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Bayern-Express rast zu Gold

Sotschi. Die Doppelsitzer Tobias Wendl und Tobias Arlt haben für die deutschen Rodler in Sotschi das dritte Gold im dritten Rennen eingefahren. Nach den Siegen von Natalie Geisenberger und Felix Loch waren auch sie nicht zu bezwingen. sid/dpa

Tobias Wendl und Tobias Arlt sind zum 30. deutschen Rodel-Gold bei Olympischen Winterspielen gerast. Die Weltmeister im Doppelsitzer demonstrierten gestern ihre Ausnahmestellung, gewannen ihre erste olympische Goldmedaille und stellten fast noch einen Rekord auf: Nur einmal siegte ein Doppelsitzer in der Geschichte der Winterspiele mit einem größeren Vorsprung als die 0,522 Sekunden der Deutschen.

"Das ist geil, einfach unglaublich", sagte Arlt. Wendl erklärte: "Wir haben gezeigt, was wir draufhaben. Das waren zwei blitzsaubere Läufe." Nach den Siegen von Felix Loch und Natalie Geisenberger war es in Sotschi das dritte Gold im dritten Wettbewerb für die deutschen Rodler - so dominant waren sie zuletzt 1998 in Nagano. Heute wollen Loch, Geisenberger, Wendl und Arlt bei der Olympia-Premiere der Mannschafts-Staffel die beste Ausbeute für deutsche Rodler in der Geschichte perfekt machen. "Ich freue mich tierisch auf die Staffel. Wenn wir alle so fahren wie zuletzt, dann wird das extrem cool", sagte Geisenberger.

Gestern lag der Bayern-Express Wendl und Arlt (Berchtesgaden/Königssee) nach zwei Läufen klar vor den zweimaligen Olympia-Siegern Andreas und Wolfgang Linger aus Österreich. Bronze ging an die Letten Andris und Juris Sics (+0,857 Sekunden), während die Vize-Weltmeister Toni Eggert und Sascha Benecken aus Ilsenburg und Suhl (+1,285) nach einem groben Fahrfehler im ersten Lauf als Achte mit der Entscheidung nichts zu tun hatten. "Wir waren in dieser Saison in jedem Rennen auf dem Treppchen - und wenn es darauf ankommt, machen wir so eine Scheiße", sagte Eggert.

Die neuen Olympia-Sieger krönten dagegen durch die Goldfahrt ihre Laufbahn. Seit 13 Jahren liegen Wendl und Arlt gemeinsam auf dem Schlitten. Wendl hat als der kräftigere Steuermann die Position über dem zehn Kilogramm leichteren Arlt. "Wir verstehen uns annähernd blind", sagte Wendl. Arlt fügte an: "Die Harmonie muss stimmen, sonst fehlt auch im Rennen irgendwas." Die Harmonie stimmt - auf und neben ihrem Sportgerät. Als Arlt im Dezember erstmals Papa wurde, war klar, dass Wendl die Patenschaft übernimmt. Auch im Eiskanal passt es. Der Bayern-Express ist von einem Erfolg zum nächsten gerast, im Olympia-Winter wurde er nur von Eggert und Benecken zwei Mal besiegt. In Sotschi hatten die Thüringer aber einige Probleme mit der Bahn.