An Zorros Fersen Ein banger Blick geht nach Schleswig-Holstein

An Zorros Fersen Ein banger Blick geht nach Schleswig-Holstein

Saarbrücken. Erstmal eine kleine Pause. Zum Nachdenken. "Schwer zu sagen", murmelt Gerd Meyer, Präsident des Landessportverbandes für das Saarland (LSVS), schließlich: "Ich schätze, auf Matthias de Zordo freue ich mich am meisten." Vom 2. bis 13. August wird Meyer in London weilen, bei den Olympischen Spielen

Saarbrücken. Erstmal eine kleine Pause. Zum Nachdenken. "Schwer zu sagen", murmelt Gerd Meyer, Präsident des Landessportverbandes für das Saarland (LSVS), schließlich: "Ich schätze, auf Matthias de Zordo freue ich mich am meisten." Vom 2. bis 13. August wird Meyer in London weilen, bei den Olympischen Spielen. Karten hat er vor allem für die Veranstaltungen, bei denen saarländische Athleten auftreten könnten oder werden. Seine größte Vorfreude gilt dem Weltmeister und Olympia-Medaillenkandidaten im Speerwerfen - der sich noch gar nicht qualifiziert hat.Was wohl aber nur noch Formsache ist. De Zordos Nicht-Teilnahme wäre eine Überraschung. Insgesamt rechnet Gerd Meyer mit 15 bis 20 saarländischen Vertretern in London. "Das wäre ein super Ergebnis für das Saarland und den Olympiastützpunkt Saarbrücken. Der Olympiastützpunkt ist dabei für uns Gold wert", erklärt er, "dort trainieren 107 Kaderathleten, das Internat ist ausgebucht". Sportler, die nicht aus dem Saarland kommen, dort aber trainieren möchten, finden optimale Bedingungen vor. Wie Triathletin Anja Dittmer, die für den SC Neubrandenburg startet, aber in Saarbrücken lebt.

Neben Dittmer haben sich bereits Jan Frodeno und Steffen Justus (ebenfalls Triathlon) sowie Andreas Waschburger (Freiwasserschwimmen), Mira Bimperling und Cathrin Puhl (beide Rhythmische Sportgymnastik) qualifiziert. Wobei die letztgenannten Drei geborene Saarländer sind, "die Zahl wird sich in den nächsten Jahren sicherlich noch erhöhen", meint der LSVS-Präsident. Die Nominierung von Susanne Hahn (Marathon) ist eigentlich sicher. Auch, dass de Zordo und Weitspringer Christian Reif in London dabei sind, glaubt Gerd Meyer. "Bianca Kappler müsste schon 6,75 Meter weit springen. Simon Kirch könnte es in die Staffel schaffen. Und Simon Hechler müsste im Mehrkampf auch noch mal einen Sprung machen. Bei ihnen heißt es Daumen drücken", wägt er ab.

Bei den saarländischen Ruderern kalkuliert Meyer fünf Teilnehmer ein. Martin und Jochen Kühner sowie Matthias und Jost Schömann-Finck rechnet er im Leichtgewichts-Vierer beste Chancen aus, ebenso wie Nina Wengert, "am besten im Doppelvierer, weil der als Weltmeister gute Medaillenchancen hat", sagt Meyer. Außerdem hofft er auf Anja Noske im leichten Doppelzweier und auf Katharina Weingart im Achter, "aber die beiden Boote müssen sich erst noch qualifizieren".

Die Badmintonspieler füllen für den LSVS-Präsidenten die saarländischen Starter weiter auf: "Im Herrendoppel sind Ingo Kindervater und Johannes Schöttler, im Einzel Marc Zwiebler und im Mixed Michael Fuchs und Birgit Michels so gut wie sicher dabei. Schade ist es für Olga Konon. Sie konnte im Dezember wegen Verletzungen keine Punkte sammeln", zählt Meyer auf. Von den Ringern traut er den Sprung nach London am ehesten Jan Fischer zu. Im Tischtennis stehen die Chancen für Bastian Steger vom 1. FC Saarbrücken sehr gut, nachdem er nach einer starken Bundesliga-Runde zumindest schon bei der WM den Vorzug vor Konkurrent Patrick Baum erhalten hat. "Im Turnen gehe ich davon aus, dass Eugen Spiridonov - unser 'Mister Zuverlässig' - sich qualifizieren wird. Es gibt aber auch zwei weitere Turner, die momentan sehr gepuscht werden: Waldemar Eichorn und Ivan Bykov", erzählt er. BMX-Fahrer Daniel Schlang hat gute Chancen auf Olympia, etwas Hoffnung hegt Meyer auch für Schwimmer Lucien Haßdenteufel.

"Dazu kommen auch noch die Paralympics. Ich denke, dass sich Claudia Nicoleitzik und Katharina Schett qualifizieren werden", ist sich der LSVS-Präsident sicher. Auch den erst 16-jährigen Rollstuhlfahrer David Scherer für die Staffel und den erfahrenen Stefan Strobel im Sprint hat er auf seiner Liste noch nicht gestrichen. Bei den vergangenen Spielen hat Jan Frodeno sensationell Gold geholt, "mal abwarten, was dieses Jahr passiert", schmunzelt Gerd Meyer, nicht ganz ohne Hintergedanken.Saarbrücken. Trotz der positiven Bilanzen und Zahlen im Saarland bildet sich eine winzige Sorgenfalte auf der Stirn von Gerd Meyer. "Das hängt unter Umständen jetzt von Schleswig-Holstein ab", sagt der Präsident des Landessportverbandes für das Saarland (LSVS). Gerade hat er vom Glücksspiel-Staatsvertrag gesprochen. Dem Vertrag, der unter anderem den Sportwettenmarkt bundesweit regelt. Dem Vertrag, von dem vieles im Sport-Saarland abhängig ist. Durch das sogenannte "Sport-Achtel" fließen Millionen Euro aus den Saartoto-Umsätzen in den Landessportverband - quasi seine Lebensversicherung. 15 Bundesländer haben sich nun auf einen neuen, etwas liberalisierteren Vertrag geeinigt. Nur Schleswig-Holstein steht außerhalb.

