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Aufstehen, weitermachen

Aufstehen, weitermachen

Mit einer farbenfrohen und rasanten Show inklusiver leichter Misstöne sind die Paralympics in Rio de Janeiro eröffnet worden. Für den bewegendsten Moment sorgt eine Fackelläuferin, die mit der Flamme stürzt.

Fahnenträger Markus Rehm hatte noch Stunden danach Gänsehaut, in Brasilien herrschte großer Stolz über eine gelungene und farbenfrohe Eröffnungsfeier mit bewegenden Momenten. Da störten auch die schon obligatorischen Pfiffe gegen den umstrittenen Präsidenten Michel Temer, der um 21.08 Uhr Ortszeit die XV. Paralympics eröffnet hatte, und eine russische Flagge beim Einzug der Athleten nur am Rande.

"Begleitet von Regen und starken Emotionen war die Eröffnungsfeier erneut eine Riesenparty", schrieb die Zeitung O Globo aus Rio . Es sei "eine einfachere Feier als bei den Olympischen Spielen" gewesen, so O Estado de Sao Paulo, "aber reich an Emotionen und rührenden Momenten".

"Gänsehaut", "atemberaubend", lobte der Deutsche Behindertensportverband (DBS) via Twitter die fast vierstündige Zeremonie im legendären Maracanã-Stadion von Rio . 60 000 Cariocas hatten Lust zu feiern und trotzten auch dem starken Regen, der am Ende einsetzte.

So startete das Behindertensportfest in Rio unter dem Motto "every body has a heart" (jeder Körper hat ein Herz) mit einer bunten, fröhlichen und rasanten Show zu diversen Samba-Rhythmen, aber ohne den bei Olympia üblichen Protz. Schlagzeilen um marode Finanzen oder den Komplettausschluss Russlands waren erst einmal weit weg, auch wenn Teile der weißrussischen Delegation beim Einmarsch ins Stadion eine russische Flagge zur Schau trugen.

In Russland wurde die Aktion überschwänglich gefeiert - auch im Kreml. "Diese Tat verdient Bewunderung", erklärte Wladimir Putins Sprecher Dmitrij Peskow: "Wir bewerten dieses Zeichen der Solidarität mit unseren Paralympiern, die unverdientermaßen um ihre Chance auf eine Teilnahme an den Paralympics gebracht worden sind, sehr hoch."

Sir Philip Craven, Präsident des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC), konzentrierte sich in seiner Eröffnungsrede nicht auf Russland, sondern auf die Bedeutung der Paralympics für Brasilien und die Behinderten weltweit. "Es ist ein neuer Punkt in der stolzen Geschichte Brasiliens. Die Paralympics werden euren Fokus ändern, von Problemen zu Möglichkeiten", sagte Sir Craven.

Heftige Pfiffe gab es nur, als Craven und Carlos Arthur Nuzman, Chef des Organisationskomitees, der Regierung um Temer dankten und dieser danach die offizielle Eröffnungsformel sprach. Um 21.51 Uhr Ortszeit, 2.51 Uhr unserer Zeit, entzündete Clodoaldo Silva, brasilianischer Rekord-Paralympicssieger, schließlich das paralympische Feuer, das bis 18. September brennen wird.

Kurz zuvor war es zu einem rührenden Moment gekommen, als Marcia Malsar, die als zweite von vier Athleten das paralympische Feuer ins Stadion trug, mit der Flamme in der Hand stürzte. Zwei Volunteers halfen ihr auf die Beine. Die Zuschauer erhoben sich von ihren Sitzen und trugen Malsar mit donnerndem Applaus bis zum Ende ihrer Etappe. Für die Zeitung O Estado war diese Szene "eine Botschaft der Integration und Beweis, dass die Begrenzung des Körpers überwunden werden kann".

Zum Thema:

Auf einen Blick Die Mannschaft des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) hat dank Carmen und Ramona Brussig die ersten Medaillen bei den Paralympics in Rio sicher. Die Zwillingsschwestern aus Schwerin zogen im Judo in ihren Gewichtsklassen jeweils ins Finale ein. Carmen Brussig (39) kämpfte in der Klasse bis 48 Kilogramm gegen die Chinesin Li Liqing um Gold. Ramona zog wenig später in der Klasse bis 52 Kilogramm ins Finale ein und traf dort auf Sandrine Martinet aus Frankreich. Beide Kämpfe waren bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht beendet. Die Brussig-Schwestern hatten schon in London innerhalb von 20 Minuten Gold in ihren Gewichtsklassen gewonnen. sid