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Anspruch und Wirklichkeit

 Michael Petry fiebert dem Duell mit Borussia Neunkirchen entgegen. Und er sagt selbstbewusst: „Ich weiß, welche Schwächen die Spieler haben.“ Foto: Bost
Michael Petry fiebert dem Duell mit Borussia Neunkirchen entgegen. Und er sagt selbstbewusst: „Ich weiß, welche Schwächen die Spieler haben.“ Foto: Bost FOTO: Bost
Wiesbach. Für Michael Petry, Trainer des Fußball-Oberligisten FC Hertha Wiesbach, steht an diesem Samstag eine besondere Partie an. Mit den Gelb-Schwarzen spielt er bei seinem Ex-Verein Borussia Neunkirchen. Philipp Semmler

Die Nachricht schlug im Januar ein wie eine Bombe. Michael Petry, damals Trainer beim Fußball-Oberligisten Borussia Neunkirchen , gab bekannt, dass er seinen Vertrag nicht verlängert und stattdessen im Sommer zum FC Hertha Wiesbach wechseln wird. Für viele kam der Schritt mehr als überraschend, denn mit der Borussia stand er auf Rang vier der Tabelle, Wiesbach war dagegen mitten im Abstiegskampf.


Zu den Gründen, warum er Neunkirchen verließ, schwieg der gerade 40 Jahre alt gewordene Übungsleiter damals. Jetzt sagt Petry, der am Samstag um 17.30 Uhr mit Wiesbach im Ellenfeld bei seinem Ex-Club zu Gast ist: "Ich habe in Neunkirchen nicht verlängert, weil mir dort Anspruch und Wirklichkeit zu weit auseinander gehen." Petry störte, dass bei der Borussia von der Regionalliga geträumt wurde, während zu dieser Zeit noch das inzwischen zurückgezogene Insolvenzverfahren lief.

Kurz nachdem Petry für sich den Entschluss gefasst hatte, nicht im Ellenfeld zu bleiben, kam das Angebot aus Wiesbach - dies überzeugte Petry: "In Wiesbach wird bodenständig gearbeitet. Das ist das Richtige für mich, weil ich auch bodenständig bin", erklärt der 40-Jährige: "Wir haben einen weit kleineren Etat als die Borussia, aber trotzdem Möglichkeiten."



Wie hoch der Etat seiner Hertha ist, wollte er nicht verraten. In Neunkirchen beträgt er diese Saison, laut einer Veröffentlichung des Vereins, knapp 300 000 Euro. Trotzdem steht Wiesbach seit dem vergangenen Samstag vor der Borussia in der Tabelle. Durch ein 4:0 gegen Schott Mainz kletterten die Gelb-Schwarzen auf Rang sieben. Neunkirchen fiel dagegen durch eine 0:3-Pleite bei Aufsteiger SV Morlautern auf Rang neun zurück.

Für Wiesbach war der Erfolg gegen Mainz der dritte Dreier in Serie. Damit hat die Hertha binnen kürzester Zeit einen schwachen Saisonstart mit nur zwei Zählern aus den ersten vier Begegnungen korrigiert. "In den ersten Partien waren wir auch nicht immer schlecht, wir haben nur oft die Tore nicht gemacht", sagt Petry.

Für mehr Treffsicherheit sorgte zuletzt das Wiesbacher Urgestein Patrick Ackermann. Petry funktionierte den 31-Jährigen beim 4:1 gegen den FSV Salmrohr erstmals vom Außenverteidiger zum Stürmer um. Eine Position, die Ackermann früher schon spielte. Und dieser Schachzug ging voll auf. Ackermann traf in drei Begegnungen schon vier Mal.

Ebenfalls zum Wiesbacher Aufschwung trugen zwei im Lauf des Augusts nachverpflichtete Spieler bei: Boris Becker und Giovanni Runco. Becker spielte unter Petry in Neunkirchen, verlängerte dort seinen Vertrag aber nicht. Runco kam vom FC Homburg, wo er in dieser Saison nicht im Regionalliga-Team eingesetzt wurde. "Wir haben mit den Verpflichtungen an kleinen Stellschrauben gedreht, an denen wir noch drehen mussten", erklärt Petry. Beide setzt er als Außenverteidiger ein. Runco auf der linken, Becker auf der rechten Seite.

Auf Runco und Becker wird am Samstag im Derby einiges an Arbeit zukommen. Denn die Borussen-Offensive mit Ruddy M'Passi, Moussa Dansoko und Markus Schmitt zählt zu den stärksten der Liga. "Ich weiß aber auch, welche Schwächen sie haben", sagt Petry. Gestern gab die Borussia bekannt, dass Cord Flätgen wieder für sie spielt, Alexandro Gallaces Vertrag wurde aufgelöst.