1. Sport
  2. Saar-Sport

Bauch und Beine spielten nicht mitTennis von vorne bis hinten

Bauch und Beine spielten nicht mitTennis von vorne bis hinten

Im Rahmen der deutsch-britischen Völkerverständigung habe ich mich aufgemacht, einen britischen Pub besucht und mich unter die Einheimischen gemischt. Von außen macht das "Fire Stables" einen ordentlichen Eindruck und sieht so aus, als sei dort etwas Abstand zum täglichen Tennis-Alltag zu gewinnen. Weit gefehlt

Im Rahmen der deutsch-britischen Völkerverständigung habe ich mich aufgemacht, einen britischen Pub besucht und mich unter die Einheimischen gemischt. Von außen macht das "Fire Stables" einen ordentlichen Eindruck und sieht so aus, als sei dort etwas Abstand zum täglichen Tennis-Alltag zu gewinnen.

Weit gefehlt. Drinnen wartet eine große Leinwand, auf der die Abendspiele live übertragen wurden. Na gut, verziehe ich mich halt in den hinteren Teil des Pubs, der als Restaurant abgetrennt ist. Ich bestelle etwas zu essen, schaue aus dem Fenster - und sehe im Garten einen großen Baum, der komplett mit bunten Tennisbällen verziert worden ist.

Auf dem Weg zur Toilette muss ich dann einigen Gästen ausweichen, die vor einem Bildschirm stehen und an einer Spielekonsole - Sie erraten es - Tennis spielen. Dabei imitieren sie die Schlagbewegungen und werden zum Albtraum der Bedienungen, die mit ihren Tabletts in Deckung gehen müssen. Schließlich gebe ich auf und spiele mit. Dem Tennis ist dieser Tage einfach nicht zu entkommen.London. Das Abenteuer Wimbledon ist für den saarländischen Tennis-Profi Benjamin Becker zum dritten Mal nach 2006 und 2008 in Runde zwei beendet. Der 28 Jahre alte Orscholzer unterlag gestern dem an Nummer 26 gesetzten Österreicher Jürgen Melzer mit 6:7 (6:8), 3:6 und 6:7 (1:7) und muss sich mit 45 Punkten für die Weltrangliste sowie einem Preisgeld von knapp 18 000 Pfund trösten.

Die Partie begann gleich mit einem Break gegen Becker, der nicht in seinen Rhythmus fand und einige leichte Fehler beging. "Beweg dich, beweg dich", rief er immer wieder, war unzufrieden mit seiner Beinarbeit und schien nicht in Tritt kommen zu wollen. Im weiteren Satzverlauf musste er fünf weitere Breakbälle abwehren, hielt aber seinen Aufschlag. Bei 4:5 gelang ihm das Rebreak, so dass der Satz schließlich im Tiebreak entschieden wurde. Dort vergab Becker bei 6:5 einen Satzball, zwei Fehler im Anschluss bedeuteten den Satzgewinn für Melzer. Und der durchbrach auch in Durchgang zwei sofort den Aufschlag des Deutschen zum 2:0. Gleich im Anschluss hatte Becker die Möglichkeit, in den Satz zurückzukommen, konnte diese aber nicht nutzen. Er gab Satz zwei mit 3:6 ab.

Daraufhin ließ sich Becker in der Pause behandeln. Die Bauchmuskulatur machte ihm zu schaffen - Folge der Anstrengungen und vielen Partien in den vergangenen Wochen. Dennoch versuchte er noch einmal alles: Er breakte Melzer, immerhin 1999 Wimbledon-Sieger bei den Junioren, zum 3:1 und hielt die Führung bis zum 5:3. Doch dann ließ er einen Moment nach, was der Österreicher ausnutzte und sich in den Tiebreak rettete. Dort unterliefen Becker mehrere leichte Fehler, die Melzer nutzte und die Partie schließlich nach 2:17 Stunden für sich entschied.

Becker wird sich nach einer kurzen Turnier-Pause auf die Hartplatz-Saison in den USA vorbereiten. Durch seine guten Ergebnisse in den vergangenen Monaten mit dem Turnier-Sieg in s'Hertogenbosch bei insgesamt 11:2 Siegen auf Rasen ist er bei fast allen Turnieren für das Hauptfeld qualifiziert und kann sich die Qualifikationsrunden sparen - vor allem bei den US Open in New York, dem Lieblingsturnier des in Fort Lauderdale (Florida) lebenden Saarländers. "Ich kann locker in die nächsten Monate gehen", sagte Becker, der sich seit Jahresbeginn von Position 135 auf Nummer 49 der Welt vorgearbeitet hat. "Vorher musste ich um diese Zeit um jeden Punkt kämpfen und hatte immer Druck. Der ist jetzt weg. Mal sehen, was in diesem Jahr noch geht", sagt Becker, dessen Formkurve trotz der Niederlage nach oben zeigt.

Auf einen Blick

Als einzige der fünf gestarteten deutschen Damen steht Sabine Lisicki (Berlin) in Runde drei. Die 19-Jährige setzte sich gegen Patrizia Mayr (Österreich) mit 6:2, 6:4 durch und trifft nun auf French-Open-Siegerin Svetlana Kuznetsova (Russland). Tatjana Malek (Bad Saulgau) verpasste gegen die Weltranglisten-19. Samantha Stosur (Australien) eine Überraschung. Sie vergab mehrfach eine Führung, unterlag am Ende mit 6:4, 6:7 (6:8), 4:6.

Bei den Männern besiegte Philipp Petzschner (Bayreuth) Mischa Zverev (Hamburg). Nach 3:36 Stunden hieß es 4:6, 7:6 (15:13), 3:6, 7:6 (7:5), 6:0 für Petzschner, der in Runde drei auf den Australier Lleyton Hewitt trifft. Der Sieger von 2002 setzte sich gegen Juan Martin del Potro aus Argentinien mit 6:3, 7:5, 7:5 durch. spr