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Bayern München schlägt Borussia Dortmund im Topspiel der Bundesliga 5:0

5:0 im Gipfeltreffen der Bundesliga : Bayern zerlegen BVB wie einen Braten

„Die Mannschaft hat gesprochen“: 5:0 im Topspiel gegen indisponierte Gäste von Borussia Dortmund begeistert Münchner.

Uli Hoeneß federte im hellblauen Hemd beschwingt in die Münchner Nacht, das Jacket über dem rechten Arm und im Gesicht den Ausdruck tiefster Zufriedenheit. „Die Mannschaft hat gesprochen“, sagte der mächtige Präsident von Bayern München lächelnd im Vorbeigehen, nachdem er den Druck im Vorfeld des Bundesliga-Gipfels gegen Borussia Dortmund nochmals erhöht hatte.

Hoeneß’ Torjubel auf der Ehrentribüne trug bisweilen ekstatische Züge, es löste sich eine enorme Anspannung beim 67-Jährigen. „Er war der Emotionalste im ganzen Stadion“, sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge am Sonntag. Bei Sky wollte er aber auch Trainer Nico Kovac keine Jobgarantie geben. „Es gibt keine Jobgarantie für Niemanden. Jeder muss bei Bayern München liefern“, sagte Rummenigge. „Es gibt Druck, aber du musst damit fertig werden“, sagte er. Kovacs Vertrag ist bis zum 30. Juni 2021 datiert.

Letztlich aber war es ein Fußballabend nach Bayern-Geschmack: 5:0 (4:0) gegen den großen Rivalen, Tabellenführung zurück, die Meisterschaft wieder in der eigenen Hand. „Ich habe das Spiel sehr genossen. Die Mannschaft hat mit Mut und Herz gespielt, das ist Bayern München, wie man es sich wünscht“, sagte Rummenigge. Kovac, der selbst als einer der großen Gewinner aus dem zur „Schlacht um die Schale“ stilisierten Duell hervorging, bezeichnete die Leistung als Maßstab für die kommenden Wochen. „Das ist unser Anspruch, den wir in den nächsten sechs Spielen auch zeigen müssen“, sagte er.

Die Ausgangsposition für den siebten Titel in Folge, das wissen die Münchner ganz genau, ist zwar nun bestens, Fehler sind aber nicht gestattet. „Wir dürfen nicht mehr stolpern“, warnte Rummenigge. Torjäger Robert Lewandowski, mit zwei Toren (17./89.) neben Mats Hummels (1:0/10.) der herausragende Spieler des Abends, verdeutlichte: „Wir haben den ersten Schritt gemacht, aber müssen weiter Gas geben. Der Zweikampf geht weiter.“

Der Zweikampf gegen eine Dortmunder Mannschaft, die völlig neben sich stand und wie ein Braten komplett zerlegt wurde, als es besonders darauf ankam – auch bei den Toren von Javi Martínez (41.) und Serge Gnabry (43.). „Unsere Leistung war indiskutabel“, sagte BVB-Boss Hans-Joachim Watzke. München wie aus einem Guss, der BVB wie das Kaninchen vor der Schlange. „So eine geschlossene Mannschaftsleistung hatten wir selten“, sagte Thomas Müller. „Wir waren sehr gallig“, fand Kapitän Manuel Neuer.

Ein Verdienst auch von Trainer Kovac, der die Bayern – anders als beim Champions-League-Aus gegen den FC Liverpool – ihre Stärken im Offensivspiel ausleben ließ und seinen bisher wichtigsten Erfolg mit einem Jubel im Stile eines Hochspringers feierte. Dennoch verweigerte Rummenigge eine Jobgarantie über die Saison hinaus, diese gebe es beim FC Bayern nicht. „Jeder muss liefern, wer mit dem Druck nicht umgehen kann, ist im falschen Club“, sagte er.

Es scheint, als benötige Kovac den Meistertitel, um die verbliebenen Zweifel auszumerzen. Womöglich erklärt dies auch teilweise, dass sich am Samstag beim 47-Jährigen eine gewisse Frustration Bahn brach. „Wenn du gewinnst, hast du nichts richtig gemacht. Wenn du verlierst, hast du alles falsch gemacht. Es ist bei Trainern so, wir sind diejenigen, die immer alles abbekommen“, schimpfte Kovac und beklagte Oberflächlichkeit.

Ein Teil der Mannschaft genoss den Triumph im „Big-Point-Spiel“ (Neuer) bei Jérôme Boatengs schon länger geplanter Party im Münchner Nobelclub P1. Die Bild-Zeitung dokumentierte das Eintreffen von eingeladenen Stars wie Sprinter Usain Bolt minutiös und stellte nach Boatengs Ankunft um 1:37 Uhr fest: „Laute Hip-Hop-Beats. Total volles P1! Der Vip-Bereich platzt aus allen Nähten.“

Nach der 5:0-Gala gegen Borussia Dortmund bejubelten die Bayern-Stars die Tabellenführung in der Bundesliga. Foto: dpa/Matthias Balk
Rundrücken statt breiter Brust: Dortmunds Marco Reus war im Sturmzentrum auf sich alleine gestellt und fand kaum Bindung zu den Mitspielern. Foto: dpa/Sven Hoppe

Den Fokus werden die Münchner aber rasch wieder aufs Sportliche lenken. Wie Neuer meinte, sei die Basis gelegt, aber längst nichts entschieden im Titelrennen. „Wir haben nur noch Finals und müssen versuchen, alle unsere Spiele zu gewinnen“, sagte er. Der BVB hofft allerdings, dass genau dies nicht gelingt. Obwohl die Klatsche „schwer zu verdauen“ (Trainer Lucien Favre) sei, ist Aufgeben keine Option. Sportdirektor Michael Zorc und Teammanager Sebastian Kehl erinnerten daran, dass die Meisterschaft „noch nicht zu Ende“ (Zorc) oder „entschieden ist“ (Kehl). Nach echter Überzeugung klang das nicht. Es klang eher, so wie die Dortmunder gespielt hatten: in der Offensive harmlos.