Basketball: Saarlouis Royals mit Abstiegsduell gegen ChemCats Chemnitz

Frauen-Basketball : Für die Royals geht es jetzt ums Ganze

In der Basketball-Bundesliga trifft Schlusslicht Saarlouis auf den Vorletzten aus Chemnitz. Trainer Sykora erwartet ein Endspiel.

Ondrej Sykora schraubt den Basketballkorb höher. Gerade hat der Trainer der Saarlouis Royals in der Stadtgartenhalle noch mit vier Kindern geübt. Jetzt sind die Großen an der Reihe. Es ist eine der letzten Trainingseinheiten der Royals vor dem Heimspiel gegen die ChemCats Chemnitz an diesem Sonntag (16 Uhr) – dem Abstiegsduell der Damen-Basketball-Bundesliga (DBBL). Als Tabellenletzter trifft Saarlouis auf den Vorletzten. Das wird alles andere als ein Kinderspiel.

„Die Situation ist: Do or die“, sagt Sykora. Das heißt: Es geht ums Ganze. Die oder wir. Darum, wer in der 1. Liga bleibt. Und wie die Zukunft des Basketballs am Standort Saarlouis aussieht – nach all den Umbrüchen der jüngeren Vergangenheit. Sykora führt eine vor der Saison neu zusammengestellte Mannschaft. Nur die lange verletzte Nationalspielerin Nadjeschda Ilmberger und Helena Eckerle sind von den bekannteren Spielerinnen übrig geblieben. Hinzu kommt Kimberly Pohlmann, aus Halle zurückgekehrt, die mit den Royals schon zwei Mal deutscher Vize-Meister war.

Ansonsten prägen neue Gesichter die Royals – vor allem die US-Amerikanerinnen Ariel Hearn, eine Allrounderin, und Bronaza Fitzgerald. „Ich weiß, welche Spieler ich für meine Mannschaft verpflichtet habe – und warum“, sagt Sykora. Nur die Wintertransfers Graciela Diaz-Brito und Christina Gaskin schlugen nicht ein. Sie verabschiedeten sich schnell wieder, Gaskin in dieser Woche.

Sykora hat in dieser Saison schon einiges erlebt. Zu Jahresbeginn folgte auf den Coup gegen Spitzenclub TSV Wasserburg eine Schlappe in Nördlingen, bei einem Team aus dem unteren Mittelfeld. Am vergangenen Wochenende verpassten die Royals beim Tabellenführer BC Marburg (86:91) knapp die nächste Überraschung. „Die Mädels haben Charakter gezeigt, das ist das Wichtigste“, sagt der Trainer über diese Partie. „Wir wollen – das konnte jeder sehen.“ Wie erklärt sich der Tscheche die schwankenden Leistungen? „Bei einer jungen Mannschaft wie unserer geht es immer rauf und runter, wie bei einer Welle“, sagt Sykora. Außerdem sieht der Coach sich bestätigt: Schon vor der Saison habe er gesagt, dass bei jedem Spiel die Tagesform entscheide, so Sykora. „Die Bundesliga ist unglaublich eng.“

Die Tabelle lügt nicht. Heißt es. Geht es um die Royals, zeigt sie nicht die ganze Wahrheit. Im Dezember zog die DBBL den Saarländern zwei Punkte ab, brummte ihnen außerdem einen Strafzähler auf. So landeten sie am Tabellenende – auf dem einzigen Abstiegsplatz. Ob es bei der Strafe bleibt, ist offen. Saarlouis hat sich ans Schiedsgericht der DBBL gewandt. „Für den Kopf ist das schwierig“, sagt Sykora – und lobt seine Spielerinnen. „Vergleicht man die Mannschaft der letzten Jahre mit der jetzigen, zeigt sie ein ganz anderes Gesicht“, findet er.

Noch vor zwei Jahren kämpften die Royals um die Meisterschaft, ihr Headcoach Hermann Paar wurde zum deutschen Bundestrainer berufen. Dann zog sich in Saarlouis der wichtigste Geldgeber zurück. Der Neuanfang verlief durchaus holprig. Dass in Saarlouis noch Bundesliga gespielt wird, darf wohl als kleines Wunder gelten. Nun zählen nur noch Ergebnisse. „Wir haben in jedem Spiel gekämpft“, sagt Sykora. „Aber wir brauchen jetzt nicht über 100 Prozent zu reden, wir müssen 110 Prozent bringen – und mehr.“

Was sagen die Spielerinnen vor dem Abstiegsduell mit Chemnitz? „Wir brauchen uns nicht zu verstecken“, sagt Nadjeschda Ilmberger am Rande des Trainings. „Wir haben schon oft gezeigt, dass wir es können, dass wir oben mithalten können.“ Das soll Selbstvertrauen geben – auch wenn die Royals bis Sonntag noch ganz unten stehen.

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