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Als Guido zu Diego wurde Eine zufällige Begegnung

Als Guido zu Diego wurde Eine zufällige Begegnung

Es ist immer schwer zu sagen, was uns 1990 ausgezeichnet hat. Wieso wir Weltmeister wurden. Was unsere Stärke als Mannschaft war. Vielleicht passt eine Geschichte ganz gut, um das zu beschreiben. Ich glaube, es war nach dem 2:1 im Achtelfinale gegen die Niederlande. Franz Beckenbauer hatte uns zu Belohnung ausnahmsweise einen Abend frei gegeben

Es ist immer schwer zu sagen, was uns 1990 ausgezeichnet hat. Wieso wir Weltmeister wurden. Was unsere Stärke als Mannschaft war. Vielleicht passt eine Geschichte ganz gut, um das zu beschreiben. Ich glaube, es war nach dem 2:1 im Achtelfinale gegen die Niederlande. Franz Beckenbauer hatte uns zu Belohnung ausnahmsweise einen Abend frei gegeben. Wir sind in kleinen Gruppen nach Mailand in die Stadt gegangen.

Ich war mit Jürgen Klinsmann und Stefan Reuter unterwegs. Endlich raus aus dem Mannschaftshotel und in die Stadt. Nach ein paar Stunden wollten wir etwas zu Abend essen und haben uns auf die Suche nach einem Restaurant gemacht. Als wir eine kleine Trattoria gefunden hatten, haben wir von draußen Lärm gehört und sind rein. Und wer saß dort? Unsere komplette Mannschaft! Wir hatten uns nicht abgesprochen oder auf dem Weg getroffen, sondern sind vollkommen zufällig alle dort gelandet. Und niemand hat es gestört, dass wir sogar an unserem freien Abend zusammen waren. Im Gegenteil: Es wurde ein sehr, sehr langer Abend. Wir haben bis in die Morgenstunden zusammengesessen. Der Wirt hatte seine helle Freude bei der Rechnung.

Dieser zufällige gemeinsame Abend in diesem kleinen Restaurant beschreibt unsere Mannschaft ganz gut. Wir waren zusammengewachsen, waren eine Einheit. Und das hat uns neben der Stärke der einzelnen Spieler ausgezeichnet. Saarbrücken. Ein paar Falten-Sprenkel sind über das Gesicht verteilt. Und wenn er lesen muss, schiebt er sich mit oft geübter Bewegung eine Lesebrille auf die Nasenspitze. Aber sonst? Sonst sieht Guido Buchwald aus wie früher. Dabei ist es ruhig geworden um den 49-Jährigen. Wie es um viele aus dieser Weltmeister-Elf von 1990 ruhig geworden ist. Und doch ist der frühere Verteidiger immer noch dieser "Diego" Buchwald. Der Mann, der im Finale der Weltmeisterschaft in Italien den argentinischen Super-Techniker Diego Maradona ausschaltete. Wobei sich Fußball-Arbeiter Buchwald - entgegen der Legende - den "Diego" schon im Achtelfinale gegen die Niederlande mit einem Übersteiger verdient hatte. Dass er dann den Mann, von dem er den Spitznamen hatte, im Endspiel in Rom (1:0) zur Wirkungslosigkeit verdammte, verband ihn endgültig mit dem Jahrhundert-Fußballer.

Seitdem sind 20 Jahre vergangen. Der Fußball hat sich verändert und die heutige Nationalmannschaft ist kaum zu vergleichen mit der von 1990. "Unsere große Stärke war die Erfahrung jedes Einzelnen", sagt Buchwald. Kaum ein Spieler war jünger als 25 Jahre. Fünf Spieler spielten in Italien. Heute ist mit Michael Ballack vom FC Chelsea der Einzige, der im Ausland spielt, verletzt. Doch Buchwald sieht das als verschmerzbaren Nachteil: "Ich denke, dass es heute nicht mehr so schwer wiegt. Es sind viel mehr internationale Spiele mit Champions und Europa League. Man muss sich nur Thomas Müller oder Holger Badstuber von den Bayern anschauen, was diese beiden für eine internationale Erfahrung sammeln konnten. Früher war das nicht möglich."

Viel mehr beschwört er klassische Turnier-Tugenden, die sich die Mannschaft erarbeiten müsse: "Es geht darum, den richtigen Team-Spirit aufzubauen." Ein wenig hört er sich da - das leichte Schwäbeln inklusive - nach dem ehmaligen Teamchef der Nationalelf, Jürgen Klinsmann, an. Doch Buchwald geht darüber hinaus: "Die Unbefangenheit kann eine Stärke sein, wenn sich die richtigen Hierarchien bilden." Was er vor allem auf seine bevorzugte Mittelfeld-Kombination aus Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira bezieht, denen er eine starke WM vorhersagt: "Gerade Khedira könnte eine der Entdeckungen werden. Er bringt alles mit, was es braucht. Aber es muss auch klar sein, dass Schweinsteiger der Chef ist. Wenn das funktioniert, können beide ihre Stärken ausspielen." Was es dann auch braucht, um Buchwalds WM-Tipp wahr werden zu lassen: "Die Mannschaft kann weit kommen. Vielleicht sogar ins Finale." Der Mann weiß schließlich, was eine Weltmeister-Mannschaft auszeichnet.

Buchwald war im Rahmen der neuen Veranstaltungsreihe "SportImPuls" in Saarbrücken. Weitere Infos dazu im Internet: www.sportimpuls.saarland.de. "Unsere große Stärke war

die Erfahrung jedes Einzelnen."

Guido Buchwald zur Mannschaft, die 1990 Weltmeister wurde