Auch Udo Hölzer will Präsident des SFV werden

Kostenpflichtiger Inhalt: Kandidatur um Präsidenten-Amt im Saar-Fußball : Hölzer setzt auf Expertise

Der Fußball-Trainer und Japan-Experte kündigt seine Kandidatur um das Präsidenten-Amt im Saarfußball an.

Der ehemalige Regierungssprecher Thorsten Klein möchte es werden, der aktuelle Vizepräsident Adrian Zöhler auch. Und mit Udo Hölzer gibt es sogar noch einen dritten Kandidaten für das seit dem Rücktritt von Franz Josef Schumann (30. März 2019) verwaiste Amt des Präsidenten des Saarländischen Fußballverbandes (SFV).

„Im Fußball wie in der Gesellschaft gibt es oben einige wenige Reiche, während die Basis unten ums Überleben kämpft“, sagt Hölzer zu seinen Beweggründen für die Kandidatur und erläutert: „Es gibt keinen besseren Kitt für die Gesellschaft als die Vereine. Sie haben eine wichtige gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Aber eben diese Vereine werden alleine gelassen. Es gab wenige Zeiten, in denen die Führung des Fußballs dem Sport mehr geschadet hat als heute.“

Hölzer ist 65 Jahre alt. Der Diplom-Sportlehrer arbeitet seit rund 30 Jahren in der Jugendhilfe bei der Arbeiterwohlfahrt, zurzeit in einer Tagesgruppe in Lebach. Im Januar beginnt für ihn „der nächste Lebensabschnitt“, sagt Hölzer zum Eintritt in die Rente – ein Aspekt, der ihn von seinen in Vollzeit arbeitenden Mitbewerbern unterscheidet. „Die entscheidende Abgrenzung zu den anderen Kandidaten ist meine langjährige fußball-fachspezifische Erfahrung als Trainer und Lehrbeauftragter“, sagt Hölzer: „Ich bin Querdenker und möchte Neues umsetzen – und das auch gegen institutionalisierte Bedenkenträger. Ich habe schon bei anderen Projekten bewiesen, dass ich sie mit langem Atem umsetzen kann.“ Seit über 30 Jahren hat Hölzer weitreichende Kontakte in den japanischen Fußball aufgebaut, Talente nach Europa gebracht, die Trainerausbildung dort vorangetrieben. Nur ein Beispiel seiner Arbeit im Sport.

Hölzer betont, dass er sich in jedem Fall für das Amt des SFV-Präsidenten bewerben wird – egal ob bei einem außerordentlichen Verbandstag, wie ihn Klein anstrebt, oder bei einem ordentlichen in 2020, wie ihn Zöhler bevorzugt. „Veränderungen brauchen Zeit, man kann nichts übers Knie abbrechen“, sagt Hölzer, der sich mit Aussagen über den Weg, den er mit dem Verband einschlagen möchte, noch zurückhält: „Ich möchte mich zunächst um die Zusammenstellung eines Teams kümmern, das den Fußball nicht nur repräsentiert, sondern auch verkörpert. Ich halte es für verfrüht, jetzt schon Details zum Programm zu erzählen. Eine große Agenda zu verkünden, wäre doch nichts anderes, als Worthülsen zu produzieren.“

Wer im „Team Hölzer“ mitspielt, verrät der zweifache Vater noch nicht. „Klar wollen die Menschen wissen, wer dabei ist. Ich bitte da aber um Verständnis. Spätestens bis Ende des Monats kann ich mehr sagen. Es gilt auch zu überprüfen, ob Leute, die bisher einen guten Job gemacht haben, wieder ein Amt bekleiden möchten. Da gilt es, noch Gespräche zu führen.“ Dass Josef Kreis zum „Team Hölzer“ ebenso gehört wie zu den Personal-Tableaus von Zöhler und Klein, stört den dritten Bewerber in keinster Weise: „Ich sehe das unter dem Aspekt der Fußball-Expertise.“ Er wolle Fachleute in jedem Bereich, Ressourcen bündeln.

In jedem Fall will Hölzer die Basis stärken, auch finanziell. „Dass von den Milliarden Euro Fernsehgeld letztlich nur drei Millionen an die kleinen Vereine zurückfließen, ist ein Unding“, sagt Hölzer: „als der DFB-Vizepräsident Rainer Koch gesagt hat, die kleinen Vereine sollen mehr Würstchen verkaufen, wenn sie mehr Geld brauchen, war das für mich eine Motivation, mich zu bewerben.“ Auch der Mitgliederrückgang ist ein Thema für ihn. Dabei schade es dem Fußball im Land nicht, dass sich nun gleich drei Männer um das Führungsamt bewerben. „Die Vereine müssen jetzt intern diskutieren. Es sind plötzlich Alternativen da“, sagt Hölzer: „Man kann nicht mehr irgendwen zum Verbandstag schicken, der einfach nur den Arm hebt.“

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