1. Sport
  2. Saar-Sport

Alterspräsident im Sandkasten

Alterspräsident im Sandkasten

Heute tritt Tennis-Profi Tommy Haas in der ersten Runde der French Open gegen Lokalmatador Guillaume Rufin an. Der 35 Jahre alte Deutsche ist der älteste Teilnehmer im Hauptfeld – aber richtig angriffslustig.

Es gab mal eine Zeit, in der er der Jüngste war in einem Turnier. Der Teenager. Das Talent mit frühem Star-Faktor. Das war in einem anderen Jahrhundert und Jahrtausend, und Tommy Haas, 35, kann sich selbst nur noch vage daran erinnern. Fast auf den Tag genau 15 Jahre ist es nun her, eine kleine Ewigkeit in dieser Branche. 1998 war es, und ja, es war Nicolas Kiefer, der den ersten French-Open-Auftritt von Haas in jener Saison auch zum letzten machte. 1:6, 2:6, 6:7, danach musste der Debütant wieder seine Koffer packen.

Was hat Haas nicht alles erlebt in den anderthalb Jahrzehnten bis ins Hier und Jetzt. Ein bewegtes und bewegendes Profi-Leben liegt hinter ihm zurück, hinter dem nun ältesten aller Spieler, die um die French-Open-Krone kämpfen. Eindrucksvolle Spuren hat Haas nur selten in den Sand von Paris zeichnen können, dafür stand das Turnier nicht weit genug oben auf seiner Prioritätenliste. Doch wer in seine Arbeitsbilanz schaut, der sieht eben auch die Leer- und Schwachstellen im Zeugnis, die vielen Jahre, in denen ihn Verletzungen die Teilnahme und ein besseres Abschneiden kosteten. "Gerade für Paris musst du absolut fit sein. Und das konnte ich sehr oft einfach nicht", sagt Haas.

Seine späte und eindrucksvolle Rückkehr an die Weltspitze ist den Franzosen nicht verborgen geblieben. Schon im vergangenen Jahr wurde Haas auf einer Welle der Sympathie bis in die dritte Turnierrunde getragen, da hatte er allerdings schon sechs Spiele auf dem Buckel, drei davon in der Qualifikation. So wie das Spieljahr 2012 für Haas endete, mit einem Spiel gegen einen französischen Lokalmatador (Richard Gasquet), so beginnt 2013 - zum Start muss der Altmeister heute gegen Guillaume Rufin ran, den 88. der Weltrangliste.

Haas als Nummer 14 der Weltrangliste und Nummer zwölf der Setzliste ist in einer wesentlich komfortableren Ausgangsposition. Die Bewerbung um einen Platz im Hauptfeld darf sich der Mann sparen. Auch wenn Haas beim Düsseldorfer ATP-Turnier wegen seines leichten Schnupfens zuletzt aussteigen musste, zeigt er sich doch ausreichend angriffslustig vor den ersten Pariser Ballwechseln: "Ich will hier noch mal ein richtig gutes Ergebnis rausholen." Anknüpfen am besten an die Münchner Tage, die Anfang Mai mit einem Turniersieg endeten.

Der Rückkehrer in die Weltspitze kann an guten Tagen beinahe jeden Rivalen schlagen, auch in Paris hat er das schon bewiesen. Vor allem vor vier Jahren, bei seiner besten Kampagne, bei der er knapp an einem denkwürdigen Favoritensturz von Roger Federer scheiterte. Zwei Sätze und mit einem Break Vorsprung im dritten Akt hatte Haas da im Achtelfinale geführt, ehe der Schweizer noch eine verwegene Aufholjagd startete - und später den ersten und einzigen Paris-Siegerpokal gewann. "Da habe ich noch einige Zeit dran geknabbert", sagt Haas heute.

Doch vergessen und vorbei, viel mehr beschäftigt den gereiften Sportsfreund gerade die trübe Wetterprognose für die nächsten Tage. Kühle Witterung, nasse, feuchte Bedingungen, das ist nicht nur für Haas das denkbar schlechteste Szenario für Erfolgserlebnisse. Andererseits hat Haas in den vergangenen 15 Jahren gelernt, "sich nicht über das zu beklagen, was man sowieso nicht ändern kann": Es gilt, immer das Beste aus der Situation zu machen. Umso mehr, wenn man nicht mehr so viel Zeit hat.

Zum Thema:

Auf einen BlickAngelique Kerber hat gestern bei den French Open in Paris das deutsche Duell gegen Mona Barthel mit 7:6 (8:6) und 6:2 gewonnen und ist den bereits am Sonntag siegreichen Sabine Lisicki und Dinah Pfizenmaier in die zweite Runde gefolgt. Daniel Brands zeigte gegen Titelverteidiger Rafael Nadal eine starke Leistung, unterlag dem Spanier dann aber doch mit 6:4, 6:7 (4:7), 4:6 und 3:6. Tobias Kamke setzte sich mit 6:3, 6:3, 3:6, 0:6 und 6:3 gegen den Italiener Paolo Lorenzi durch. Das Aus kam dagegen für Philipp Petzschner, Jan-Lennard Struff, Andreas Beck, Julia Görges und Tatjana Maria. dpa