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BC Bischmisheim wertet Bundesliga-Abbruch ohne Meister als "Ohrfeige"

Kostenpflichtiger Inhalt: Enttäuschung beim Badminton-Club : Der Beste steht mit leeren Händen da

Der Deutsche Badminton-Verband bricht die Bundesliga-Saison ab. Spitzenreiter BC Bischmisheim wird nicht zum Meister ernannt.

„Ich bin tief enttäuscht“, sagt Frank Liedke. Der Chef des Badminton-Bundesligisten 1. BC Saarbrücken-Bischmisheim musste am späten Freitagnachmittag einen schweren Rückschlag für seinen Verein hinnehmen. Der Titelverteidiger und souveräne Tabellenführer der Bundesliga steht in diesen Corona-Zeiten mit leeren Händen da, denn die Saison ist beendet. Ohne Playoffs, ohne Final-Four-Turnier um die deutsche Meisterschaft, ohne neuen Titelträger.

Die Entscheidung, die Saison mit sofortiger Wirkung zu beenden, traf das Präsidium des Deutschen Badminton-Verbandes (DBV) in einer Online-Sitzung. Die Beschlussfassung erfolgte dabei in Absprache mit dem Ausschuss für Bundesligaangelegenheiten (AfBL) im DBV, der bei allen Erstligisten ein Meinungsbild eingeholt hatte.

„Die Entscheidung ist mehr als enttäuschend und eine Ohrfeige“, bewertet Liedke, dessen Mannschaft nach 16 von 18 Spieltagen mit 35 Punkten klar an der Spitze lag und schon für das Endturnier um die deutsche Mannschafts-Meisterschaft qualifiziert war. Dass der BCB um die Nationalspieler Isabel Herttrich, Marvin Seidel und Peter Käsbauer auch der große Favorit auf seinen zehnten DM-Titel war, ist ebenfalls unstrittig. Wegen der Corona-Pandemie waren die noch auszutragenden letzten beiden Spieltage schon lange abgesagt worden, auch die Viertelfinals und das DM-Endturnier wurden auf unbestimmt verschoben.

„Aus unserer Sicht hat es zwar grundsätzlich eine große Bedeutung, dass in jedem Jahr der deutsche Mannschaftsmeister gekürt wird“, sagt DBV-Präsident Thomas Born: „Aber es erscheint uns angesichts der außergewöhnlichen Situation in diesem Jahr aus verschiedenen Gründen nicht möglich, die einst für die Monate März, April und Mai vorgesehenen Begegnungen noch nachzuholen. Priorität hat die Gesundheit aller, die an den Spielen beteiligt wären.“

Arno Schley, lange Jahre Macher des ehemaligen Erstligisten TuS Wiebelskirchen und heute Vorsitzender des AfBL, hatte eine Umfrage unter den Bundesligisten durchführen lassen. „Unsere Umfrage ergab, dass der Großteil der Erstligisten eine Fortsetzung der Bundesliga-Saison 2019/2020 ablehnt beziehungsweise die Umsetzung zumindest als äußerst schwierig erachtet“, sagt Schley: „Als Argument wurde unter anderem angeführt, dass die Voraussetzungen der einzelnen Vereine, was die Trainings- und Einsatzmöglichkeiten ihrer Spieler anbelangt, enorm unterschiedlich sind und somit der Wettbewerb nicht fair ablaufen könnte.“

BCB-Boss Liedke sieht das anders. „Wir haben eine konstante Saison gespielt, dieses wurde nicht gewürdigt“, sagt Liedke: „Mir tun vor allem die Spielerinnen und Spieler leid, die trotz der Olympia-Qualifikation zu den Spielen vor Ort waren. Die Helfer und Organisatoren rund um die Saison im Verein haben umsonst gearbeitet. Wir haben viel investiert und halten jetzt nichts in den Händen.“

Immerhin: Die Sponsoren halten dem BCB die Stange, nehmen wegen des Abbruchs der Saison keine Kürzungen vor. „Dafür bin ich sehr dankbar“, sagt Liedke und kündigt mit ein wenig Trotz in der Stimme an: „Wir werden trotzdem eine große Feier auf die Beine stellen.“ Dann, wenn es wieder erlaubt ist.

Wann die nächste Jagd des BCB auf Titel Nummer zehn in Angriff genommen werden kann, steht noch in den Sternen. Der Saisonstart ist für den 3. Oktober festgesetzt – zumindest vorerst.