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Als Kuffour sich unsterblich machte

Als Kuffour sich unsterblich machte

Sammy Kuffour machte den FC Bayern 2001 zum Weltpokalsieger – und sich selbst zu einer Club-Legende. Deshalb hat der Verein den heute 37-jährigen Ghanaer zum Finale der Club-WM in Marokko eingeladen.

Er machte Bayern München zum Weltpokalsieger, doch seine größte Stunde erlebte Sammy Kuffour erst nach dem Ende seiner Profi-Karriere. Im vergangenen Mai, die Bayern hatten zur Meisterfeier einige Club-Legenden geladen, sangen Zehntausende Fans "sein" Lied. "Roood-weiße Drriggo, wir wolle roood-weiße Drriggo!" Dieser Moment in der Arena, erinnert sich Kuffour, "war unglaublich für mich, das Größte überhaupt."

Kuffour hatte sich den gesanglich vorgetragenen Wunsch der Fans aus der Südkurve nach traditionellen Trikots Ende der 90er Jahre zu eigen gemacht. Seine persönliche, wegen seiner lustigen Aussprache eigenwillige Interpretation brachte er auf den zahllosen Titelfeiern des Teams von Ottmar Hitzfeld zu Gehör - und wurde zum Kultspieler.

Überall sonst auf der Welt kennt man ihn aber wegen des Tores, das die Bayern zu Weltmeistern erhob. 27. November 2001, die Bayern mit Kahn, Effenberg, Elber und eben Kuffour tun sich in Tokio schwer gegen die Boca Juniors. Die Argentinier um ihren Star-Regisseur Juan Román Riquelme spielen seit der 45. Minute in Unterzahl, doch den Bayern will einfach kein Tor gelingen - bis sie Kuffour mit seinem Abstauber in der 110. Minute erlöst. "Das war ein großer Moment", sagt Kuffour: "Der FC Bayern hatte diesen Titel 25 Jahre lang nicht gewonnen, und dann mache ich das Tor."

Das Finaltrikot hängt bei ihm zu Hause in Accra, wo er eine Immobilienfirma betreibt, auch die Schuhe hat er aufbewahrt. Als bester Spieler des Tages erhielt der heute 37-Jährige damals ein Auto. Dass ihm sein Treffer überdies ewigen Ruhm bescheren würde, konnte er nicht ahnen.

In Argentinien strömten die Fans von River Plate, Bocas Lokalrivalen, in die Läden, um sich mit Kuffour-Trikots einzudecken. Beim nächsten Derby provozierten sie die verhassten gegnerischen Fans mit einem Plakat, das Kuffours Name zierte. Das tun sie heute noch gern, der frühere Weltpokal hat in Südamerika wie das Nachfolge-Turnier Club-WM einen sehr hohen Stellenwert. "Immer, wenn ich dort bin oder auf Fans und Journalisten von da treffe, werde ich darauf angesprochen", sagt Kuffour. Auch in Ghana ist er deshalb "ganz, ganz groß", wie er stolz betont: "Kein anderer Ghanaer hat diesen Pokal je gewonnen, das ist mir ganz wichtig."

Für Kuffour persönlich aber ist die Champions-League-Trophäe von 2001 "der wichtigste Pokal" - wegen der Vorgeschichte. Nach dem Final-Drama 1999 gegen Manchester United (1:2 in der Nachspielzeit) schlug Kuffour weinend auf den Rasen ein - auch diese Bilder gingen um die Welt. Die Bayern unter Ottmar Hitzfeld, sagt Kuffour, "waren ganz stark im Kopf". Effenberg sei "ein Leader" gewesen, "wie ich ihn niemals gesehen habe." Und Kahn "wollte immer gewinnen. Immer. Immer!"

Kuffour kam 1994 als 18-Jähriger zu den Bayern, in zehn Jahren lief er für sie 163 Mal in der Bundesliga auf. Der Rekordmeister hat Kuffour nach Marokko zum Endspiel der Club-WM eingeladen. "Ich bin Deutscher, Münchner und so stolz und glücklich, dass ich für diesen einmaligen Verein spielen durfte", sagt er zufrieden.Die letzte Warnung kam vom "Kaiser" höchstpersönlich. Außenseiter Raja Casablanca spiele "leichtfüßigen Sambafußball", sagte Franz Beckenbauer mit Blick auf den Gegner von Bayern München im Endspiel der Club-WM an diesem Samstag (20.30 Uhr/ARD). Dort will und muss der deutsche Fußball-Rekordmeister das Jahr als "beste Vereinsmannschaft der Welt" krönen. Alles andere, sagte Sportvorstand Matthias Sammer, wäre "eine totale Katastrophe".

Zu klar ist die Favoritenstellung gegen den Qualifikanten Raja, der mit seinem Durchmarsch bis ins Finale ganz Marokko in einen Fußball-Taumel gestürzt hat. Die Bayern wollen der unbändigen Leidenschaft und dem gefährlichen Konterfußball des marokkanischen Meisters mit ihrer gewohnten Dominanz begegnen. Und am Ende soll Kapitän Philipp Lahm schon mal für die "echte" WM 2014 üben, wenn der Spielführer der Nationalmannschaft in Marrakesch die Trophäe aus den Händen des Fifa-Präsidenten Sepp Blatter empfängt.