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Abschied mit einem „Kack-Gefühl“

Abschied mit einem „Kack-Gefühl“

Nach dem vergeigten WM-Abschluss und der 0:1-Niederlage im Spiel um Platz drei nimmt Bundestrainerin Silvia Neid ihre Kritiker mit in die Verantwortung – gemeinsam sollen Lehren für die Zukunft gezogen werden.

Bevor die deutschen Fußballerinnen mit einem "Kack-Gefühl" in den Flieger stiegen, sprach Bundestrainerin Silvia Neid mit ihren Kritikern Klartext. "Ich finde es gut, dass sich die Trainer wie Colin Bell Gedanken machen. Nur man muss auch dafür sorgen, dass die Spielerinnen sich weiterentwickeln", antwortete die 51-Jährige auf die Frage, ob sie die Sorgen um die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit ihrer Auswahl in der Weltspitze teile.

Unmittelbar zuvor hatte ihre Mannschaft gerade beim WM-Abschluss im kleinen Finale gegen England erneut nicht ihr Potenzial abgerufen. Mit 0:1 (0:0) verlor der zweimalige Welt- und achtmalige Europameister nach Verlängerung, weil diesmal zwar Torchancen herausgespielt, aber allesamt vergeben wurden. Seit dem Achtelfinale gegen Schweden (4:1) erzielte die DFB-Auswahl keinen Treffer mehr aus dem Spiel heraus. Da Tabea Kemme dann auch noch unnötig den Foulelfmeter von Fara Williams (108. Minute) verschuldete, klappte es noch nicht einmal mit dem WM-Trostpreis.

Die zweite WM-Niederlage in Folge, zudem die erste überhaupt in 21 Duellen mit England, trübt die Bilanz und befeuert die Kritik aus der Bundesliga. Vor allem Bell (1. FFC Frankfurt), Ralf Kellermann (VfL Wolfsburg ) und Chefkritiker Bernd Schröder (Potsdam) hatten der deutschen Auswahl nach dem Halbfinal-Aus gegen die USA (0:2) schon spielerisch-technische Mängel attestiert und Neid für fehlende taktische Flexibilität und Gegenmaßnahmen kritisiert.

"Je besser der Gegner, desto schwerer haben wir uns getan", räumte Neid nun ein. Nur dürfe man eben die WM-Umstände nicht ignorieren: "Wir hatten die Spielerinnen zehn Tage in der WM-Vorbereitung, und das war Regeneration, weil die Spielerinnen in einem katastrophalen Zustand zu uns kamen. Wir mussten erst mal schauen, dass wir die Blessuren der Spielerinnen hinkriegen", eröffnete Neid und schlussfolgerte: "Dafür können wir froh sein, dass wir so weit gekommen sind."

Neid kündigte an, mit ihrem Scouting-Team wie gewohnt alle Eindrücke dieser WM analysieren und bei der nächsten Trainer-Tagung vorzustellen. Am Ende säßen ja alle in einem Boot und jeder müsse zur individuellen Weiterentwicklung der Spielerinnen beitragen, "weil wir sie in der Nationalmannschaft nunmal nicht das ganze Jahr haben".

Doris Fitschen verwies mit Blick auf die Zukunft auf das U20-Team, das im vergangenen Jahr die WM gewonnen hatte. Doch die Nationalmannschaftsmanagerin sagte auch: "Andere Nationen haben aufgeholt." Von den Französinnen müsse man sich beispielsweise "diese starke Technik unter Gegnerdruck" abschauen.

DFB-Spielführerin Nadine Angerer , die am Abend noch in der Bar "100" ihren Abschied aus der Nationalmannschaft feierte, bat um eine differenzierte Betrachtung der WM-Leistungen: "Wir beweihräuchern uns nicht und lassen uns für Fehler wie im Torabschluss und beim finalen Pass kritisieren. Der Rest ist übertrieben."

Da es wegen der Torflaute aber nichts wurde mit Bronze zum Abschied, verließ nicht nur Alexandra Popp Kanada nach fünf Wochen mit einem "Kack-Gefühl" - weil sie sich selbst Vorwürfe machte: "Das ist nicht unsere WM gewesen, zumindest zum Ende nicht." Auch Melanie Leupolz, mit 21 eine der Jüngsten im deutschen Team, nahm erstaunlich deutlich sich und die Mannschaft in die Pflicht: "Wenn wir die Tore nicht machen und nicht gut spielen, kann auch die Trainerin nichts dafür."