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Regionalliga Südwest
Auf dem Platz kennt er nur Gegner

FCS-Neuzugang Marlon Krause sammelte in den vergangenen Jahren bei Holstein Kiel und der SG Großaspach viel Drittliga-Erfahrung.
FCS-Neuzugang Marlon Krause sammelte in den vergangenen Jahren bei Holstein Kiel und der SG Großaspach viel Drittliga-Erfahrung. FOTO: Andreas Schlichter
Bitburg/Saarbrücken. FCS-Neuzugang Marlon Krause spielt kompromisslos: „Wenn mir einer dumm kommt, ist er an der falschen Adresse.“

Der Wimpel des 1. FC Saarbrücken hängt direkt neben denen von Manchester United, Besiktas Istanbul und Bayer Leverkusen. Erinnerungen an illustre Gäste, die an der Sportschule Bitburg schon Station gemacht haben – wie der Fußball-Regionalligist mit seinem Kurztrainingslager diese Woche. Doch dafür hat Marlon Krause keinen Blick, vielmehr hat der Neuzugang der Blau-Schwarzen sein Handy im Auge. „Meine Frau Laura und ich erwarten unser erstes Kind“, erklärt Krause, „es wird ein Junge. Termin ist am 24. Juli.“ Wie wichtig ihm die Familie ist, zeigt auch eine der zahlreichen Tätowierungen auf seinem Oberarm. „Das ist der Todestag meiner Oma.“



Im Spiel aber, da kennt der Familienmensch Krause keine Verwandten. „Auf dem Platz kenne ich keine Freunde, nur Gegner, die man bearbeiten muss“, stellt der Innenverteidiger klar. Genau diese Aggressivität fehlte Trainer Dirk Lottner oft in der vergangenen Saison. Darum verpflichteten die Malstatter Spieler wie Marco Kehl-Gomez oder eben Krause. „Wenn mir einer dumm kommt, ist er bei mir an der falschen Adresse“, sagt Krause. „Aber wer austeilen kann, muss auch einstecken können. Aber neben dem Platz kann ich keiner Fliege was antun.“

Eigentlich ist der in Halstenbek bei Hamburg geborene Fußballer gelernter Mittelfeldspieler. „Bei Holstein Kiel hat mich Trainer Karsten Neitzel in die Innenverteidigung gestellt. Danach sind wir aufgestiegen“, erzählt Saarbrückens Neuer über den neuen Trainer des Liga-Konkurrenten und Lokalrivalen SV Elversberg. „Als ich gelesen habe, dass er dort unterschrieben hat, habe ich ihm gleich geschrieben. Ich freue mich schon auf das Spiel.“

In Kiel war Krause ein Führungsspieler, auch beim Drittligisten Sonnenhof-Großaspach gehörte der 26-Jährige zu den Anführern. „Ich habe dort mit den Ex-Saarbrückern Kai Gehring und Nico Jülich zusammengespielt. Die beiden haben mir zu meinem Wechsel ins Saarland sofort gratuliert“, sagt Krause, „Hierarchien wie früher gibt es so auch nicht mehr. Bei uns darf jeder was sagen und jedem wird zugehört.“

Doch wieso wechselt ein gestandener Drittliga-Spieler (80 Spiele) zu einem Regionalligisten? „Marcus Mann (Saarbrückens sportlicher Leiter, Anm. d. Red.) hat schon sehr frühzeitig mit mir Kontakt aufgenommen. Das ist heutzutage ungewöhnlich, weil Vereine oft sehr lange warten mit ihren Transferaktivitäten“, erzählt der nur 1,80 Meter große Innenverteidiger, „dann hatte ich ein langes Gespräch mit Trainer Dirk Lottner. Ich hatte einfach Bock auf diese neue Aufgabe. Es reizt mich, wenn man gemeinsam etwas bewegen will.“ Die Aufstiegsspiele hat er mit Kiel kennengelernt, wie man aufsteigt, weiß er.



Das Trainingslager sei ein voller Erfolg gewesen, sportlich, aber auch zwischenmenschlich. „Wenn man hier die ganze Zeit zusammen ist, lernt man sich sehr gut kennen. Es waren sehr intensive Tage“, sagt Krause, „die Qualität der Mannschaft ist brutal. Natürlich habe ich den Anspruch an mich selbst, immer spielen zu wollen. Aber das geht jedem richtigen Fußballer so.“

Auch wenn es bis zum Saisonstart beim SSV Ulm am 28. Juli noch fast zwei Wochen sind, haben die Tage in Bitburg zumindest die Frage nach einer Dreier- oder Vierer-Kette in der Abwehr mit einem klaren „und“ beantwortet. „Beide Systeme haben ihre Vor- und Nachteile“, sagt Krause, „der Trainer hat also die Möglichkeit, auf jeden Gegner zu reagieren.“ Eines ist dagegen klar: Der „kleine“ Krause wird Saarländer. Und das wird Papa Marlon mitnehmen – egal, wie sein sportliches Gastspiel enden wird.