| 21:14 Uhr

Handball-EM in Kroatien
Arbeitssieg dank Fäth und der Torhüter

Varazdin. Deutsche Handballer tun sich zum Auftakt der Hauptrunde beim 22:19 gegen Tschechien schwer und liegen lange zurück.

Pflicht erfüllt, Halbfinalchance gewahrt: Die deutschen Handballer haben bei der EM in Kroatien dank der starken Torhüter Silvio Heinevetter und Andreas Wolff sowie des treffsicheren Steffen Fäth ihr Minimalziel weiter im Visier. Der Titelverteidiger präsentierte sich nach zwei schwächeren Auftritten aber auch zum Hauptrundenstart lange Zeit verunsichert und besiegte Außenseiter Tschechien am Freitagabend in Varazdin nur mit Mühe 22:19 (9:10).


Der Berliner Fäth war mit acht Toren bester Werfer der Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB). Nächster Gegner der Mannschaft von Bundestrainer Christian Prokop ist am Sonntag (18.15 Uhr/ARD) Olympiasieger Dänemark. Zum Abschluss der Hauptrunde geht es am Mittwoch (20.30 Uhr/ZDF) gegen Vize-Europameister Spanien. Eine Leistungssteigerung ist dabei zwingend erforderlich.

„Wir müssen jetzt liefern, ohne Diskussion“, hatte DHB-Vizepräsident Bob Hanning nach den Enttäuschungen gegen Slowenien und Mazedonien (beide 25:25) erklärt. Prokop wirbelte sein Team dafür gehörig durcheinander. Heinevetter begann erstmals im Tor, im Rückraum durften Fäth, Paul Drux und Kai Häfner ran. Doch mit Ausnahme von Fäth ließ das deutsche Offensivspiel wieder viele Wünsche offen. Fehlwürfe, schlechte Anspiele, viel zu wenig Druck – das Angriffsspiel wirkte uninspiriert und verunsichert. Bestes Beispiel war Julius Kühn. Nach 14 Minuten schickte Prokop ihn aufs Feld, nach zwei Fehlwürfen und einem schwachen Zuspiel musste der Melsunger zurück auf die Bank.

Die Folge war nach einer 7:5-Führung (15.) ein 8:10-Rückstand (26.). Einzig der gute Heinevetter und die insgesamt ordentliche Abwehrleistung hielten die DHB-Auswahl gegen einen Gegner mit begrenzten Möglichkeiten im Spiel. „Außer Steffen Fäth kommen wir mit viel zu wenig Schwung. Das ist viel zu leicht für die tschechische Abwehr“, sagte Kapitän Uwe Gensheimer in der Halbzeit. Auch nach dem Wechsel bot sich das gleiche Bild. Selbst Gensheimer ließ freistehend beste Möglichkeiten ungenutzt. Heinevetter hielt die DHB-Auswahl mit seinen Paraden aber im Spiel.

Nach dem 16:18 (48.) brachte Prokop Andreas Wolff für Heinevetter (zwölf Paraden) und schwor sein Team auf die Schlussphase ein: „Wir müssen jetzt richtig draufgehen. Wir sind eine deutsche Mannschaft und besser als die.“ Das zeigte das DHB-Team aber erst in der Schlussphase, da Wolff ebenso glänzend hielt wie sein Vorgänger und in den letzten zwölf Minuten nur noch ein Gegentor zuließ. Steffen Weinhold traf zum 21:18 (58.) und sorgte damit für die Vorentscheidung.



Derweil sorgte Kroatiens Nationaltrainer Lino Cervar am Donnerstagabend beim 25:23-Sieg der Gastgeber gegen Weißrussland für einen Eklat. 30 Sekunden vor dem Ende griff der 67-Jährige ins Spielgeschehen ein, indem er den weißrussischen Spieler Artur Karvazki vom Spielfeldrand aus am Oberkörper festhielt. Der europäische Verband EHF leitete ein Verfahren gegen Cervar ein. Wenige Momente nach der Aktion von Cervar hatte Karvazki den Ball bekommen. Statt den Ausgleich zu erzielen, beging er ein Stürmerfoul. Kroatien traf im Gegenzug zum Endstand. „Ich habe ihn zufällig erwischt. Es war aus Versehen“, sagte Cervar, „es ist in der Hitze des Gefechts passiert.“