1. Sport
  2. Saar-Sport

Motorsport: Aus der goldenen Ära in die Formel E?

Motorsport : Aus der goldenen Ära in die Formel E?

Trotz großer Erfolge ist die berufliche Zukunft des Homburger Rennfahrers Timo Bernhard noch unklar. Sein Team zieht sich zurück.

Im April dieses Jahres hatte Timo Bernhard nur ein Ziel: „Ein Gesamtsieg mit Porsche in Le Mans wäre das Größte. Davon träume ich, seit ich denken kann.“ Bernhard ist Motorsportler, 36, und als „schnellster Saarländer aller Zeiten“ bekannt. Schon 2010 hatte er mit Audi das bedeutendste Autorennen der Welt gewonnen, fünf Jahre später wurde er sogar Weltmeister. Doch als der Sieg beim legendären 24-Stunden-Rennen mit Porsche – dem Stall, bei dem Bernhard seit 18 Jahren Werksfahrer ist und für den er schon lange als Aushängeschild gilt – Mitte Juni Realität wurde, befand sich Bernhard wohl auf dem Höhepunkt seiner Karriere.

„Porsche und Le Mans gehören einfach zusammen. Und nachdem ich bei Porsche die Chance bekommen hatte, Profifahrer zu werden, war das für mich eine Herzensangelegenheit. Das erreicht zu haben, ist etwas, das man nie vergisst“ sagte Bernhard gestern bei einem Empfang im Homburger Michelin-Werk. Nach seinem WM-Triumph vor zwei Jahren hatte OB Rüdiger Schneidewind versprochen, Bernhard dürfe sich als erster Homburger ein zweites Mal ins goldene Buch der Stadt eintragen, sollte er in Le Mans noch einmal gewinnen.

Dieses Versprechen löste der Oberbürgermeister gestern ein, als sich Bernhard in Anwesenheit dutzender kleiner und großer Fans erneut verewigte und sich freute, „so viel Anerkennung zu bekommen und zu sehen, dass jemand die Leistung honoriert. Als Sportler muss man ganz viele Entbehrungen hinnehmen, um in der Weltspitze mitzuhalten – deswegen ist jede Form der Anerkennung vielleicht noch schöner, als man es von außen erahnen kann.“

Trotz aller Ehrungen und Erfolge steht Timo Bernhard zurzeit beruflich vor einer unsicheren Zukunft. Nach zwei WM-Titeln und drei Siegen in Le Mans hintereinander hat Porsche Ende Juli angekündigt, sein Werksteam noch 2017 und damit ein Jahr vor Ablauf des Vertrages aus der Königsklasse des Langstreckensports zurückzuziehen. Kosten und Ertrag würden in keinem Einklang mehr stecken, darüber hinaus mangele es am Interesse der Zuschauer. Für Bernhard bedeutet das: Die Karriere im Langstreckensport scheint vorbei – eine berufliche Neuausrichtung ist unumgänglich.

„Das ist eine Entscheidung, die man respektieren muss“, sagte der WM-Führende gestern: „Ich bin allerdings mental noch mitten in der Saison und versuche, das Hier und Jetzt erfolgreich zu gestalten und noch ein letztes Mal den WM-Titel zu gewinnen. Für mich wird es wahrscheinlich erst gegen Ende des Jahres emotional, wenn ich langsam merke, dass das Projekt wirklich vorbei ist. Aber im Moment ist das bei mir noch nicht angekommen.“

Trotzdem sorgt das plötzliche Ende für Nostalgie bei Bernhard, der die Ära seines 900 PS starken Porsche 919 Hybrid von Anfang an geprägt hat. „Es ist eine unvergessliche Zeit mit ganz tollen Momenten“, erinnert er sich und denkt auch schon an die Zukunft: „Ganz sicher ist, dass ich bei Porsche weiterhin Werksfahrer bleiben werde, was für mich sehr wichtig ist. In welchem Rahmen das sein wird und welche Programme es betrifft, werden wir sehen. Fakt ist, dass ich bis auf wenige Ausnahmen immer im Langstreckenbereich unterwegs war und dafür ausgebildet wurde – ich habe viel Erfahrung und einige Erfolge vorzuweisen. Trotzdem heißt das nicht, dass ich nicht auch etwas anderes fahren kann.“

Eine Option könnte ein Engagement in der Formel E sein. Das ist die Elektro-Rennserie, in die Porsche zur Saison 2019/20 einsteigt und die immer beliebter bei Zuschauern und Herstellern wird. Sie wird der Langstrecken-Weltmeisterschaft WEC wohl den Rang ablaufen, in der mit Toyota Stand heute nur noch ein Team in der höchsten LMP1-Klasse fährt. „In den letzten drei Jahren haben wir wahrscheinlich die goldene Ära der Sportwagen erlebt, das ist mit dem Ausstieg von Porsche endgültig vorbei. Jetzt kommt mit der Formel E etwas ganz Neues, eine ganz andere Disziplin“, sagt Timo Bernhard: „Das ist eine Serie, die sich gut entwickelt hat. Man muss ihr eine Chance geben und schauen, wie sie sich aufbaut. Ob ich in diese Richtung auch gehen will oder werde – da kann ich im Moment noch nichts zu sagen.“

Beim Heimatbesuch trägt sich Timo Bernhard, der in diesem Jahr die 24 Stunden von Le Mans gewonnen hat, ins Goldene Buch der Stadt Homburg ein. Foto: Andreas Schlichter

Ganz im Gegenteil zu den Zielen für die restliche Saison. Fünf Rennen stehen noch an, Bernhard und seine neuseeländischen Teamkollegen Earl Bamber und Brendon Hartley haben 30 Punkte Vorsprung auf die Zweitplatzierten von Toyota. „Ich bin einfach stolz, bei dem Programm dabei zu sein“, sagt er: „Wir haben Großes erreicht – und jetzt hoffen wir, dass wir noch einmal unseren Titel verteidigen.“