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LSVS-Finanzskandal
Auf der Suche nach einem neuen Präsidenten

FOTO: Robby Lorenz / SZ
Wer soll den Landessportverband eigentlich künftig führen? Diese Frage wird in den kommenden Monaten beantwortet werden müssen. Klar ist: Schlange stehen die Bewerber nicht, weil rund um den LSVS alles auf dem Prüfstand steht. Von Mark Weishaupt
Mark Weishaupt

Die Aufräumarbeiten beim Landessportverband für das Saarland sind in vollem Gange. Experten analysieren die Finanzkrise des LSVS, versuchen den tatsächlichen Finanzstatus herauszufinden, um dann Maßnahmen zu ergreifen, die das finanzielle Überleben des LSVS irgendwie möglich machen. Michael Blank, der neue Konsolidierungsberater, dürfte nicht zu beneiden sein. Mit der Einsetzung eines Untersuchungsausschusses hat die Aufklärung des Finanzskandals ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Auch der Ton unter den Koalitionären wird schärfer. Die SPD fühlt sich von der CDU nicht ausreichend informiert und artikuliert das erstmals seit drei Monaten auch öffentlich so – hat ja lange gedauert.


Was die Zukunft für die dem LSVS angehörenden Sportfachverbände samt den gut 2000 saarländischen Sportvereinen bringt, weiß noch niemand. Klar ist: Es wird Einschränkungen finanzieller Art geben. Geben müssen. Nicht nur kurzfristig, sondern auf Dauer. Womit wir zu spannenden Fragen kommen, die bislang selten gestellt wurden: Wie wird der LSVS künftig an der Spitze aufgestellt sein? Wann wird ein neues Präsidium gewählt? Wie kann die Sportförderung an der Saar künftig aussehen? Wird der Saarsport ein Stück Autonomie in der Selbstverwaltung behalten, oder werden externe Gremien mehr und mehr das Heft in die Hand nehmen? Und wer kontrolliert künftig alles – oder besser gesagt: Wird künftig endlich kontrolliert?

Diese Fragen sind alles andere als leicht zu beantworten. Das lässt sich schon alleine daran festmachen, dass die aktuelle Struktur völlig unterschiedlich bewertet wird. Innen- und Sportminister Klaus Bouillon etwa, dessen Ministerium die Rechtsaufsicht über den LSVS hat, sagte beispielsweise vergangene Woche im „Aktuellen Bericht“ des Saarländischen Rundfunks: „All das, was 40 Jahre lang gut war, wird jetzt von vielen sehr schlecht geredet.“ Ohne Zweifel: Das kann man so sehen.

Doch es gibt auch andere Meinungen. „Der Saarsport muss auf völlig neue Beine gestellt werden. Die bisherigen Strukturen haben sich nicht bewährt.“ Das sagte – etwas überraschend – ebenfalls Klaus Bouillon. Im gleichen Interview, nur Sekunden später. Alleine die Tatsache, dass sogar die Rechtsaufsicht des LSVS sich offenbar selbst nicht im Klaren darüber ist, was bisher gut oder schlecht war, zeigt, wie viel Arbeit noch zu bewältigen ist.

Spannend dürfte die Frage nach dem kommenden starken Mann an der LSVS-Spitze sein. Spätestens seit Klaus Meiser angekündigt hat, nicht mehr für eine weitere Amtszeit zur Verfügung zu stehen, laufen im Hintergrund die Gespräche über seinen Nachfolger. Schlange stehen müssen potenzielle Bewerber nicht – schließlich dürfte die Führungsarbeit des oder der Neuen von einigen mit Argusaugen beobachtet werden. Heiß gehandelt wird derzeit nach SZ-Informationen Bernd Wegner, der Präsident des Saarländischen Ringer-Verbandes. Der Präsident der Handwerkskammer des Saarlandes gilt als gut vernetzt, sitzt in diversen Verwaltungsräten und ist stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU im saarländischen Landtag. Ob er das Gesicht für einen Neuanfang beim LSVS sein kann, müssen die Wahlberechtigten auf der LSVS-Mitgliederversammlung entscheiden.



Auch der Rest des Präsidiums wird sein Gesicht verändern. Der saarländische Handball-Präsident Eugen Roth, 60, hat ja schon vor Wochen seinen Rücktritt erklärt, auch Franz Josef Schumann, der 69 Jahre alte Präsident des Saarländischen Fußball-Verbandes und immerhin LSVS-Vize neben Turner-Präsident Franz Josef Kiefer, tritt nicht mehr an – offiziell aus „Altersgründen“. Viel Bewegung also – und Bewegung soll im Sport ja nichts Schlechtes sein.