| 00:00 Uhr

„Das ist der absolute Wahnsinn“

Planica. Spannender geht es nicht: Skispringer Severin Freund hat nach einem wahren Krimi den Gesamtweltcup gewonnen. Er profitierte davon, dass der Slowene Jurij Tepes seinem Landsmann Peter Prevc den Sieg abknöpfte. sid

Severin Freund schlug die Hände vor das Gesicht. Dann sank er in den Schnee. Er konnte sein Glück kaum fassen. Im spannendsten Finale der Weltcup-Geschichte hat er den Skisprung-Gesamtweltcup gewonnen. "Ein Traum ist in Erfüllung gegangen. Dieses Ziel war das einzige, das ich für meine Karriere klar definiert hatte. Jetzt habe ich es geschafft", sagte der 26-Jährige. Als i-Tüpfelchen gab es für ihn und seine Mannschaftskollegen gestern noch die kleine Kugel für den Gewinn der Nationenwertung. "Dieses Ziel habe ich ausgegeben, als ich hier angefangen habe. Das ist ein bewegender Moment", sagte Bundestrainer Werner Schuster. Deutschland hatte den Titel der besten Mannschaft nur einmal geholt. Das war 2002.

Weltmeister Freund reichte gestern im slowenischen Planica ein siebter Platz, um sich die große Kristallkugel für den Gesamtsieg zu sichern. Der Weltmeister lag mit 1729 Punkten in der Gesamtwertung gleichauf mit dem Slowenen Peter Prevc , weil der hinter seinem Landsmann Jurij Tepes nur Tageszweiter wurde. "Dem Jurij muss ich heute Abend wohl einen ausgeben", sagte Freund und grinste. Er segelte auf der Letalnica-Schanze auf 222,5 und 226 Meter. Für das Podest reichte es nicht. Doch Tepes verhinderte den Sieg seines Mannschaftskollegen Prevc. Er sprang im zweiten Durchgang 244 Meter, erhielt fünf Mal die Traumnote 20,0 und fing den führenden Prevc noch ab. Erstmals in der Weltcup-Geschichte musste somit wegen der Punktgleichheit die Anzahl der Saisonsiege entscheiden. Hier hatte Freund mit neun Erfolgen gegenüber den drei Siegen von Prevc die Nase von. "Das ist der absolute Wahnsinn. Der Gesamtweltcup ist das Größte, was man als Skispringer gewinnen kann", sagte Freund, der vor drei Wochen in Falun WM-Gold von der Großschanze geholt hatte. Vor ihm hatten aus deutscher Sicht nur Martin Schmitt (1999, 2000) und Jens Weißflog (1984) die Gesamtwertung für sich entschieden.

Trösten durfte sich Prevc immerhin dem Gewinn des Skiflug-Weltcups. In dieser Gesamtwertung überholte er Freund. Dem Deutschen war das herzlich egal, krönte er doch mit der großen Kugel eine famose Saison. "Ich bin überglücklich, gerade weil es bei der Vierschanzentournee nicht nach Plan lief. Aber danach bin ich richtig in Form gekommen, dann gab es diese großartige WM und jetzt das. Wahnsinn", sagte Freund. Er hatte in Falun für das erste Einzel-Gold für Deutschland seit dem von Schmitt 2001 in Lahti gesorgt. Bei der Vierschanzentournee war er in keinem Springen über Rang acht hinausgekommen.

Zusammen mit der Goldmedaille bei der Skiflug-WM 2014 hat Freund nun drei von den fünf großen Titeln geholt, die es im Skispringen zu gewinnen gibt. Nur Einzel-Gold bei Olympia und der Tournee-Triumph fehlen in der Sammlung. Alle fünf Titel hat nur der Finne Matti Nykänen gewonnen.