Beim FCS haben eigene Talente derzeit fast keine Chance

Kostenpflichtiger Inhalt: Fußball : Beim FCS haben eigene Talente derzeit fast keine Chance

Eigengewächs Lukas Quirin verlässt den 1. FC Saarbrücken wegen mangelnder Perspektive und wechselt zum FSV Mainz 05.

Die Spatzen pfiffen schon länger von den Dächern, dass Mittelfeld-Talent Lukas Quirin mit seiner Situation beim Fußball-Regionalligisten 1. FC Saarbrücken nicht mehr richtig glücklich ist – und es einen Kontakt zum FSV Mainz 05 gibt. Am Montag wurden die Gerüchte zur Wahrheit. Quirin, in dieser Saison noch ohne Einsatz im Team von Trainer Dirk Lottner, wechselte am letzten Tag der Transferperiode von der Camphauser Straße zum Nachwuchsleistungszentrum am Mainzer Bruchweg.

„Ich bin froh, dass es mit dem Wechsel nach Mainz geklappt hat. Die Gespräche mit den Verantwortlichen waren sehr positiv“, sagte der 19-Jährige bei der Vorstellung beim neuen Club artig. Und fügte einen Satz hinzu, der Raum für Interpretationen lässt: „Mir gefällt, dass der Verein auf seine Nachwuchsspieler setzt. Ich sehe hier gute Möglichkeiten, mich weiterzuentwickeln.“

Die hatte Quirin beim Tabellenführer in Saarbrücken nur bedingt. Eine Ausbildung im Unternehmen des Saarbrücker Hauptsponsors Victor’s hatte er begonnen, diese aber kurz vor der Prüfung zugunsten des Fußballs abgebrochen. Trotz größtmöglicher Freistellung ist Spielpraxis nur schwer durch Training zu ersetzen. Doch die konnte er beim FCS kaum bekommen. Die Konkurrenz im defensiven Mittelfeld ist enorm: Manuel Zeitz, Fanol Perdedaj und Kianz Froese, dazu der talentierte Rasim Bulic, der aus der Jugend von Offenbach kam und selbst auf Einsatzzeit wartet. Quirin und Bulic fehlt Erfahrung, die sie in der zweiten Mannschaft des FCS nicht sammeln können. Die spielt Bezirksliga und ist keine Alternative.

„Ich hätte Lukas gerne langfristig bei uns gesehen. Doch sein Vertrag wäre im nächsten Sommer ausgelaufen, und eine kurzfristige Perspektive für mehr Einsatzzeit konnten wir ihm nicht bieten“, sagt FCS-Sportdirektor Marcus Mann: „Ich hatte nach den guten Leistungen zum Ende der abgelaufenen Saison gehofft, er könne ein vollwertiges Mitglied des Kaders sein. Aber durch die Umstände und auch die Neuverpflichtungen hat sich die Situation geändert.“

Der Sprung für Saarbrücker Talente in die eigene erste Mannschaft ist groß. Mit dem dritten Torwart Timo Wagner hat der FCS in dieser Saison gerade einmal einen einzigen Spieler aus der U19 dazugenommen. Der „vierte“ Torhüter Patrik Herbrand spielt nach dem Ende der Ausleihe an Oberligist Röchling Völklingen keine Rolle. In der jüngeren Vergangenheit haben es selbst Spieler, die in der A-Junioren-Bundesliga dabei waren wie etwa Jens Meyer (heute Landsweiler/Lebach), Jordan Steiner (Völklingen) oder Max Rupp (FV Eppelborn) nicht nach oben geschafft. Andere wie Ivan Sachanenko (zum SC Freiburg II) und jetzt Quirin haben den Verein zu Bundesliga-Reserven verlassen.

„Jugendarbeit ist insgesamt komplizierter geworden. Den großen Vereinen rutscht ab der U14 kaum noch einer durchs Netz“, sagt Mann: „Wir müssen hoffen, dass doch einer durchs Sieb fällt oder erst im letzten U19-Jahr richtig durchstartet.“

Bei der Vorstellung der Mannschaft kurz vor dem Saisonstart bekam Quirin den mit Abstand größten Applaus. Die Fans lieben Eigengewächse, doch sie hungern auch danach, die Regionalliga zu verlassen. Beides zusammen scheint – zumindest beim FCS – ein unmöglicher Spagat. „Der Erfolgsdruck ist natürlich da“, sagt Mann: „Andererseits ist es auch ein Lob für unsere Jugendarbeit, wenn ein Verein wie Mainz Interesse an unserem Spieler hat und dafür noch eine Ablöse zahlt. Und eine Rückkehr ist nie ausgeschlossen, denn Lukas ist und bleibt ein Blau-Schwarzer.“

Mehr von Saarbrücker Zeitung