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Alle Strapazen sind vergessen

Saarlouis. "Wenn nicht jetzt, wann dann?", schmettert es aus den Kehlen. Über 3000 Handball-Fans haben sich nach dem 31:25 (17:12)-Heimsieg gegen Groß-Umstadt vor der Saarlouiser Stadtgartenhalle versammelt und tauchen den Parkplatz in ein grün-weißes Freuden-Meer. Es dauert lange, bis sich die Spieler der HG Saarlouis einen Weg zur Bühne gebahnt haben Von Roland Schmidt und Janek Böffel (SZ)

Saarlouis. "Wenn nicht jetzt, wann dann?", schmettert es aus den Kehlen. Über 3000 Handball-Fans haben sich nach dem 31:25 (17:12)-Heimsieg gegen Groß-Umstadt vor der Saarlouiser Stadtgartenhalle versammelt und tauchen den Parkplatz in ein grün-weißes Freuden-Meer. Es dauert lange, bis sich die Spieler der HG Saarlouis einen Weg zur Bühne gebahnt haben. Jeder will ihnen auf die Schultern klopfen. Endlich oben angekommen, stimmen die Spieler in den Gesang ihrer Anhänger mit ein.



Mit vereinten Kräften schreien alle ihre Freude über den Aufstieg in die 2. Bundesliga heraus. "Für mich ist das heute wie ein Olympiasieg. Einfach unbeschreiblich", freut sich Daniel Altmeyer, künftig in der zweithöchsten deutschen Handball-Liga spielen zu dürfen. Der Kapitän und Spielmacher Danijel Grgic stehen auf der Bühne dicht zusammen - so wie in der spannenden Schlussphase der Saison, als sie nach der Entlassung von Christoph Barthel den schwierigen Trainer-Job weiterführten.

Die Strapazen hinter sich, halten sich beide jetzt gemeinsam an einem überdimensionalen Bierglas fest. Dann geht alles ganz schnell. Statt in durstige Kehlen, ergießt sich der kühle Gerstensaft über die Köpfe der feiernden Mitspieler, die sich ihrerseits mit Sektfontänen zur Wehr setzten. So ist das bei Meisterschaftsfeiern im Ball-Sport nun mal so üblich.

Klatschnass bis auf die Unterhose schnappt Tobias Stemmler nach Luft. Aus beruflichen Gründen hatte der Regionalliga-Torschützenkönig von 2004/2005 seinen Rücktritt erklärt. Weil aber sein Herz an dieser Mannschaft hängt, half er in der zwischenzeitlich von Verletzungspech geprägten Runde mehrfach aus. Der Lohn: Kurz vor dem Schlusspfiff der Partie gegen Groß-Umstadt erzielt der Linkshänder den letzten Treffer zum 31:25-Endstand. "Ich hoffe, es war das letzte Regionalliga-Tor für sehr lange Zeit", sagt der Rechtsaußen.

HG-Präsident Arnulf Willkomm, der sich im sicheren Abstand zur feuchtfröhlichen Gefahrenzone weiter hinten positioniert hat, zieht Bilanz: "Als die Mannschaft im Januar mit vier Punkten zurücklag, hat sie die Ruhe bewahrt. Davor ziehe ich meinen Hut." So sehen es auch die vielen Fans. Fast ein Vierteljahrhundert nach dem Abstieg 1985 hat die HGS wieder Zweitliga-Handball zurück ihre Stadt gebracht. Und das wird bis in den Morgen gefeiert.