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Aufholjagd im Hexenkessel

Danijel Grgic, der Kapitän der HG Saarlouis, war am Samstag gegen den TV Großwallstadt von nichts und niemandem zu stoppen und erzielte stolze 14 Tore. Foto: Rolf Ruppenthal
Danijel Grgic, der Kapitän der HG Saarlouis, war am Samstag gegen den TV Großwallstadt von nichts und niemandem zu stoppen und erzielte stolze 14 Tore. Foto: Rolf Ruppenthal FOTO: Rolf Ruppenthal
Saarlouis. Mit einem euphorischen Publikum im Rücken hat Handball-Zweitligist HG Saarlouis in der Stadtgartenhalle einen Sechs-Tore-Rückstand aufgeholt. Überragender Mann beim 33:33 gegen den TV Großwallstadt war Kapitän Danijel Grgic. Von SZ-MitarbeiterSebastian Zenner

Samstagabend, die Stadtgartenhalle in Saarlouis. Es laufen die letzten 40 Sekunden im Handball-Zweitligaspiel zwischen der HG Saarlouis und dem TV Großwallstadt. Es steht 33:33, 1553 Zuschauer unterstützen ihre HG lautstark bei der Abwehrarbeit. Plötzlich ertönt ein Pfiff der Schiedsrichter: Freiwurf für Großwallstadt, Zeitstopp. Zwei Sekunden bleiben für die Ausführung. Florian Eisenträger wird angespielt, steigt hoch und wirft. Doch HG-Schlussmann Rajko Milosevic taucht blitzschnell ab, pariert und sichert einen wichtigen Punkt.

"Dado" Grgic ragt heraus

Herausragender Spieler der HGS mit 14 Toren war Danijel "Dado" Grgic. "Jetzt, da ich nicht mehr der Älteste im Kader bin, komme ich mir richtig jung vor", scherzte der 36-Jährige nach dem Schlusspfiff. Nur Neuzugang Dejan Dobardzijew (37), der seinen ersten Treffer vor heimischem Publikum erzielte (20. Minute, 8:11), ist älter als der HG-Kapitän, der wegen einer Finger-Distorsion angeschlagen war und zuletzt nicht immer trainieren konnte.

"Nach diesem Spielverlauf haben wir uns den Punkt verdient. Das ist wichtig für die Moral und für die Zuschauer. Wir haben gezeigt, dass wir kämpfen können", sagte Grgic, der mit einem verworfenen Siebenmeter (57. Minute, 30:32) haderte: "Wenn ich den rein mache, können wir vielleicht gewinnen. Aber ich war da schon am Anschlag."

Nach gut 18 Minuten und beim Stand von 7:10 war Grgic eingewechselt worden. Anschließend führte er die HG unter anderem mit fünf Toren in Folge auf 14:15 heran und setzte seine tolle Leistung auch nach der Halbzeit (15:17) fort. Dabei musste die Mannschaft von Trainer Goran Suton ab der 43. Minute auf ihren zweitbesten Torschützen, Nikolaos Riganas (vier Treffer), verzichten. Der Grieche löste sich aus einer Umklammerung seines Gegenspielers Jannik Kohlbacher so heftig, dass die Schiedsrichter ihn disqualifizierten. "Wenn nichts mehr geht, nimmst du das Herz in die Hand und marschierst", brachte Grgic die Aufholjagd nach dem Sechs-Tore-Rückstand (43., 20:26) bis zur Schlussminute auf den Punkt.

"Herzschlag-Spiel"

"Das war ein Herzschlag-Spiel. Wir können froh sein, dass mit Kampf und Leidenschaft und dem herausragenden Dado Grgic ein Punkt herausgesprungen ist", meinte HG-Trainer Goran Suton und sprach das größte Manko an diesem Abend offen an: "Wir haben in der Abwehr viel rotiert, um Kreisläufer Jannik Kohlbacher in den Griff zu bekommen. Aber der war mit neun Toren bester Schütze des TVG. Erst mit der Umstellung auf die offensive Abwehr mit der Formation der Hinrunde ist uns das gelungen." Auch die lautstarken Zuschauer hatten daran ihren Anteil, wie TVG-Kreisläufer Kohlbacher feststellte: "Bis zur 26:20-Führung hatten wir das Publikum ganz gut im Griff. Dann kochte die Euphorie hoch, und dieser Hexenkessel hat seine Jungs bis zum Schluss getragen."