mann und begründet die fan-unfreundliche Ansetzung mit dem schwachen Flutlicht.


Das Hinspiel beim Aufsteiger verlor der FCS mit 1:2. Es war der Tiefpunkt des ohnehin missratenen Saisonstarts. „Das waren drei Punkte, mit denen wir gerechnet haben und die am Ende fehlen“, sagt FCS-Vizepräsident Dieter Ferner: „Da drehst du schon jeden Stein um, fragst dich, ob Personalentscheidungen und Kaderzusammenstellung so richtig waren.“ Nach der Niederlage bei den Balinger Amateuren (sie trainieren nur drei Mal pro Woche) war auch FCS-Trainer Dirk Lottner wieder in die Kritik geraten. Der Kölner hatte im Sommer trotz der Aufstiegs-Pleite gegen 1860 München einen Vertrag bis 2020 ausgehandelt. „Ob das Eis dick oder dünn war, lasse ich mal dahingestellt“, sagt Ferner heute: „Manchmal muss man Dinge erst einmal sacken lassen.“

Aus dem Umfeld der Vereinsspitze heißt es, nur der Urlaub von Sportdirektor Marcus Mann habe damals einen Trainerwechsel verhindert. Vielleicht zum Glück, denn die Mannschaft fing sich ja, spielte fortan eine gute Serie. Oder doch zu unrecht? Denn um die stabilen Mannheimer abzufangen, reichte die Steigerung nicht. „Tatsache ist, dass wir am Samstag wieder einmal ein Schlüsselspiel nicht für uns entscheiden konnten“, sagt Ferner deutlich: „Das geht nun schon drei Jahre so.“



Nun geht es also wieder gegen Balingen. „Wir müssen nach dem intensiven Spiel in Mannheim sehen, welche Spieler die notwendige Frische mitbringen“, sagt Lottner: „Im Hinspiel haben sie uns den Schneid abgekauft. Wir müssen uns auf ein kampfbetontes Spiel auf einem tiefen Platz einstellen.“ Körperlich verletzt ist keiner, doch nach der „Ergebnis-Hölle“ gegen Waldhof sind die Köpfe sicher schwerer zu mobilisieren als die Beine. „Darum bin ich froh, dass es direkt weitergeht und wir gar nicht lange Zeit haben für negative Gedanken“, erklärt Stürmer Sebastian Jacob seine Art der Frustrationsbewältigung: „Es ist erst vorbei, wenn auch rein rechnerisch nichts mehr möglich ist.“

Das Saisonziel war vor der Runde klar kommuniziert: Meisterschaft und Aufstieg in die 3. Liga. Elf Spieltage vor Schluss scheint ein erneutes Scheitern sehr viel näher als ein glückliches Ende. „Wir müssen uns über oben keine Gedanken mehr machen“, hatte Lottner direkt nach der Niederlage auf dem Waldhof gesagt – Resignation? Für Mittelfeldmotor Fanol Perdedaj ist Aufgeben keine Option: „Vielleicht brauchen wir ein Wunder. Aber es ist Fußball.“

Acht Punkte beträgt aktuell der Rückstand auf Mannheim, der Vorsprung auf die Offenbacher Kickers ist nur ein, auf den FC Homburg zwei und auf den TSV Steinbach drei Zähler groß. „Wir können die Saison jetzt nicht einfach abschenken. Das sind wir unseren Zuschauern schuldig. Wir haben das Ziel, den zweiten Tabellenplatz zu behalten. Das wird schwer genug. Und da ist ja noch der Saarlandpokal“, sagt Vizepräsident Ferner: „Diese Ziele gehen wir jetzt mit dem vorhandenen Personal an. Über alles Weitergehende müssen wir nach der Saison sprechen.“