Die Landesregierung aus dem Norden wurde im vergangenen Sommer initiativ, entfernte sich vom Gedanken des einheitlichen Staatsvertrags. Schleswig-Holstein will privaten Wettanbietern zu günstigeren Konditionen ein freies Feld anbieten - was dem Saarland nicht in die Karten spielt. "Wir haben für ein umfassendes Glücksspiel-Monopol gekämpft", erklärt Meyer. Der neue Staatsvertrag will das Lotterie-Monopol für die staatlichen Lottogesellschaften erhalten und sieht vor, 20 Lizenzen für Anbieter zu verteilen, mit einem Steuersatz von fünf Prozent. "Der fortgeschriebene Staatsvertrag bringt viel Positives, aber eben auch diese Unsicherheit", meint der LSVS-Präsident: "Denn was passiert, wenn es bei den 15 Bundesländern bleibt? Was für Auswirkungen hätte es für diejenigen, die ihre Wetten von Schleswig-Holstein aus anbieten und nur zwei Prozent statt fünf zahlen? Und hätten zwei unterschiedliche Glücksspielgesetze nebeneinander negative rechtliche Auswirkungen auf das Lotterie-Monopol?" Die Chance, dass sich das letzte Bundesland anschließt, besteht laut Meyer, "wenn Brüssel den Vertrag notifiziert".

Kein Sportplatz, keine Halle im Saarland sei nicht an irgendeiner Stelle mithilfe der Toto-Gelder durch die Sportplanungskommission (Plako) finanziert worden, sagt Meyer: "In diesem Jahr waren es 2,86 Millionen Euro." Vieles sei renovierungsbedürftig, "Die Haltbarkeit der Kunstrasenplätze liegt bei der ersten Generation unter den erhofften 15 Jahren". Und im Rücken sitzen etwa 395 000 saarländische Vereinsmitglieder in mehr als 2100 Vereinen, die ihrem Sport nachgehen wollen.

Eine Zahl, die Gerd Meyers Sorgenfalte schnell wieder wegwischt, weil sie beeindruckend ist: "Im Saarland haben wir weiter die größte Organisations- und Mitgliederdichte in Deutschland", berichtet er, "die Rückgänge bei Kindern und Jugendlichen sind eher gering. 111 000 Vereinsmitglieder im Saarland sind unter 18 Jahre. Allerdings werden bei gesunkenen Geburten- und Einwohnerzahlen die Mitgliederzahlen in den Vereinen weiter zurückgehen. Bei Jugendlichen sogar dramatisch, sodass immer mehr Vereine Spielgemeinschaften bilden oder sich zusammenschließen müssen. Im Leistungssport haben wir aber im Nachwuchsbereich insbesondere mit der Hermann-Neuberger-Sportschule, dem Olympiastützpunkt und der neuen Multifunktionshalle sowie dem Gymnasium am Rotenbühl optimale Möglichkeiten. 2006 hatten wir zwölf Bundeskaderathleten an der Eliteschule des Sports, zur Zeit sind es bereits 23." Unter anderem die Nachwuchs-Fußballerinnen des 1. FC Saarbrücken, die A-Jugend-Handballer der HSG Völklingen sowie das Team Saarland und der TV Saarlouis im Basketball-Nachwuchsbereich seien Positivbeispiele.

Eine Herausforderung wird für die Verbände die Zusammenarbeit mit Ganztagsschulen - "ein Problem und eine Chance", findet Gerd Meyer: "Das wird sicher die Vereinsarbeit verändern. Wenn Jugendliche bis 16 Uhr in der Schule sind, wird die Anzahl derer, die um 17 Uhr in den Verein gehen, geringer. Aber die Sozialverbände, die in den Schulen die Betreuung übernehmen, bedienen sich unserer Fachleute. Deshalb müssen unsere Vereine zusätzlich Trainer und Übungsleiter, insbesondere ältere Schüler, Studenten und Rentner für diese Betreuungsaufgabe in den Schulen gewinnen und qualifizieren." Um die bestmögliche sportliche Ausbildung des Nachwuchses bemüht sich der LSVS seit Jahren: "Wir haben 17 hauptamtliche Landestrainer", erklärt Meyer, "zusätzlich kommen noch sieben Bundestrainer wie Boris Henry oder Uwe Bender hinzu."

Ein ebenso wichtiger Bereich ist der Senioren-Sport. "Das muss ein Schwerpunkt sein", fordert der LSVS-Chef: "Wir haben schon einige Angebote wie 'Fit und vital älter werden' des Saarländischen Turnerbundes. Es ist eine Chance für alle Sportverbände, solche Angebote zu machen." Doch auch dieser Bereich schluckt Geld. Geld, das der LSVS zu großen Teilen von Saartoto einnimmt. Wie viel das künftig noch sein wird, hängt auch von einem attraktiven Glücksspiel-Staatsvertrag ab - und, wie Meyer hofft, nicht von Schleswig-Holstein. cjo

Foto: SZ

"Das wird sicher die Vereinsarbeit verändern."

Drei Saarländer haben ihr Olympia-Ticket schon: Schwimmer Andreas Waschburger (Bild links) und die beiden Sportgymnastinnen Cathrin Puhl (rechtes Bild, links) und Mira Bimperling. Fotos: rup.

LSVS-Präsident Gerd Meyer zur Einführung der Ganztagsschule

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