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Aus dem Brennpunkt nach Berlin

Aus dem Brennpunkt nach Berlin

Saarbrücken. Es ist ein ähnliches Bild wie im Februar in Berlin. Nur der Rahmen ist kleiner. Adrian Schmitz und Manuela Feith, die beiden blinden Tänzer des Polizei-Sportvereins Saar, sitzen in der "Bel étage" in Saarbrücken, warten auf das Ergebnis der Preisverleihung "Sterne des Sports in Silber"

Saarbrücken. Es ist ein ähnliches Bild wie im Februar in Berlin. Nur der Rahmen ist kleiner. Adrian Schmitz und Manuela Feith, die beiden blinden Tänzer des Polizei-Sportvereins Saar, sitzen in der "Bel étage" in Saarbrücken, warten auf das Ergebnis der Preisverleihung "Sterne des Sports in Silber". Im Februar hatte ihr Verein bei der Aktion der Volksbanken das Saarland mit dem Projekt "Tanzen als Sport und Therapie für Menschen mit Behinderung" vertreten - und den Stern in Gold gewonnen. Jetzt sind die beiden lediglich Gäste, denn ihr Nachfolger steht fest, der in zwei Monaten nach Berlin reisen wird.

Hinter Adrian Schmitz sitzt Lothar Bock, Vorsitzender und Trainer des Judo-Clubs (JC) Folsterhöhe Alt-Saarbrücken. Er hält sich die Hand vor den Mund, Tränen steigen ihm in die Augen. Gerade hat Moderator Thomas Wollscheid verkündet, dass der FC Wallhausen ("Integration Fußball-Mannschaft behinderte und nicht behinderte Kinder im Alter von fünf bis 14 Jahren") Platz zwei erreicht hat. Bock sucht nach Worten: "Als der Dritte und Zweite verkündet wurde, war bei mir alles vorbei." Denn der JC Folsterhöhe hatte damit mit dem Projekt "Treffpunkt statt Brennpunkt" den großen Stern in Silber - und ein Preisgeld von 2500 Euro gewonnen. Dritter von 66 Bewerbern wurde der FC Lautenbach mit dem Projekt "Engagement und kontinuierliche Investitionen in die Jugendarbeit als existenzsichernde Grundlage unseres Sportvereins".

Der JC Folsterhöhe bietet sozialschwachen Familien und Menschen mit Migrations-Hintergrund die Möglichkeit, Sport zu treiben - in dem Dojo (Übungshalle), das die JC-Mitglieder selbst geschaffen haben. Im sozialen Brennpunkt Folsterhöhe unterstützt er außerdem die Jugendlichen aus den plattenbauartigen Wohnungen durch Bewerbungs-Betreuung, Nachhilfe oder Sprachkurse. "Ich habe schon seit der ersten Veranstaltung gesagt, dass wir nach Berlin fliegen", freut sich Manuel Metzger, Trainer beim JC. Und alle sind sich sicher, dass der Verein ein guter saarländischer Vertreter ist. "Das ist ein tolles Projekt. Ohne zu wissen, was die anderen Bundesländer machen, glaube ich, dass wir damit wieder vorne landen", ist Botschafter René Spandauw, Trainer der Bundesliga-Basketballerinnen der Saarlouis Royals, überzeugt.

Mittlerweile hat auch Bock realisiert, was sein Verein erreicht hat. "Das ist wie ein Sechser im Lotto für jemanden, der auf der Straße lebt. Eine riesige Auszeichnung, vor allem für die Kinder und Jugendlichen, die sich im Verein engagieren. Jetzt weiß man, dass der Weg, den man geht, richtig ist", sagt der Vorsitzende: "Ich hoffe, dass ich bis zur Entscheidung in Berlin gut schlafen kann". Am 7. Februar wird die Preisverleihung für den Bundessieger nämlich nicht in kleinem Rahmen stattfinden. Dann werden die Vertreter des Judo-Clubs Folsterhöhe in Berlin sitzen - vor Bundespräsident Christian Wulff. Und dann wird die Anspannung größer sein - wie bei den Tänzern des Polizei-Sportvereins Saar.