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Auf der Bank neben Leroy Sané

Saarbrücken. Marius Schley aus Bliesransbach ließ sich beim FC Schalke 04 ausbilden. Aus der Regionalliga will er weiter nach oben. Tobias Fuchs

Der Sportpark des SC Bliesransbach liegt ein wenig abseits des Dorfes, in einem kleinen Tal zwischen Obstbäumen und Feldern. "Ich fahre da immer gern vorbei, wenn ich zu Hause bin", erzählt Marius Schley. Dann nimmt er die schmale Biege zum Sportheim, überquert den Bachlauf, der unter dem Kunstrasenplatz verschwindet. Für einen 19-Jährigen ist Schley aber ziemlich selten: daheim.



Die meiste Zeit verbringt Marius Schley in Gelsenkirchen. Auf dem Berger Feld. Dort baut Schalke 04 seit Jahren, zwischen dem alten Parkstadion und der Arena auf Schalke. Der Fußball-Bundesligist erweitert sein riesiges Vereinsgelände, investiert Millionen in den Nachwuchs, seine "Knappenschmiede". Dort wurde Schley ab 2013 ausgebildet. Seit dieser Saison spielt er für die U23 von Schalke 04 in der Regionalliga West, ist Stammkraft im defensiven Mittelfeld. Eine Karriere im Aufbau.

Angefangen hat alles in Bliesransbach, vor 14 Jahren. 2010 geht Schley zum SV Auersmacher, kickt für die C-Junioren der JFG Obere Saar. Dann spricht ihn Jan Berger an, jetzt beim Saarlandligisten FV Eppelborn, damals Trainer der U15 des 1. FC Saarbrücken. Schley wechselt zu den Blau-Schwarzen. Mit seiner neuen Mannschaft gewinnt er 2011/12 das Double: die Meisterschaft in der Regionalliga und den Saarlandpokal.

Am Saisonende sagt Berger über Schley: "Marius ist die beste Neuverpflichtung, die mir als Trainer je gelungen ist." Fünf Jahre später gilt dieser Satz noch immer. "Er ist ein Fußballer, wie ich ihn seitdem nie mehr gesehen habe", meint Berger. Mehr noch: "Ich hatte noch nie einen Spieler, der so einen starken Charakter hat." Schley stelle sich "total in den Dienst der Mannschaft".

Blickt Schley zurück, schwärmt er von einer "richtig guten Truppe". Zwei seiner Mitspieler sind heute wie er auf dem Weg zum Profi: Jonas Arweiler (Borussia Dortmund) und Torwart Florian Müller (Mainz 05).



2013 wechselt Schley ins Ruhrgebiet. Der Saarländer zieht ins Jugendinternat von Schalke 04, teilt sich eine Unterkunft mit sieben anderen Junioren. "Das war wie eine größere WG", erklärt er. Schley verlässt auch das Rotenbühl-Gymnasium in Saarbrücken, besucht fortan die Gesamtschule Berger Feld, unweit der Schalke-Arena. Er hat Heimweh, gewöhnt sich sportlich aber schnell ein.

Nach einer Saison rückt Schley zur U19 auf, gewinnt mit Schalke die deutsche Meisterschaft. Beim Finale gegen die TSG Hoffenheim (3:1) sitzt er auf der Bank, neben dem heutigen Nationalspieler Leroy Sané. Beide werden eingewechselt, Sané für eine gute Stunde, Schley für eine Minute. Für ihn ist das ein Erfolg, schließlich zählt er zu den Jüngeren.

"Die Mannschaft war wirklich enorm stark. Da war es nicht so einfach, als junger Spieler Fuß zu fassen", erzählt er. In jedem Training habe man an seine Grenzen gehen müssen. Als er in seine letzte Saison bei den Junioren geht, steigt Schley zum Kapitän auf. Was ihn nicht überrascht: "Der Trainer hat schon im ersten Jahr oft mit mir gesprochen, mir immer das Gefühl gegeben, dass ich Teil der Mannschaft bin." Dieser Trainer ist Norbert Elgert, als Ausbilder eine Legende. "Ein Trainer, der auf die Details sehr viel Wert legt", berichtet Schley. "Man lernt von ihm auch fürs Leben." Schalke wird als Meister Zweiter der starken Bundesliga West, verliert das Endspiel des Westfalenpokals. Nach dem 0:2 gegen den VfL Bochum sitzt Schley auf dem Rasen, weint. Auch weil er weiß, dass die Jugendzeit vorbei ist.

Drei Spieler aus seinem Jahrgang erhalten einen Profivertrag. Schley ist nicht dabei. Er sagt: "Ich kann mich gut selbst einschätzen." Dass er in die zweite Mannschaft übernommen wird, nennt Schley "passend zu meinem Leistungsstand". Sein Vertrag läuft bis 2018. Das längerfristige Ziel: Er will in eine höhere Klasse.

Aktuell kämpft er mit Schalkes U23 um den Klassenverbleib in der Regionalliga West, der 4. Liga, gegen etliche Traditionsvereine. Vor einer Woche ging es an die legendäre Hafenstraße zu Rot-Weiss Essen, 6237 Fans waren im Stadion. Schalke verlor mit 0:1. Dennoch: "In Essen zu spielen, abends, das macht richtig Spaß", sagt Schley. "An eine solche Kulisse könnte man sich gewöhnen." Dass sein Team nicht absteigen wird, davon ist Schley "vollkommen überzeugt". Fest steht: Er wird viel zu erzählen haben, zurück in Bliesransbach.