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„Rennsport kann grausam sein“

Nürburgring. Der Tod eines Zuschauers bei einem Langstreckenrennen auf dem Nürburgring dürfte die Diskussion um die legendäre Nordschleife in der Eifel wieder einmal in Gang setzen. sid

Die Tragödie auf der Nordschleife sorgte auch im Fahrerlager der Formel 1 im fernen Malaysia für große Betroffenheit. "Das sind furchtbare Nachrichten vom Nürburgring ", twitterte Ex-Weltmeister Jenson Button : "Rennsport ist großartig, aber er kann auch so grausam sein." Ein tödlicher Unfall hatte am Samstag beim Saisonauftakt der VLN-Langstreckenmeisterschaft in der Eifel das Sportliche in den Hintergrund gedrängt. Ein 49 Jahre alter Zuschauer aus den Niederlanden kam ums Leben, als der Nissan Nismo GT3 des Briten Jann Mardenborough über die Streckenbegrenzung flog und auf dem Dach in einem Zuschauerbereich landete.

Das Opfer starb nach Angaben des Veranstalters trotz sofort eingeleiteter Rettungsmaßnahmen noch im Medical Center an der Rennstrecke. Die übrigen verletzten Zuschauer wurden zur medizinischen Versorgung ins Krankenhaus gebracht. Das Rennen wurde abgebrochen und nicht wieder neu gestartet.

Das Unglück im Rahmen der Breitensportrennserie gibt anhaltenden Bedenken über die Sicherheit auf der Nordschleife neue Nahrung. Die "Grüne Hölle" ist ein ebenso beliebtes wie berüchtigtes Relikt aus einer längst vergangenen Rennsport-Ära. Ihre Faszination und das Risiko ergeben sich aus den besonderen Eigenschaften der Strecke - die Berg- und Talbahn ist eng und buckelig, an vielen Stellen stehen die Zuschauer nicht weit von der Strecke entfernt. Schon Anfang der 70er Jahre boykottierten die Fahrer der Formel 1 kurzfristig ein Rennen, nach Investitionen in die Sicherheit kehrte die Königsklasse zurück. Der Feuerunfall Niki Laudas im August 1976 besiegelte wenig später das Aus der Nordschleife in der Formel 1 .

In der Folge wurde der mehr als 20 Kilometer lange Abschnitt vor allem zum Schauplatz von Breitensportrennen. Dreifachleitplanken, Schutzzäune und ein Mindestabstand für die Zuschauer wurden umgesetzt. Doch auch der Fangzaun konnte die dramatischen Folgen des fatalen Unfalls nun nicht verhindern. Im Streckenabschnitt Flugplatz an der Quiddelbacher Höhe, einer der berüchtigten Sprungkuppen der Nordschleife, war Mardenboroughs Nissan von der Strecke abgehoben und über die Leitplanke und den Sicherheitszaun geflogen. Gleich an mehreren Stellen der Nordschleife kann es vorkommen, dass die Autos mit der Vorderachse den Boden verlassen - bei zu viel Unterluft können die Boliden abheben. Ob Unterluft auch am Samstag die Unfallursache war, müssen die Untersuchungen noch zeigen.