| 20:13 Uhr

1. FC Saarbrücken
Angefressene Saarbrücker beklagen fehlendes Glück

Zum Haareraufen: Steven Zellner ärgert sich über seinen verschossenen Elfmeter – der Saarbrücker traf den Außenpfosten.
Zum Haareraufen: Steven Zellner ärgert sich über seinen verschossenen Elfmeter – der Saarbrücker traf den Außenpfosten. FOTO: Andreas Schlichter
Homburg. FCS fehlt gegen Homburg vorne das Glück und die Durchschlagskraft, Zellner vergibt Elfmeter zum Ausgleich. Von Patric Cordier

„Ich hatte eine gewisse Spielintelligenz und stand oft dort, wo er noch hinlaufen musste“ - das sagte Dirk Lottner, Trainer des Fußball-Regionalligisten 1. FC Saarbrücken, vor dem Derby gegen den FC Homburg auf eine Aussage seines Kollegen Jürgen Luginger, der „Lotte“ als ausgezeichenten Fußballer lobte, selbst in der Karriere aber mehr gelaufen sein will.


Eine Aussage, die nach dem Derby als schmaler Grat zwischen kollegialer Frotzelei und einem Hauch von Überheblichkeit bewertet werden könnte. Denn besser gelaufen ist es am Samstag für Luginger – nach dem 2:1 (0:0)-Erfolg des Aufsteigers liegt der FCH vier Zähler vor dem Meister der Vorsaison, dessen Abstand auf den einzigen Aufstiegsplatz nach knapp einem Drittel der Saison und unter Einbeziehung der Strafe gegen Waldhof Mannheim nun wieder acht Punkte beträgt. „Natürlich war das heute ein Rückschlag, jede Niederlage ist ein Rückschlag“, sagte FCS-Kapitän Manuel Zeitz sichtlich angefressen, nachdem er sich mit der kompletten Mannschaft den Fans am Zaun gestellt hatte: „Manche haben gesagt, macht weiter so. Andere meinten, verpisst euch. Aber das ist ganz normal nach so einem Derby.“

Das begann der FCS wie erwartet mit Sascha Wenninger für Gillian Jurcher, Alexandre Mendy rückte ins Mittelfeld. Und der FCS begann besser. Nach einem Fehler von FCH-Torwart David Salfeld traf FCS-Stürmer Marcel Carl das Lattenkreuz (7. Minute). Es war die schlechteste Aktion des später überragenden Salfeld – und die beste von Carl. Nach 20 Minuten kippte die Partie. Homburg erarbeitete sich in einem von intensiven Zweikämpfen geprägten Spiel ein leichtes Chancenplus, doch Tore sollten erst nach dem Wechsel fallen.



Direkt nach Wiederanpfiff störte Zeitz Tim Stegerer nicht - der in St. Arnual geborene Homburger war bester „Saarbrücker“ auf dem Feld. Steven Zellner hinderte Patrick Dulleck nicht am Zuspiel, Mario Müller verlor Andreas Knipfer aus den Augen, auch Marco Kehl-Gomez kam zu spät. Nach 30 Sekunden stand es 1:0. Ein Tor, das dem Fußball im Derby gut tat, obwohl Saarbrückens Reaktion ein Standard war – einer der Marke sehenswert. Markus Mendler setzte den Ball aus 18 Metern präzise ins obere rechte Eck zum 1:1.

„Es läuft im Moment viel gegen uns“, sagte Zeitz auch im Hinblick auf den 2:1-Siegtreffer von Christopher Theisen (55.), „der schießt den eigenen Mitspieler ab und der Ball geht ins Tor.“ Anders als der Strafstoß von Zellner, den es gab, weil Mendler sich fallengelassen hatte. Schiedsrichter Tobias Doering zögerte erst, zeigte dann auf den Punkt (62.), doch „Zelle“ traf den Außenpfosten. „Wir hatten nicht das Glück auf unserer Seite“, sagte Zellner, „ich glaube, wir haben vom Kämpferischen alles gegeben. Es muss das Spielerische zurückkommen.“

Das Spiel im zweiten Durchgang war packend. Doch irgendwie hatte man das Gefühl, Homburg hat mehr Galligkeit im Zweikampf, mehr Schnelligkeit im Kopf, mehr Schärfe in den Pässen. „Homburg hatte gutes Kurzpassspiel, war sehr ballsicher. Das ist eigentlich unser Spiel“, sagte FCS-Angreifer Sebastian Jacob, der nach 72 Minuten eingewechselt wurde und mehr Torgefahr ausstrahlte als beide Sturmkollegen zusammen. „Es reicht bei mir noch nicht für 90 Minuten“, klärte der Saarlouiser seine Reservistenrolle auf, „ich habe immer noch kleinere Probleme in der Muskulatur.“ In der Schlussminute kratzte Salfeld einen Jacob-Schuss von der Linie, Mendy traf dann zwar, stand aber zuvor im Abseits.

„Wir hatten Chancen, das Spiel unentschieden zu gestalten, aber das Quäntchen Glück war nicht auf unserer Seite“, sagte Lottner nach dem Spiel, während die Homburger Fans den aktuellen Stand der Dinge skandierten: „Vor Saarbrücken steht der FCH.“