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Drittliga-Aufstieg ist möglich
Aufbruchstimmung hat einen Namen

Statt als Leitwolf auf dem Spielfeld stellt Danijel Grgic seine Jungs jetzt als Trainer mit dem Taktikbrett an der Seitenlinie ein. Mit der VTZ Saarpfalz führt der 41-jährige Ex-Saarlouiser die Oberliga an und könnte in die 3. Liga aufsteigen.
Statt als Leitwolf auf dem Spielfeld stellt Danijel Grgic seine Jungs jetzt als Trainer mit dem Taktikbrett an der Seitenlinie ein. Mit der VTZ Saarpfalz führt der 41-jährige Ex-Saarlouiser die Oberliga an und könnte in die 3. Liga aufsteigen. FOTO: Marco Wille / Marco Wille; www.marcowille.de
zweibrücken. Trainer Danijel Grgic bringt die Handballer der VTZ Saarpfalz voran. Am Samstag geht es im Oberliga-Spitzenspiel gegen die HF Illtal. Von Sebastian Zenner

Danijel Grgic sagt: „Aufbruchstimmung ist mein zweiter Vorname. Ich wurde immer geholt, um Dinge in die richtige Richtung zu bewegen.“ Der Handball-Trainer der VTZ Saarpfalz erwartet mit seinem Team die HF Illtal zum Oberliga-Topspiel. Die Vereinigte Turnerschaft aus Zweibrücken steht mit drei Punkten Vorsprung auf Verfolger Illtal an der Tabellenspitze. Das Derby wird am Samstag um 18 Uhr in der Zweibrücker Westpfalzhalle angepfiffen.


Den sperrigen zweiten Vornamen hat Grgic nicht von ungefähr: 2006 kam der Champions-League-erfahrene frühere kroatische Nationalspieler (25 Einsätze) in seinem Karriere-Herbst zum damaligen Regionalligisten HG Saarlouis. Von Anfang an stand er als Leitwolf und zentraler Strippenzieher auf dem Feld. Grgic prägte zusammen mit dem HG-Vorsitzenden Richard Jungmann den Aufstieg in die 2. Bundesliga 2009 sowie die erfolgreichen Jahre danach.

2014 beendete der Kroate seine aktive Karriere und widmete sich – nach einem kurzen Aushilfs-Comeback 2015 – den anderen Aufgaben, die er bei der HG wahrnahm. Unter anderem als Jugendkoordinator sowie als Trainer der A-Jugend-Bundesligamannschaft und der 2. Mannschaft, mit der er 2014 Meister der Saarlandliga wurde. In die Oberliga aufsteigen durfte die Zweitliga-Reserve aus Kostengründen nicht. 2016 folgte dann der Wechsel nach Zweibrücken.

„Die Glanzzeiten der VTZ sind in Vergessenheit geraten. Als ich nach Saarlouis kam, hatten wir uns mit der VTZ große Kämpfe in der Regionalliga geliefert. Und vor zwei Jahren wollte der Verein etwas Neues, Frisches, um wieder Aufbruchstimmung zu schaffen“, erzählt Grgic. Dass er in seiner ersten VTZ-Saison 2016/2017 mit einer stark verjüngten Mannschaft auf Anhieb Vizemeister in der RPS-Oberliga und Saarlandpokalsieger wurde, kann als Bestätigung seines Rufs gewertet werden. „Wir wollen einfach nur erfolgreich Handball spielen und Leute in die Halle locken. Es gibt keinen Druck. Auch jetzt nicht“, sagt der 41-Jährige, „der Aufstieg wäre gut, aber er muss nicht sein. Für mich ist nur wichtig, dass eine kontinuierliche Entwicklung stattfindet – individuell und als Team“, meint er, „das haben wir sehr schnell geschafft, und das macht mich stolz.“

Typisch für das VTZ-Team in dieser Saison: Nach durchwachsenen 40, 50 Spielminuten dreht die Truppe gegen Ende voll auf und gewinnt auf der Zielgeraden doch noch. „Wir lassen uns nicht aus der Ruhe bringen“, beschreibt „Dado“ und ergänzt lachend: „Vielleicht liegt das auch am Trainer. Wer weiß?!“ Trotz des Erfolgs ist eine Karriere als Profitrainer für den Berufstätigen keine Option: „Ich hatte genug Anfragen, aber das hat mich nie interessiert. Handball ist mein Leben, aber das Geschäft ist so schnelllebig geworden. Und ich will nach meiner Spielerkarriere nicht noch einmal von meiner Familie getrennt sein“, stellt der Familienmensch klar.



Im Falle des Aufstiegs in die 3. Liga könnte Grgic auf seinen Ex-Club treffen. Vorausgesetzt, die HG Saarlouis verliert ihren harten Kampf um den Klassenverbleib in der 2. Bundesliga. „Vielleicht ist die Zeit gekommen, einen Schritt zurückzugehen, um danach wieder zwei nach vorne zu machen. Wie zum Beispiel in Großwallstadt oder Hüttenberg“, meint der 41-Jährige mit Blick auf die HG, deren Heimspiele er regelmäßig besucht. Seinen früheren Mannschaftskameraden wünscht er nur das Beste: „Die Jungs haben die wenigste Schuld an der Situation. Das Problem ist die fehlende Kontinuität der letzten vier, fünf Jahre – auf der Trainerposition und auch bei den Spielern. Mal wurden unglückliche Entscheidungen getroffen, mal hat es einfach nicht gepasst.“

In Zweibrücken soll das anders laufen. „Wenn wir aufsteigen, wollen wir mit unseren Mitteln versuchen, eine junge, schlagkräftige Truppe zusammenzustellen“, sagt Grgic und ergänzt zur Zielsetzung: „Alles außer Klassenverbleib ist utopisch. Wir würden das Jahr genießen, weil wir es uns dann hart erarbeitet haben.“ Und vielleicht hält die Aufbruchstimmung dann ja auch sogar länger an.