Bayer ist und bleibt ein Rätsel

Bayer ist und bleibt ein Rätsel

Bayer Leverkusen hat in der Champions League gegen Manchester United mit 0:5 verloren. Dieses Debakel erinnerte an frühere Auftritte der Mannschaft, die gegen die Großen immer wieder enttäuscht.

Stefan Reinartz macht sich gerne lustig über die Hysterie, in die die Fußball-Öffentlichkeit mitunter verfällt. In der Nacht zu Donnerstag ahnte er, wie die Kritik nach dem "peinlichen" (Express) 0:5 seiner Leverkusener gegen Manchester United klingen werde. "Es tut uns Leid, wenn wir Schande über Deutschland gebracht haben", sagte Reinartz mit einem sarkastischen Lächeln im Gesicht. Schlagzeilen wie "Leverkusen blamiert uns!" (bild.de) seien übertrieben, sollte das wohl heißen.

Da hat er natürlich recht, Bayer hat vor allem sich selbst blamiert. Der Verein wünscht sich so sehr eine größere Aufmerksamkeit. Michael Schade, der neue Geschäftsführer, schmiedet Pläne zur Rekrutierung großer Fan-Massen in Asien, er arbeitet an einem Konzept, das mehr Zuschauer in die selten ausverkaufte Arena locken soll. Und dieses Spiel gegen Manchester, der erste Champions-League-Auftritt der Rheinländer in dieser Saison, der live im frei empfangbaren Fernsehen gezeigt wurde, sollte dem Imageprojekte zusätzlichen Schwung verleihen.

Und dann fabrizierte die Mannschaft dieses Desaster. "Wenn man die Situation des Vereins sieht, ist das auf gar keinen Fall gut", sagte Kapitän Simon Rolfes, als er auf die Folgen der Pleite für die Außendarstellung angesprochen wurde. Sympathisanten dürften eher abgeschreckt worden sein, zumal dieses 0:5 in das zweifelhafte Bild passt, das in den letzten Jahren entstanden ist.

Statt solche Spiele gegen die Giganten des Weltfußballs mit der Haltung eines aufopferungsvoll kämpfenden Außenseiters anzugehen, verliert Bayer beinahe schon traditionell jedes Selbstvertrauen, wenn der Name des Gegners den Glanz großer internationaler Erfolge ausstrahlt. In der vorigen Leverkusener Champions-League-Saison schied der Club durch zwei fürchterliche Niederlagen gegen den FC Barcelona (1:3 und 1:7) aus. Auch die Bayern demontierten die völlig eingeschüchterte Mannschaft von Trainer Sami Hyypiä bei ihrem Gastspiel vor wenigen Wochen. Nur mit unglaublich viel Glück retteten sie damals ein 1:1 über die Zeit.

Sportdirektor Rudi Völler sprach am Mittwoch von einem "Kopfproblem", das sein Team habe, die gute alte Leverkusener Mentalitätsdebatte nimmt wieder einmal an Fahrt auf. Ob das Team nach dieser "Blamage" (Völler) nun einen Knacks zu befürchten habe, wurde Simon Rolfes gefragt. "Ich hoffe nicht", antwortete der Kapitän, der genau weiß, dass das 1:7 von Barcelona aus dem Frühjahr 2012 massive Schäden angerichtet hat, die letztlich zur Trennung vom damaligen Trainer Robin Dutt beitrugen.

Solche Konsequenzen drohen Hyypiä vorerst nicht, aber der Finne hat natürlich auch Kratzer abgekommen an diesem Abend. Er wirkte hilflos am Spielfeldrand, in der Halbzeit gelang es ihm nicht, dem leblosen Ensemble Zuversicht zu vermitteln. Irgendwie ist und bleibt Bayer Leverkusen ein großes Rätsel: Sie spielen selten gut, sind aber erfolgreich und sogar in der Champions League können sie noch weiterkommen. Dann wäre Fußball-Deutschland durchaus stolz auf seinen Achtelfinal-Teilnehmer - trotz dieses Debakels.

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HintergrundDie höchsten deutschen Heimniederlagen im Europacup:1:6: Hannover 96 - Inter Mailand (5. Oktober 1960, Messepokal); Borussia Dortmund - Manchester United (11. November 1964, Messepokal).0:5: Bayer Leverkusen - Manchester United (27. November 2013, Champions League); Karlsruher SC - Bröndby IF (3. Dezember 1996, Uefa-Cup); Werder Bremen - FC Porto (30. März 1994, Champions League); Hamburger SV - AS Saint-Etienne (26. November 1980, Uefa-Cup). 0:4: 1. FC Kaiserslautern - Bayern München (17. März 1999, Champions League). sid

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