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Alte Narben und neue Wunden

Alte Narben und neue Wunden

Budapest. Felipe Massas Erinnerung an den Horror-Crash von Budapest ist gelöscht, die Nachwirkungen aber spürt der Formel-1-Pilot bis heute. "Das hat mich das Leben viel mehr schätzen gelehrt", sagte der Ferrari-Fahrer bei seiner Rückkehr nach Ungarn

Budapest. Felipe Massas Erinnerung an den Horror-Crash von Budapest ist gelöscht, die Nachwirkungen aber spürt der Formel-1-Pilot bis heute. "Das hat mich das Leben viel mehr schätzen gelehrt", sagte der Ferrari-Fahrer bei seiner Rückkehr nach Ungarn.

Auf dem Hungaroring hatte der Brasilianer vor einem Jahr in der Qualifikation zum Rennen bei einem schrecklichen Unfall schwere Kopfverletzungen erlitten, zwei Tage in Lebensgefahr geschwebt und danach den Rest der Saison pausieren müssen. Massa hatte Glück, viel Glück. "Wäre die Feder nur einen halben Zentimeter weiter links eingeschlagen, wäre ich jetzt blind. Nur einen halben Zentimeter weiter oben, und ich wäre geistig behindert", sagt der Ferrari-Pilot.

In der Qualifikation am 25. Juli 2009 hatte ihn eine abgerissene Metallfeder des Brawn-Rennwagens seines Landsmanns Rubens Barrichello mit 240 Stundenkilometern am Kopf getroffen. Mit der Wucht von mehr als einer Tonne war die Stahlfeder gegen seinen Helm geknallt, Massa verlor sofort das Bewusstsein und krachte in einen Reifenstapel.

"Das war das Unglaublichste, was mir in meinem Leben passiert ist", sagte Massa. Er erlitt einen Schädelbasisbruch und einen tiefen Schnitt über dem linken Auge. Erst nach neun Tagen konnte er das Militär-Krankenhaus von Budapest wieder verlassen.

Sein Leben hat sich seitdem geändert. "Ich bin jetzt zehnmal dankbarer für die einfachen Dinge des Lebens. Das hat mein Leben und meine Gesundheit in ein neues Licht gerückt, ich nehme nichts mehr als selbstverständlich hin", erklärte Massa vor dem Rennen am Sonntag (14 Uhr) in Budapest. Sein erster Weg am Hungaroring führte ihn am Donnerstag ins Streckenhospital, wo er den Rettern von damals noch einmal dankte.

Monatelang hatte er nach dem Unglück verbissen um sein Comeback gekämpft. Ferrari stand in den schweren Stunden zu ihm und hielt ihm für diese Saison den Sitz frei. Doch ausgerechnet vor der Wiederkehr nach Budapest sieht sich Massa von der Scuderia zur Hilfskraft degradiert. Die Stallorder von Hockenheim zeigte dem 29-Jährigen, dass er für die restlichen acht Rennen der Saison nur noch die zweite Geige hinter Fernando Alonso spielt. Auch wenn Massa treuherzig beteuert: "Wenn ich wieder in so einer Situation wäre, würde ich diesmal gewinnen." Wie inzwischen bekannt wurde, reagierte Massa in Hockenheim erst auf den dritten Funkspruch. Beim Großen Preis von Deutschland hatte er Alonso auf Teambefehl den Sieg überlassen müssen. Seine Enttäuschung konnte der Südamerikaner kaum verbergen, zumal er seit dem Schicksalstag von Budapest auf seinen zwölften Grand-Prix-Sieg wartet. Zweifel, ob er nach dem Unfall noch ganz der Alte ist, wehrt er ab. "Beruflich hat sich für mich durch den Unfall nichts geändert, wenn ich das Visier schließe. Man macht einfach alles wie davor", beteuert er. "Nein, ich habe keine Angst."

Die nächste Prüfung aber hat für Felipe Massa schon begonnen. Die Rolle als Alonsos "Wasserträger". dpa/wip

Auf einen Blick

Sebastian Vettel hat auf dem Hungaroring am Freitag klar das Tempo bestimmt. Der Red-Bull-Pilot, dessen Team am Sonntag sein 100. Rennen bestreitet, fuhr sowohl im ersten als auch im zweiten Training Bestzeit. Für seine schnellste Runde brauchte Vettel 1:20,087 Minuten. Fernando Alonso (Ferrari) hatte als Zweiter 0,497 Sekunden Rückstand. Dritter wurde Vettels Teamgefährte Mark Webber (1:20,597). Wieder deutlich zurück lag Michael Schumacher. Als Zehnter war der 41-Jährige 1,686 Sekunden langsamer als Vettel. Mercedes-Stallkollege Nico Rosberg kam nur auf Rang 13.

Weltverbandschef Jean Todt schreckt im Stallorder-Streit vor einem Machtwort zurück. "Wir werden uns damit zum richtigen Zeitpunkt beschäftigen, aber jetzt möchte ich nicht über die Formel 1 sprechen", sagte der Franzose. Während die Königsklasse hitzig über den Ferrari-Teambefehl von Hockenheim diskutiert, reiste Todt zur Rallye-WM nach Finnland und blockt dort alle Fragen zum Thema ab. dpa