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Leichtathletik: Auch als „Hotel-Manager“ ist Ausdauer nötig

Leichtathletik : Auch als „Hotel-Manager“ ist Ausdauer nötig

Beim 55. Pfingstsportfest des LC Rehlingen tritt an diesem Sonntag die Leichtathletik-Weltelite an. Genauso wichtig wie die Sport-Stars sind die Helfer-Stars, wie „Hotel-Manager“ Christian Klein.

Klasse und Masse: Rund 380 Spitzen-Leichtathleten aus 55 Ländern werden an diesem Sonntag in Rehlingen starten und die Zuschauer im Bungertstadion in 19 Disziplinen mit Top-Leistungen begeistern. So lang wie bei der 55. Auflage war die Meldeliste beim internationalen Pfingstsportfest des LC Rehlingen noch nie.

180 Athleten, darunter Hochsprung-Europameister Mateusz Przybylko und Diskus-Olympia-Sieger Christoph Harting, reisen aus der Ferne an. Ebenso 40 Betreuer. 220 Personen wollen also übernachten. Ein Rekord, der bei Christian Klein seit Wochen für schlaflose Nächte sorgt – und viel Stress. „Die ersten Athleten reisen donnerstags an, dienstags reisen die letzten ab“, stöhnt der Ex-Bundeskader-Athlet beim Reservierungs-Endspurt. Auch kurz vorm ersten Startschuss ackert und schwitzt der 35 Jahre alte „Hotel-Manager“ immer noch, beim Kampf um die letzten Übernachtungsplätze.

Mehrere Monate dauert der Buchungs-Marathon schon an. „Erst am Samstagabend werden wir im Ziel sein und es geschafft haben – hoffentlich“, sagt Klein und schmunzelt. Aus seiner Erfahrung auf der Mittelstrecke weiß der zweifache deutsche Jugendmeister: Richtig anstrengend wird‘s erst auf den letzten Metern.

2011 bei den Hallen-Weltmeisterschaften in Doha war es so. „Da bin ich leider im Vorlauf ausgeschieden, aber die Teilnahme war etwas Besonderes“, kommentiert der Diplomkaufmann den Abschied von der großen Leichtathletik-Bühne. Es folgten noch einige kleinere Rennen. 2012 hängte Klein die Laufschuhe endgültig an den Nagel.

Als er 2010 den Job als „Hotel-Manager“ beim Pfingstsportfest übernahm, war alles noch überschaubarer. „Heute bringen wir 140 Athleten und Betreuer im Hotel Scheidberg unter und achtzig Personen in sechs anderen Hotels. Logistische Schwerst­arbeit für die Helfer an meiner Seite und unsere Fahrdienste.“

Für die Größe des Sportfestes sei die Qualität der Unterbringung schon sehr üppig. „Wir sind früher nicht so verwöhnt worden“, denkt Klein zurück. Bei der Junioren-WM 2002 in Jamaika maßen die Zimmer fünf Quadratmeter. Zu essen gab es Huhn, Reis und Weißbrot.

Am unkompliziertesten seien die Kenianer. „Die honorieren die Mühe und sind dankbar – aber nicht trinkfest“, lacht Klein. Einmal feierte eine afrikanische Läufergruppe die Erfolge abends mit einigen Gläschen Bier. „Bei der Abreise ging es den Jungs morgens nicht so gut“, verrät Klein und sieht Trainingsbedarf.

Wie bei den Afrikanern sei auch im Sportfest-Orga-Team Teamgeist wichtig. Sein Verhältnis zur dreiköpfigen Meeting-Direktion ist übrigens bestens – und familiär. LC-Präsident Thomas Klein ist der Onkel, Ann-Cathrin Klein die Schwester und Werner Klein der Papa. Unter dem Hindernis-Bundestrainer hat der Junior lange erfolgreich trainiert. Aktuell gibt es ein Hühnchen zu rupfen. „Papa ist natürlich froh über große Felder und sagt Top-Athleten gerne mal kurzfristig zu. Wir müssen dann rotieren. Der Blick auf die aktuelle Meldeliste ist extrem spannend“, sagt Klein und nimmt‘s mit Humor.

 Christian Klein (links) beim Pfingstsportfest 2003 mit Ludwin Klein (Mitte) und Raphael Schäfer.
Christian Klein (links) beim Pfingstsportfest 2003 mit Ludwin Klein (Mitte) und Raphael Schäfer. Foto: rup/Ruppenthal

Begrüßen unterbringen, verabschieden – ja. Richtig in Aktion sehe er seine Athleten selten. „Ich schaffe es oft erst in der letzten Stunde ins Stadion“, sinniert Klein. Am abschließenden 3000-Meter-Lauf nahm er 2009 letztmals teil. Zehn Jahre später freut sich der gestresste „Quartiermeister“, nur Zuschauer zu sein: „Die Last ist weg, alles ist gelaufen und ich kann das Meeting-Finale einfach genießen.“