Aufgeschoben, nicht aufgehoben

Suzuka · Sebastian Vettel hat auch den Großen Preis von Japan gewonnen. Trotz des fünften Sieges des Red-Bull-Piloten in Serie wurde die Titelentscheidung in der Formel 1 noch einmal vertagt. Fernando Alonso hielt sich die rechnerische Chance offen.

Am Ende wurde es nichts mit der großen WM-Sause in Suzuka. Sebastian Vettel leistete gestern beim Großen Preis von Japan in seinem Red Bull Runde für Runde Schwerstarbeit, belohnte sich mit dem neunten Saisonsieg - auf die Titelverteidigung muss er mindestens noch zwei Wochen warten. Denn Fernando Alonso schob die Entscheidung mit seinem vierten Platz im Ferrari noch einmal auf. Es ist aber wohl nur eine Gnadenfrist für den Spanier, denn Vettel reicht beim viertletzten Saisonrennen am 27. Oktober in Indien angesichts von 90 Punkten Vorsprung ein fünfter Platz zu seinem vierten Weltmeister-Titel in Folge.

Für Vettel war die geplatzte Party kein Problem. Der dreimalige Weltmeister hatte ohnehin nicht an den vorzeitigen Titelgewinn gedacht. "Ich war viel zu beschäftigt damit, das Auto bis zur Ziellinie zu bringen", sagte der 26-Jährige mit noch immer leicht zittriger Stimme: "Da war alles dabei, was dabei sein konnte, so sehen die perfekten Rennen aus."

Entsprechend euphorisch hatte der Heppenheimer bei der Zieldurchfahrt seinen ersten Platz in der Landessprache gefeiert: "Ichiban, ichiban!", brüllte er in den Boxenfunk und bedankte sich auf dem Podest für die Unterstützung bei seinem Lieblingsrennen: "Japan haut mich jedes Mal weg, ich bin überwältigt."

Doch sein vierter Sieg in Japan seit 2009 war kein Schaulaufen wie in den vergangenen Wochen. Nach Startplatz zwei und Problemen in der ersten Rennhälfte hatte sich Vettel an die Spitze arbeiten müssen. Trotz der komfortablen Situation gibt Vettel nun weiter den Mahner. "Wir haben natürlich einen tollen Vorsprung, aber es ist nicht zu Ende, bevor es zu Ende ist", sagte er gewohnt zurückhaltend und freute sich über das spannende Rennen, das die Formel-1-Fans für viele langatmige Momente in den vergangenen Monaten entschädigte.

Den 35. Sieg seiner Karriere hatte Vettel vor Teamkollege Mark Webber aus Australien und Lotus-Pilot Romain Grosjean aus Frankreich ins Ziel gefahren. Nico Hülkenberg belegte im Sauber Platz sechs direkt hinter Lotus-Pilot Kimi Räikkönen aus Finnland. Nico Rosberg wurde im Mercedes Achter und Force-India-Fahrer Adrian Sutil musste sich mit Rang 14 begnügen.

Für die am vergangenen Freitag im Alter von 33 Jahren verstorbene frühere Testpilotin Maria de Villota legte die Formel 1 vor dem Start eine Schweigeminute ein. Vettel trug zu Ehren der Spanierin einen Stern auf seinem Helm. De Villotas Tod war wohl eine Spätfolge eines Unfalls, bei dem sie im Juli 2012 ihr rechtes Auge verloren hatte.

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Auf einen BlickIm 15. Saisonrennen hat Sauber-Pilot Esteban Gutierrez den Ruf der Formel-1-Neulinge gerettet. Gestern in Japan fuhr der Mexikaner als erster der fünf Debütanten in dieser Saison in die Punkteränge. Die Fahrt auf Platz sieben brachte dem Teamkollegen von Nico Hülkenberg sechs WM-Zähler ein. In den vorherigen 14 Saisonläufen waren sowohl Gutierrez wie auch Williams-Fahrer Valtteri Bottas, Giedo van der Garde im Caterham sowie das Marussia-Duo Jules Bianchi und Max Chilton punktlos geblieben. dpa

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