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Saarsport-Tribüne
Aufarbeitung des Skandals hat gerade erst begonnen

FOTO: Roby Lorenz / SZ
Der Finanzskandal beim Landessportverband für das Saarland fördert viele Fragen zutage. Unter anderem die nach der Personalplanung. Von Kai Klankert
Kai Klankert

Das Zwischenfazit des LSVS-Skandals fällt, so bitter das ist, verheerend aus. Die Kostenkontrolle hat beim Landessportverband für das Saarland (LSVS) über Jahre versagt – unter dem Präsidenten Gerd Meyer ebenso wie unter seinem Nachfolger Klaus Meiser. Für die Haushalts-Fehlplanung hält sich das Präsidium kurioserweise nicht für verantwortlich, obwohl es das laut Satzung ist, und schiebt dem freigestellten Hauptgeschäftsführer Paul Hans alles in die Schuhe. Nur: Gilt das auch für die fragwürdige Personalplanung?



Der Fall der Lebensgefährtin von LSVS-Präsident Meiser ist bekannt. Sie war seine Büroleiterin im Landtag und obendrein für 1200 Euro brutto im Monat beim LSVS angestellt zur Terminkoordination von Meiser. Dieser hatte den Fauxpas schnellstmöglich zu korrigieren versucht, die Lebensgefährtin wurde im Landtag versetzt und ihre Stelle beim LSVS ersatzlos gestrichen. Nur: Meisers Lebensgefährtin ist kein Einzelfall.

Ein Oberwürzbacher CDU-Par­teifreund von Meisers Partnerin hat beim LSVS einen Hausmeister-Job erhalten. Sicherlich kein Zufall. Dem SR teilte der LSVS auf dessen Anfrage mit, die Stelle sei öffentlich ausgeschrieben worden, der Personalrat beteiligt gewesen. Auch mit dieser Antwort geht das System der Halbwahrheiten an der Sportschule weiter. Tatsächlich hatte der Personalrat nach SZ-Informationen darauf gedrängt, aus einer bestehenden 450-Euro-Stelle eine Vollzeitstelle zu machen, weil der Arbeitsaufwand zu groß geworden war. Dass dann der Lokalpolitiker aus Oberwürzbach praktisch aus dem Nichts eingestellt und der vorhandenen Kraft vorgezogen wurde, soll dem Personalrat ganz und gar nicht gefallen haben. Die Folge: Aus einer 450-Euro-Kraft wurden plötzlich zwei Stellen. Das Modell der „doppelten Besetzung“ soll übrigens mehrfach umgesetzt worden sein. Einer über Beziehungen und ein anderer, damit Ersterer nicht zu sehr auffällt.

Der LSVS-Skandal ist nicht mehr auf den vielzitierten Planungsfehler im Haushalt zu reduzieren. Er umfasst längst das gesamte Handeln an der Hermann-Neuberger-Sportschule. Haushalt, Bau-Boom auf Pump, Stellenbesetzung – vieles lag und liegt im Argen. Der Bund der Steuerzahler hat sich in dieser Woche eindeutig geäußert. Der Innenausschuss des Landtags wird sich weiter kümmern, denn die Linken wollen unbedingt Paul Hans öffentlich zu Wort kommen lassen. Die Ergebnisse der Staatsanwaltschaft stehen noch aus. Und das alles im Jahr der Mitgliederversammlung, die für September vorgesehen ist. Auch wenn es nicht jeder beim LSVS wahrhaben will – die Aufarbeitung des Skandals hat gerade erst begonnen.