Neuer Stürmer des 1. FC Saarbrücken: Aus dem Schatten des Vaters in eine neue Welt

Neuer Stürmer des 1. FC Saarbrücken : Aus dem Schatten des Vaters in eine neue Welt

Der neue Stürmer Marcel Carl muss sich beim 1. FC Saarbrücken an vieles neu gewöhnen. Dass er treffen kann, hat er schon bewiesen.

Viele Fußballer stehen im Schatten ihres Vaters, wenn der ein erfolgreicher Profi war. So ähnlich ist es auch bei Marcel Carl, dem neuen Stürmer beim Fußball-Regionalligisten 1. FC Saarbrücken. Sein Vater Eberhard hat zwischen 1989 und 1997 177 Spiele für den Karlsruher SC in der Bundesliga bestritten, schaffte mit dem KSC in der Saison 1993/94 sogar den Einzug ins Halbfinale des Uefa-Cups und stand beim 7:0 gegen den FC Valencia auf dem Feld. „Ich bin stolz darauf, was mein Vater geleistet hat. Er hat in Karlsruhe in den goldenen Zeiten viel erreicht und ist ein Vorbild für mich. Nicht nur im Fußball, vor allem im privaten Bereich“, sagt Marcel Carl, „mit ihm verglichen zu werden, stört mich nicht. Der Druck ist dadurch nicht größer. Meine Eltern haben mich nie zu irgendwas gedrängt. Alles was ich getan habe, habe ich selbst entschieden.“

Die Entscheidung, vom FC Astoria Walldorf zum FCS zu wechseln sei ihm leicht gefallen. Die Gespräche mit Sportdirektor Marcus Mann haben ihn überzeugt. „Ja, es gab andere Anfragen. Aber hier hat einfach das Gesamtpaket gestimmt“, sagt der 24-Jährige: „In Walldorf kamen 350 Zuschauer zu den Ligaspielen, hier waren es 750 beim ersten Testspiel. Das ist schon besonders.“

Auch die Intensität des Trainings ist eine andere als beim Ligakonkurrenten. „Das war dort doch eher Richtung Amateurbereich. Training war immer abends, fast alle arbeiten nebenher“, erzählt Carl, der selbst nebenbei zwei Jahre Betriebswirtschaftslehre studierte, das Studium aber wegen des Sports mittlerweile auf Eis gelegt hat. „Hier in Saarbrücken trainieren wir zwei Mal am Tag. Eine Umstellung, an die ich mich auch erst einmal gewöhnen muss.“

Carl ist noch auf Wohnungssuche. Der wichtigste Raum: die Küche. „Ich koche sehr gern. Am liebsten Nudelgerichte“, sagt der Angreifer, der zunächst alleine nach Saarbrücken ziehen wird. Freundin Jessica hat eine Stelle als Kinderkrankenschwester in Heidelberg, die gemeinsame Wohnung in Hockenheim ist nicht so weit weg. Ansonsten geht Carl gerne ins Kino und fährt gerne Ski. „Das werde ich jetzt erst mal zurückstellen.“

Dass er die Nachfolge des erfolgreichen Sturmduos Patrick Schmidt/Kevin Behrens antritt, sieht der Neue als große Herausforderung. „Ich weiß, was die beiden hier geleistet haben. Davor muss man den Hut ziehen. Aber ich freue mich auf die Saison. Das Ziel ist der Aufstieg“, sagt Carl, der in der vergangenen Saison mit seinen 15 Toren hinter Karl Heinz Lappe (FSV Mainz, 22 Treffer) und den beiden Saarbrückern (jeweils 19 Tore) viertbester Torjäger der Regionalliga Südwest wurde – und das in einem eher durchschnittlichen Team.

„Die neue Mannschaft ist super. Ich kenne sie ja aus den letzten Jahren und habe die Entwicklung verfolgt. Vor allem bin ich froh, dass Marco Kehl-Gomez jetzt nicht mehr gegen mich spielt und ich bei ihm im Team bin“, sagt Carl und grinst. Beide sind neben dem Platz freundlich und fast zurückhaltend, im Spiel sehr emotional: „Manchmal hasse ich mich richtig nach dem Spiel. Dann frage ich mich manchmal schon, was ich da gemacht habe. Aber das ist eigentlich nach dem Schlusspfiff vergessen.“

In seiner Zeit bei der zweiten Mannschaft des KSC hat Carl mit Linksverteidiger Mario Müller zusammengespielt. „Mario hat sich unglaublich entwickelt, dynamisch athletisch, ganz stark“, lobt Carl und scherzt: „Nur gewachsen ist er nicht.“ Wachsen will Marcel Carl an den Aufgaben. Das Ziel ist klar formuliert. „Wir wollen aufsteigen.“ Und das wäre sicher ein weiterer Schritt aus dem Schatten des Vaters heraus.

Seit Mittwoch ist der FCS in einem einwöchigen Trainingslager im thüringischen Teistungen. Dort testet das Team auch an diesem Samstag um 11 Uhr gegen Nordost-Regionalligist Wacker Nordhausen – ohne Sebastian Jacob, der Stürmer ist wegen eines grippalen Infekts zuhause geblieben.