Aus dem Saarland aufs große Eis

Aus dem Saarland aufs große Eis

Für jeden anderen sind Europameisterschaften eine große Nummer. Für die gebürtige Saarbrückerin Nathalie Weinzierl ist die Eiskunstlauf-EM in Budapest mehr ein Warmmachen für die Erfüllung eines Traumes: die Teilnahme an den Olympischen Winterspielen in Sotschi.

Es sind immer die besonderen Momente, die in Erinnerung bleiben. Ereignisse, die noch Wochen und Monate, manchmal Jahre später so präsent sind, als wären sie erst gestern passiert. Für Eiskunstläuferin Nathalie Weinzierl war ein solcher Moment, als sie von ihrer Nominierung für die Olympischen Winterspiele in Sotschi erfahren hat. "Es war am 18. Dezember, als plötzlich alle anriefen und zu mir in die Umkleidekabine kamen, um es mir zu sagen", erinnert sich die gebürtige Saarbrückerin ganz genau. "Da war ich nur noch glücklich und habe den ganzen Tag gestrahlt."

Die nahende Olympia-Premiere ist eine zusätzliche Motivation für die 19-Jährige bei den am Montag beginnenden Europameisterschaften der Eiskunstläufer in Budapest. "Das ist doch der Traum eines jeden Sportlers", sagt sie, "und es war auch schon immer meiner". Einer, der jetzt in Erfüllung geht - und auch in Saarbrücken für große Freude sorgt. "Sie wollte immer nur Eislaufen", erklärt Oma Hildegard stolz, auch wenn sie ihre Enkelin heute nicht mehr so oft sieht. Sie wohnt im pfälzischen Frankenthal. "Es ist jetzt einfach nicht mehr möglich, ganz spontan übers Wochenende nach Saarbrücken zu kommen", sagt Weinzierl, "das lässt mein Trainingsplan einfach nicht zu".

Doch hier hat sie ihre Wurzeln, ist als kleines Kind schon in der Saarbrücker Eishalle gelaufen. Das Einzige, was ihr aber durch den Kopf geht, wenn sie Saarbrücken hört, sind natürlich ihre Großeltern. "Sie hat einfach immer gerne gespielt", erinnert sich ihre Oma, "ob das Kniffel oder ‚Mensch ärgere Dich nicht' war". Mittlerweile sind diese Momente selten geworden. Täglich trainiert die zierliche Studentin zwei bis drei Stunden auf dem Eis, hat zusätzlich Ballettstunden, und stellt deshalb auch ihr Studium (Unternehmensjura) hinten an. "Es ist schon ein bisschen mehr geworden in den letzten Monaten", sagt sie und muss lächeln. Weil sie mit der Italienerin Francesca Cotogni härter an ihrer Choreographie arbeitet.

"Das letzte Jahr mit Trainer Peter Sczypa war schon ganz gut", sagt sie, "da hab ich ja auch noch mein Abitur gemacht". Und lief ganz nebenbei auf einen neunten Platz bei der EM in Zagreb und einen 19. Platz bei der Weltmeisterschaft 2013, mit dem sie letztlich den olympischen Startplatz für Deutschland erkämpft hat. Doch die Olympia-Norm (145 Punkte) für eben jenen Startplatz hat sie ursprünglich um 0,4 Punkte verpasst. "Ich hatte im Unterbewusstsein immer die Punkte im Kopf, die ich laufen muss", sagt sie, "und war viel zu verkrampft und verbissen".

Dass sie bei den Olympischen Spielen in der Damenwertung und für den Teamwettbewerb trotzdem aufs Eis geht, liegt mit Sicherheit auch an den 175 Punkten, die sie bei den Deutschen Meisterschaften im Dezember erhielt. "Da hab ich mich einfach richtig gut gefühlt, entspannt und gelöst", sagt sie, "da bin ich ganz frei gelaufen". Eine Leistung, die ihre stetig ansteigende Form nur unterstreicht und die Olympia-Nominierung rechtfertigt.

Ihre Ziele für Sotschi aber bleiben bescheiden. "Ich werde bestimmt nicht unter den ersten zehn sein", sagt sie gelassen, "aber wenn ich am Ende einen 16. oder 17. Platz laufe, bin ich auch schon zufrieden". Für Weinzierl zählt also vor allem der olympische Gedanke: Dabei sein ist alles.

Mehr von Saarbrücker Zeitung