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Alle Last liegt auf Kerbers Schultern

Angelique Kerber geht das olympische Tennis-Turnier ab Samstag angriffslustig an. Foto: Pichette/dpa
Angelique Kerber geht das olympische Tennis-Turnier ab Samstag angriffslustig an. Foto: Pichette/dpa FOTO: Pichette/dpa
Rio de Janeiro. Nach der Absage von Alexander Zverev ruhen die deutschen Hoffnungen im olympischen Tennisturnier mehr denn je auf der Weltranglisten-Zweiten Angelique Kerber, auch wenn ihre Generalprobe nicht so verlief wie erhofft. sid

Alexander Zverev fliegt gar nicht nach Rio , Angelique Kerber mit ein paar Fragezeichen im Gepäck. Im deutschen Tennis-Team läuft kurz vor der Eröffnung der Sommerspiele an diesem Freitag nicht alles rund.


Vor allen Dingen der kurzfristige Verzicht von Nachwuchshoffnung Zverev (19) kam quasi aus dem Nichts. "Ich habe mich bei meinen letzten Matches in Washington und Toronto nicht 100 Prozent gut gefühlt. Nach intensiver Rücksprache mit den Ärzten und meinem Team haben wir entschieden, dass ich zurückziehen muss", hatte der Hamburger am Wochenende mitgeteilt.

Dem Deutschen Tennis-Bund (DTB) konnte diese Entwicklung nicht gefallen, die sportlich Verantwortlichen waren allerdings weitgehend um diplomatische Äußerungen bemüht. Die Medaillen-Hoffnungen der deutschen Tennisprofis ruhen damit mehr dann je auf Melbourne-Siegerin Kerber. Die Weltranglistenzweite verpatzte allerdings beim 0:6, 6:3, 2:6 im Halbfinale des WTA-Turniers in Montréal gegen die Rumänin Simona Halep ihre Generalprobe und kassierte im Auftaktdurchgang die Höchststrafe. "Ich habe einfach versucht, diesen ersten Satz, diese ersten 30 Minuten zu vergessen", sagte Kerber, der insgesamt 52 unerzwungene Fehler unterliefen. Bundestrainerin Barbara Rittner sieht trotz der spielerischen Achterbahnfahrt ihrer Nummer eins in der vergangenen Woche keinen Grund zur Beunruhigung. "Angie ist fit und gesund. Sie ist mit den Matches von Montréal gut vorbereitet", sagte Rittner: "Wichtig war es für sie, vor Olympia noch ein paar Spiele auf Hartplatz zu bestreiten."

Kerber machte sich trotz des verpassten Finals voller Vorfreude auf den Weg Richtung Zuckerhut. "Olympia hat eine unglaublich große Bedeutung für mich. Als ich mit der Mannschaft bei meinen ersten Spielen 2012 in London ins Stadion gelaufen bin, das war Gänsehaut pur", sagte die Linkshänderin: "Ich möchte eine Medaille gewinnen - Gold wäre ein absoluter Traum."

Kerber ist das zuzutrauen, auch Laura Siegemund hat sich zuletzt in den Fokus gespielt und ist als Weltranglisten-33. die deutsche Nummer zwei hinter Kerber, während die Leistungen bei Annika Beck und Andrea Petkovic wechselhaft blieben. Bei den Männern sieht es schlechter aus. Philipp Kohlschreiber scheint das Selbstbewusstsein für den großen Wurf zu fehlen. Dustin Brown und Jan-Lennard Struff können vielleicht zum Auftakt überraschen - aber wohl nicht, wenn es um Medaillen geht. Dann vielleicht eher im Doppel. Der Deutsche Tennis-Bund wird es nun Kohlschreiber überlassen, mit wem er in Rio spielen will, Struff oder Brown.