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Abstimmung wird zur Zitterpartie

Abstimmung wird zur Zitterpartie

Die Einführung der Torlinientechnik in der Fußball-Bundesliga steht auf der Kippe. Laut einer Umfrage unter den Vereinen steht die erforderliche Zweidrittel-Mehrheit vor der morgigen Versammlung nicht.

Bei der Rückkehr an den Ort seiner größten Fehlentscheidung hätte Felix Brych auch die Torlinientechnik nicht geholfen. Der WM-Schiedsrichter verpfiff sich beim 4:3 (2:1) von 1899 Hoffenheim gegen Hannover 96 am Samstag gleich mehrfach - ein erneutes Phantomtor fiel aber nicht. Und genau das ist der Punkt: Da das Hilfsmittel nur ganz selten gebraucht wird, droht die Einführung der Technik bei der Abstimmung der Fußball-Bundesligisten an diesem Donnerstag erneut zu scheitern.

Laut einer Umfrage des Sportinformationsdienstes werden nur zehn Vereine sicher für die Einführung votieren. Für die erforderliche Zweidrittel-Mehrheit sind zwölf Stimmen nötig. Da sich fünf Clubs klar gegen das technische Hilfsmittel ausgesprochen haben, wird es im Frankfurter Sheraton Congress Hotel auf die drei Vereine ankommen, die bei der Umfrage ihr Kreuzchen bei "noch nicht entschieden/keine Angabe im Vorfeld" gemacht haben. Ob zwei davon für die Einführung stimmen werden, ist fraglich. Bei der zurückliegenden Versammlung im März wurde die erforderliche Mehrheit jedenfalls verfehlt.

"Ich habe viel mehr strittige Abseitsentscheidungen erlebt als Szenen, in denen man die Torlinientechnik gebraucht hätte", sagte Sportchef Stefan Reuter vom FC Augsburg . Die Fehlentscheidungen am vergangenen Wochenende waren erneut Wasser auf die Mühlen der Kritiker. Die hartnäckigen Gegner sehen keinen Grund dafür, ihre Position zu ändern. "Ich habe keine neuen Erkenntnisse gewinnen können", sagte Manager Horst Heldt von Schalke 04 : "Wenn man über Neuerungen nachdenkt, muss man weiterdenken, etwa über den Video-Schiedsrichter. Tendenziell sind wir für den Videobeweis. Torlinientechnik ist Flickschusterei, das kommt 30 Spiele lang gar nicht vor."

Heldt und Co. müssen sich am Donnerstag aufgrund des Antrags von Rekordmeister Bayern München erneut mit dem Thema befassen. Die Bayern, Borussia Dortmund und 1899 Hoffenheim gehören zu den prominentesten Befürwortern. Bei einem positiven Votum soll die Technik frühestens zur kommenden Saison und ausschließlich in der Eliteklasse eingeführt werden.

Welches Technik-Modell im Fall der Fälle zum Einsatz kommen soll, müssen die Clubs nächste Woche klären. Die Deutsche Fußball Liga (DFL ) hatte die Technik für die Bundesliga Ende September offiziell ausgeschrieben. Drei Modelle stehen zur Auswahl.

Auslöser der Debatte war das Phantomtor von Stefan Kießling am 18. Oktober 2013 in Sinsheim. Nach dem wochenlangen Theater darum war die Diskussion um die Technik nach der Ablehnung der Einführung im März zunächst beendet. Der nicht anerkannte Treffer des Dortmunders Mats Hummels im DFB-Pokalfinale zwischen den Bayern und dem BVB (2:0 nach Verlängerung) brachte neuen Schwung in das Thema. Dass die Technologie bei der WM-Endrunde ihren Härtetest bestanden hat, macht den Befürwortern Hoffnung. "Wir dürfen uns den Neuerungen nicht verschließen", sagte Sportdirektor Alexander Rosen von 1899 Hoffenheim: "Die Technik regelt im Sinn aller Beteiligten einfach und schnell die elementare Entscheidung über Tor und kein Tor."

Falls sich die Vereine für die Technik entscheiden, will sich der Deutsche Fußball-Bund (DFB) anschließen. Dann soll das Hilfsmittel, das von den Schiedsrichtern seit langer Zeit gewünscht wird, ab den Viertelfinals im Pokal zum Einsatz kommen. Die Deutsche Fußball Liga (DFL ) sieht sich für eine Einführung gerüstet. "Wenn ich Club-Verantwortlicher wäre, würde ich wahrscheinlich dafür stimmen", sagte DFL-Boss Christian Seifert.