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Handball
„Ball fangen und Ball werfen sollte man schon beherrschen“

Zwei Heimniederlagen in fünf Tagen: Auf der Saarlouiser Bank um Trainer Philipp Kessler (stehend) gab es traurige und ratlose Mienen.
Zwei Heimniederlagen in fünf Tagen: Auf der Saarlouiser Bank um Trainer Philipp Kessler (stehend) gab es traurige und ratlose Mienen. FOTO: Andreas Schlichter
Saarlouis. Siebte Niederlage in Folge: Handball-Zweitligist HG Saarlouis verliert nach dem Spiel gegen Eisenach auch gegen die HSG Nordhorn-Lingen mit 28:30. Sebastian Zenner

Unschöne Bescherung bei der HG Saarlouis: Am Abend des zweiten Weihnachtsfeiertags fuhr der Handball-Zweitligist die siebte Niederlage in Folge ein. Vor 1275 Zuschauern unterlag das Team von Trainer Philipp Kessler der HSG Nordhorn-Lingen gestern mit 28:30 (14:16). Torwart Patrick Schulz, der durch Zweitmannschafts-Schlussmann Sven Klein ersetzt wurde, fehlte ebenso wie Kreisläufer Michael Schulz erkältet.


„Ball fangen und Ball werfen sollte man in der 2. Bundesliga schon beherrschen. Wenn man das als Profi schon nicht kann, sieht es düster aus“, polterte Torwart Darius Jonczyk nach dem Spiel. Er lieferte eine solide Partie ab – seine Teamkollegen brachten sich durch zu viele Fehler selbst um den durchaus verdienten Lohn. Ein Schema wiederholte sich dabei immer wieder: Nordhorn legte vor, Saarlouis kämpfte sich mit großem Aufwand zurück, schaffte es nach der Pause aber nur beim 16:16 auszugleichen. Nordhorns Vorsprung wurde immer größer (19:16, 27:23, 30:25), bevor die HG am Ende noch Ergebniskosmetik betreiben durfte.

„Ich habe keine Ahnung, woran das liegen kann. Nach einer gelungenen Aktion bin ich euphorisiert. Und werfe den Ball nicht in der nächsten Aktion auf die Tribüne“, ärgerte sich Jonczyk über die große Verunsicherung des Teams: „Sorry, aber Nordhorn hat so viele Verletzte und kommt hier mit einer zweiten Mannschaft an. Dann muss man die vor so einem Publikum abschießen.“ Trainer Kessler nennt die vielen technischen und Konzentrationsfehler „Unerklärlichkeiten, mit denen man in der 2. Liga kein Spiel gewinnen kann.“ Er will in der Winterpause überlegen, „wie ich das Spielermaterial, das ich hier habe, optimal einsetzen kann“.



Am Freitag vor Weihnachten war Kessler sogar kurz sprachlos. Denn auch da erwischte die HG einen rabenschwarzen Tag, als sie vor der Saisonrekord-Kulisse von 1475 Zuschauern gegen den als Schlusslicht angereisten ThSV Eisenach eine 21:27-Niederlage kassierte. „Als Spieler habe ich in der Stadtgartenhalle selten so etwas erlebt“, sagte der HG-Trainer, nachdem er sich gesamelt hatte. „Die Jungs liefern am Wochenende leider etwas anderes ab als in den Trainingseinheiten. Wir fallen während der Spiele immer wieder in die gleichen Muster.“ Zum Beispiel, als Kessler beim Stand von 12:10 für Eisenach eine Auszeit nahm. Zuvor hatte die HG mit 10:8 geführt. Auch die Auszeit brachte den verlorenen roten Faden nicht zurück, und Eisenach zog auf 15:10 davon. 0:7 in acht Minuten. Ähnlich lief es gestern, als er die Auszeit beim 8:10-Rückstand nahm. Wenig später führte der Gegner mit 14:10.

„Die Abläufe im Angriff wurden nicht auf den Punkt gespielt. Dadurch wurde unser Selbstvertrauen kleiner und das des Gegners größer“, sagte der HG-Vorsitzende Richard Jungmann nach dem Eisenach-Spiel. Diese Aussage galt auch vier Tage später. Oder diese: „Michael Schulz ist wieder einmal krank ausgefallen. Das ist schade und ein echtes Problem, weil wir nur zwei gelernte Innenblock-Spieler haben und improvisieren müssen“, haderte Kessler, „Wir haben ein großes Kopfproblem und spielen deshalb einen sehr unsicheren Handball. Wir wollten das besser machen, haben es aber leider nicht geschafft.“

Die EM-Pause bis 11. Februar kommt für die HG definitiv nicht zu früh. „Die Spieler brauchen dringend eine Pause. Vor allem für den Kopf“, weiß Kessler. Er setzt auf eine ganz intensive Vorbereitungsphase im Januar, um da unten wieder rauszukommen: „Jeder Spieler ist gefragt, in dieser Zeit an sich zu arbeiten. So, wie ich es auch mache. Wir kommen da nur zusammen raus.“