Bedrohungspotenzial im Internet

Bedrohungspotenzial im Internet

Köln. Kevin Pezzoni hat Anzeige gegen unbekannt erstattet. Das bestätigte die Kölner Staatsanwaltschaft gestern. Der Ex-Abwehrspieler des Fußball-Zweitligisten 1. FC Köln war vor seiner Haustür und im Internet via Facebook von FC-Fans bedroht worden, woraufhin er seinen Vertrag mit dem Club auflöste

Köln. Kevin Pezzoni hat Anzeige gegen unbekannt erstattet. Das bestätigte die Kölner Staatsanwaltschaft gestern. Der Ex-Abwehrspieler des Fußball-Zweitligisten 1. FC Köln war vor seiner Haustür und im Internet via Facebook von FC-Fans bedroht worden, woraufhin er seinen Vertrag mit dem Club auflöste.Einen ähnlichen Fall gibt es in der Regionalliga: Daniel Frahn, Kapitän von RB Leipzig, wurde im Internet via Facebook bedroht. Wenn er nachts unterwegs sei, solle er daran denken, dass er nie allein in der Stadt sei, hieß es in einer Botschaft an den Stürmer, wie die "Leipziger Volkszeitung" gestern berichtete. Der Hintergrund: Frahn hatte ein strengeres Vorgehen gegen Krawallmacher gefordert, nachdem es zu Auseinandersetzungen von Anhängern mit der Polizei nach dem Regionalliga-Derby am Sonntag zwischen Lok Leipzig und RB Leipzig (1:3) gekommen war. Bei den Übergriffen waren auch Angehörige von mindestens einem RB-Spieler betroffen.

Nun besteht im deutschen Fußball die Befürchtung, dass die jüngsten Vorfälle Schule machen und Gewaltandrohungen gegen Spieler zunehmen könnten. Fanforscher Gunter Pilz wies in dem Zusammenhang auf Versäumnisse von Politik und Polizei im Umgang mit zunehmender Gewaltbereitschaft in der Ultra-Szene hin. Die verstärkte Kommunikation mit dieser Klientel sei nicht oder nicht ausreichend passiert, sagte Pilz. Er ergänzte: "Dazu kommt, dass die permanenten kraftmeierischen Sprüche, die man zum Teil von Politikern und vom Chef der deutschen Polizeigewerkschaft (Anmerkung der Redaktion: Bernhard Witthaut) hört, eher dazu beitragen, die Fronten zu verschärfen."

Pilz sieht Bedrohungspotenzial in den so genannten Neuen Medien wie dem Internet. Diese seien "prädestiniert, mit Drohungen zu arbeiten". Gleichwohl müsse man sehen, relativierte er, "dass zwischen einer Drohung auf der einen Seite und der Umsetzung auf der anderen ein großer Unterschied" bestehe. dapd

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