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Aus der Jugendherberge in die Ruhmeshallen

2010 fuhren sie in einem Team bei Mercedes. Nico Rosberg (links) und Michael Schumacher. Vor 25 Jahren fuhr Schumacher seinen ersten Formel-1-Grand Prix. foto: Weißbrod/dpa
2010 fuhren sie in einem Team bei Mercedes. Nico Rosberg (links) und Michael Schumacher. Vor 25 Jahren fuhr Schumacher seinen ersten Formel-1-Grand Prix. foto: Weißbrod/dpa
Spa/Köln. Am 25. August 1991 gab ein junger Mann namens Michael Schumacher im belgischen Spa sein Debüt in der Formel 1 – niemand ahnte damals, dass er in den folgenden Jahren zum König der Rennfahrer aufsteigen sollte. sid-Mitarbeiter Thomas Weitekamp

Die Nacht vor dem Start in seine Welt-Karriere war eine unruhige für Michael Schumacher . Eine Jugendherberge in den Ardennen, ein zugiges Zimmer ohne Teppichböden, ein Waschbecken mitten im Raum - und Herzklopfen vor der Premiere in der Formel 1 .


Vor einem Vierteljahrhundert, am 25. August 1991, betrat Schumacher im belgischen Spa erstmals die Bühne der Königsklasse. Und kaum etwas deutete damals darauf hin, dass dieser junge Deutsche bald zum König der Rennfahrer aufsteigen sollte. "Da sind wir endlich in der Formel 1 ", sagte Schumacher Jahre später mit einem Schmunzeln, "und dann schlafen wir in einer Jugendherberge". Von Glamour keine Spur, das Zimmer, so der Kerpener, "sah eigentlich aus wie eine Fußball-Umkleide. Und ich war damals stark erkältet, es gab aber keine Heizung. Ich habe ganz schön gefroren."

Schumacher kümmerte all das wenig, "es war einfach kein anderes Zimmer mehr zu kriegen". Denn in den Tagen zuvor war alles ganz schnell gegangen. Ein Zufall verhalf dem damals 22-Jährigen, der zuvor Sportwagen und Formel 3 gefahren war, zur kurzfristigen Chance.

Bertrand Gachot, Stammfahrer beim Jordan-Team, hatte einen englischen Taxifahrer im Streit mit Reizgas besprüht und verbüßte eine Haftstrafe. Das Cockpit beim englische Rennstall war frei, und Schumachers damaliger Manager Willi Weber versuchte, Teamchef Eddie Jordan von seinem Schützling zu überzeugen. Die erste Reaktion? "Who the fuck is Schumacher!” Zudem wollte der Brite auf der anspruchsvollen Strecke keinen Unerfahrenen antreten lassen. Da, erinnert sich Weber im Gespräch mit auto motor und sport, "musste eine Notlüge her. Ich sagte: ,Eddie, der kennt Spa wie seine Westentasche. Liegt doch vor seiner Haustüre.'" Dabei war Schumacher hier nie zuvor gefahren. Doch er erhielt seine Chance, und der Rest ist Formel-1-Geschichte.

"Michael hat eine Ära gestartet, als er 1991 das Fahrerlager in Spa betrat", sagt seine Managerin Sabine Kehm heute rückblickend. Mehr noch: Durch seine "immense Willenskraft, Disziplin und Intelligenz", sagte Kehm, habe er "einen höheren Standard für Rennfahrer dahingehend kreiert, wie sie ihren 'Job' angehen". Denn gleich bei diesem ersten Auftritt sorgte der akribische Schumacher mit Startplatz sieben im Qualifying für Verblüffung. Nach nur 500 Metern endete die Premiere aufgrund eines Kupplungsschadens dann jäh, doch ohne diesen, da ist sich Jordan bis heute sicher, "hätte Michael sein erstes Rennen gewonnen".



Mit einem Mal war Schumacher also ein heißes Eisen in der Formel 1 , gleich nach Spa wechselte er zum Topteam Benetton . Jordan hatte keine Chance - denn auch Bernie Ecclestone , der die Formel 1 in Deutschland populärer machen wollte, half kräftig mit. "Michael war eine andere Nummer als Stuck, Mass oder Winkelhock", sagt Jordan, "er war Bernies Lottogewinn."

Ein Jahr später gewann Schumacher in Spa dann seinen ersten Grand Prix, es folgten 90 weitere Siege, zwei WM-Titel für Benetton , die Ära mit fünf Titeln bei Ferrari - und ein wohl nicht zu wiederholender Formel-1-Hype in Deutschland.

Und immer wieder spielte Spa eine Hauptrolle. "Das ist mein Wohnzimmer", sagte Schumacher später, "für mich die ganz klare Nummer eins." Insgesamt sechs Erfolge gelangen ihm hier. Neue Informationen zu seinem Zustand, nachdem Schumacher am 29. Dezember 2013 beim Skifahren gestürzt war und sich ein schweres Schädel-Hirn-Trauma zugezogen hatte, gibt es nicht. Managerin Kehm äußerte sich nicht dazu.

Nico Rosberg fängt nach der Formel-1-Sommerpause im Kampf gegen WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton praktisch noch einmal von vorn an. "Für mich ist es quasi wie eine Art Neuanfang. Die bisherigen Ereignisse der Saison liegen hinter mir", sagte der 31 Jahre alte Mercedes-Pilot vor dem Großen Preis von Belgien am kommenden Wochenende. Auf dem legendären Kurs in Spa-Francorchamps konnte Rosberg noch nie gewinnen, dennoch will er die Siegesserie von Teamkollege und Titelverteidiger Hamilton nun beenden. Der Brite gewann sechs der vergangenen sieben Rennen und verwandelte einen 43-Punkte-Rückstand in eine 19-Punkte-Führung.

"Die erste Saisonhälfte war eine Art Achterbahnfahrt. Umso schöner ist es, dass ich mich nach mehr als der Hälfte der Rennen in dieser Situation befinde", kommentierte der ebenfalls 31 Jahre alte Brite vor dem Wiedersehen in Belgien. "Nach einigen schönen Wochen fühle ich mich frisch, voller Energie und bereit für Spa." Ob die beiden Rennen in Spa und Monza vor dem langen finalen Übersee-Trip wegweisend sein werden, wird sich zeigen. "Das Blatt wendet sich ständig. Umso spannender wird es, zu sehen, wie sich ihr Duell entwickelt", meinte Mercedes-Teamchef Toto Wolff. Klar ist, dass die beiden Silberpfeil-Piloten angesichts eines noch immer in dieser Saison sieglosen Ferrari den Titel unter sich ausmachen.