Alles eine Frage der Qualität

Saarbrücken. "Ob wir das richtige Team haben? Das werden wir im Mai 2012 sehen, bei den Spielen um die deutsche Meisterschaft", sagt René Spandauw und lacht. Der Trainer des Basketball-Bundesligisten Saarlouis Royals wirkt beim Besuch in der SZ-Sportredaktion entspannt, richtig erholt und voller Tatendrang

 So sieht ein gänzlich entspannter Basketball-Trainer aus: René Spandauw von den Saarlouis Royals macht es sich in der SZ-Sportredaktion gemütlich und plaudert über die neue Saison. Foto: Oliver Dietze

So sieht ein gänzlich entspannter Basketball-Trainer aus: René Spandauw von den Saarlouis Royals macht es sich in der SZ-Sportredaktion gemütlich und plaudert über die neue Saison. Foto: Oliver Dietze

Saarbrücken. "Ob wir das richtige Team haben? Das werden wir im Mai 2012 sehen, bei den Spielen um die deutsche Meisterschaft", sagt René Spandauw und lacht. Der Trainer des Basketball-Bundesligisten Saarlouis Royals wirkt beim Besuch in der SZ-Sportredaktion entspannt, richtig erholt und voller Tatendrang. Obwohl er, wie er selbst sagt, auch in der Sommerpause keine Freizeit hatte: "Ob ich auf einer Insel in Griechenland bin oder zu Hause auf meinem Balkon, Royals-frei wird es nie sein."Jetzt, da die Vorbereitung auf die neue Saison begonnen hat, sowieso nicht. Im Gegenteil. Denn das Team hat bei sieben Abgängen und sieben Neuzugängen ein völlig anderes Gesicht. Gerade der Verlust von Stina Barnert (Palacio de Congresos de Ibiza) und Isabelle Comteße (Karriereende) schmerzt. "Stina und Isabelle waren die Leitfiguren, mit denen man sich in Saarlouis identifiziert hat", erklärt Spandauw. Dennoch ist er von der Qualität seiner neuen Mannschaft überzeugt: "Der Kader ist absolut Europapokal-fähig. Wir haben allerdings keinen Sponsor gefunden. Das ist eine Geldfrage", bedauert er den Verzicht auf internationale Spiele.

Bei näherer Betrachtung des Kaders stellt sich die Frage nach der Ausländerregelung der Damen-Basketball-Bundesliga. Sie besagt, dass zu jeder Sekunde des Spiels zwei deutsche Spielerinnen auf dem Platz stehen müssen. Das könnte für die Royals, die gute deutsche Spielerinnen verloren haben, vielleicht zu einem Problem werden. "Ich persönlich halte nichts von dieser Regelung. Sie drückt das Niveau der Liga und kostet viel zu viel Geld", sagt Spandauw. "Auf dem Transfermarkt", erläutert er, "ist es wie in der normalen Marktwirtschaft. Es gibt ein Angebot und eine Nachfrage. Die deutschen Spielerinnen wissen, dass sie auf dem Feld stehen müssen und deshalb viel Geld verlangen können." Geld, das die Royals nicht haben.

Deshalb verfolgt Spandauw als Trainer eine andere Strategie - mit starken ausländischen Spielerinnen, die mit etwas geringerer Einsatzzeit klarkommen müssen, will er das Trainingsniveau deutlich anheben, wovon die gesamte Mannschaft, vor allem aber die deutschen Nachwuchsspielerinnen, profitieren sollen. Spielerinnen wie Levke Brodersen, Joana Meyer oder Kitty Müller, die in der vergangenen Saison schon reingeschnuppert haben und jetzt stärker eingebunden werden sollen. Sie genießen das volle Vertrauen des Trainers. "Es ist nicht so, dass ich nicht wüsste, was auf sie zukommt", sagt Spandauw: "Und ich weiß auch, dass sie sehr jung sind, aber sie haben das Potenzial, sich durchzusetzen. Levke und Kitty wohnen etwa zusammen in einer Zweier-WG, bringen gute Leistungen in der Schule und kriegen ihr Leben toll auf die Reihe", sagt der Trainer stolz.

Auch wenn er gerne eine weitere deutsche Spielerin geholt hätte, ist Spandauw zufrieden mit seinen deutschen Neuverpflichtungen Katharina Häfele (von Regionalligist KSG Gerlingen) und Laura Rahn (von Bundesliga-Aufsteiger Rotenburg/Scheeßel). "Katharina hat ein Basketball-Verständnis und technische Fähigkeiten, die absolut Bundesliga-reif sind. Aber sie muss körperlich noch rankommen. Und Laura verfügt über eine große Persönlichkeit und ein echtes Kämpferherz."

Und da ist ja noch eine Spielerin, beinahe ein Neuzugang: Lina Schiffer. Auch, wenn sie lange am Fuß verletzt war, könnte sie die jungen Spielerinnen in der am 25. September beginnenden Runde anführen. "Wenn Lina fit ist, brauchen wir uns darüber überhaupt keine Gedanken machen", sagt Spandauw: "Sie sollte zum Saisonstart fit sein. Wenn sie noch etwas länger braucht, ist das auch okay. Meister werden wir nicht im Oktober, sondern nächstes Jahr im Mai", sagt Spandauw und lacht wieder. Im ersten Moment weiß man nicht, ob er es wirklich ernst meint. Zumal er seine neue Mannschaft als "tiefer, einheitlicher und talentierter" bezeichnet, als das Team der Vorsaison, das im Halbfinale um die deutsche Meisterschaft ausgeschieden war. "Meine Ansprüche", sagt Spandauw, "sind sehr hoch. Wir wollen besser werden, besser und besser." Ernsthaft über die Meisterschaft will er nicht reden. Zumindest noch nicht. "Meine Ansprüche sind sehr hoch."

René Spandauw, Trainer der Saarlouis Royals

Hintergrund

Für die Saarlouis Royals beginnt die Saison 2011/2012 am 25. September mit dem traditionellen Eröffnungsturnier, das dieses Mal in Chemnitz ausgetragen wird. Dort wird der komplette erste Spieltag absolviert, die Royals treffen zum Auftakt auf den Aufsteiger BG 89 Hurricanes aus Rotenburg/Scheeßel, den Ex-Verein von Neuzugang Laura Rahn.

Ihr erstes Heimspiel bestreiten die Royals eine Woche später, am 1. Oktober, gegen einen weiteren Aufsteiger, die OKE Panthers aus Osnabrück. Die reguläre Runde endet am 17. März 2012, dann folgen die Playoffs. red