Ausschluss russischer Leichtathleten steht bevor

Ausschluss russischer Leichtathleten steht bevor

Russlands Leichtathleten droht die Verbannung von den Olympischen Spielen. Eine unabhängige Kommission der Welt-Anti-Doping-Agentur forderte gestern den Ausschluss des russischen Leichtathletik-Verbandes.

Olympia-Verbannung, Ausschluss aus der Leichtathletik-Familie, weltweite Ächtung: Die Doping- und Betrugsaffäre in der russischen Leichtathletik weitet sich zu einem der größten Skandale der Sportgeschichte aus. Die Forderung einer unabhängigen Untersuchungskommission der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada), den russischen Leichtathletik-Verband ARAF wegen Nicht-Einhaltung des Anti-Doping-Codes aus dem Weltverband IAAF auszuschließen, stellt den Sport vor eine Zerreißprobe. "Die Leichtathleten haben nun die Radfahrer abgelöst", konstatierte der anerkannte Dopingexperte Fritz Sörgel.

Sollte die Wada das Maßnahmenpaket der Kommission übernehmen und offiziell an die IAAF und das Internationale Olympische Komitee (IOC) weiterreichen, läge ein einzigartiger Vorgang in der Geschichte des Sports in der Luft: der Ausschluss eines kompletten Landesverbandes von internationalen Wettbewerben wie Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen.

Der Paukenschlag der Kommission setzt die Wada, die IAAF und auch das Internationale Olympische Komitee unter Druck. Denn die Untersuchungsergebnisse übertrafen die schlimmsten Befürchtungen. IAAF-Präsident Sebastian Coe sagte: "Die Information aus dem Bericht ist alarmierend. Wir benötigen Zeit, um die detaillierten Ergebnisse zu verstehen. Ich habe jedoch das Council aufgefordert, Sanktionen gegen die ARAF zu prüfen."

Systematische Dopingkultur im russischen Sport, ein Korruptionsgeflecht mit der IAAF-Spitze und sogar das Mitwirken des russischen Geheimdienstes FSB: Die Wada-Kommission sieht es als erwiesen an, dass in der russischen Leichtathletik eine "tief verwurzelte Betrugskultur" geherrscht habe. Zudem bestätigte der Bericht Korruption und Bestechung auf höchster Ebene der IAAF. "Dieser Skandal ist viel schlimmer als der Fall Ben Johnson ", sagte Helmut Digel, Ehrenpräsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, und begrüßte den Vorstoß eines Ausschlusses: "Das muss auf Zeit möglich sein, auch wenn saubere Athleten bestraft würden."

Drahtzieher bei der IAAF soll Ex-Präsident Lamine Diack sein. Gegen den 82-jährigen Senegalesen und weitere Beschuldigte, darunter zwei seiner Söhne, wurde vergangene Woche in Frankreich wegen des Verdachts der Korruption und Bestechlichkeit ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Die Beschuldigten sollen gegen Zahlung von mehr als einer Million Euro positive Dopingproben vertuscht haben.

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