Absage-Welle vor Paris

Frankfurt. Das neue Länderspieljahr beginnt, wie das alte zu Ende ging. Joachim Löw ist vor dem ersten Test der deutschen Fußball-Nationalmannschaft morgen in Paris doch wieder als Experimentier-Meister gefragt. Eine regelrechte Absage-Welle traf den Bundestrainer gestern noch vor dem Treff seiner auserwählten Spieler in Frankfurt

 René Adler darf anstelle von Manuel Neuer gegen Frankreich spielen. Foto: Achim Scheidemann/dpa

René Adler darf anstelle von Manuel Neuer gegen Frankreich spielen. Foto: Achim Scheidemann/dpa

Frankfurt. Das neue Länderspieljahr beginnt, wie das alte zu Ende ging. Joachim Löw ist vor dem ersten Test der deutschen Fußball-Nationalmannschaft morgen in Paris doch wieder als Experimentier-Meister gefragt. Eine regelrechte Absage-Welle traf den Bundestrainer gestern noch vor dem Treff seiner auserwählten Spieler in Frankfurt. Die Dortmunder Mario Götze, Marco Reus und Marcel Schmelzer reisten krankheitsbedingt gar nicht erst an und fallen für das kleine Jubiläumsspiel gegen den Nachbarn Frankreich am Mittwoch (21 Uhr/ARD) aus. Auch Miroslav Klose wird fehlen. Nationalmannschafts-Arzt Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt diagnostizierte beim Stürmer von Lazio Rom einen Außenband-Teilabriss im rechen Knie. BVB-Mittelfeldmann Ilkay Gündogan musste sich wegen einer Außenbanddehnung im Sprunggelenk bei der medizinischen Abteilung des DFB in Behandlung begeben. Ob einer von ihnen vor erwarteten 75 000 Zuschauern auflaufen kann, ist ungewiss.

Damit war das Gemoser von Stammtorwart Manuel Neuer über seine einmalige Aufgabe als Reservist von Rückkehrer René Adler zweitrangig. "Ich denke, dass das eine Spiel nicht viel ändern wird an der Rollenverteilung", bewertete sogar Adler vor seiner Rückkehr nach 812 Tagen die Torwart-Situation unaufgeregt. Die sportliche Leitung des DFB-Teams bastelte vor dem Abflug heute in die französische Hauptstadt intensiv an Notlösungen für andere Positionen, bemühte sich jedoch um Normalität. "Im Februar weiß man immer, dass es Verletzungen gibt", sagte Teammanager Oliver Bierhoff und nahm den Rest des Aufgebots in die Pflicht: "Wir haben gezeigt, dass wir einen guten Kader haben. Es können sich andere Spieler präsentieren."

So soll im 25. Vergleich mit Frankreich - sieben DFB-Siegen stehen bei sechs Remis bisher elf Niederlagen entgegen - der derzeitige Bayern-Reservist Mario Gomez im Stade de France eine Chance bekommen. "Ich freue mich auf das Spiel", betonte der 24-jährige Stürmer, der zuletzt im verlorenen EM-Halbfinale 2012 das Adler-Trikot getragen hatte. Danach musste er eine monatelange Verletzungspause einlegen, die ihn in München den Stammplatz gekostet hat. "Ich bin in Tritt", bemerkte Gomez trotzdem. Für ihn sei die Nationalmannschaft "immer etwa Schönes, egal wie die Situation im Verein ist". Es sei wichtig, "Mario Gomez mit seinen großen Qualitäten wieder an die Nationalmannschaft heranzuführen", meinte der Bundestrainer. Ohnehin sei es "nach einer längeren Pause immer schwierig einzuschätzen", in welchem Zustand das Team und jeder Einzelne kurz nach der Winterpause schon ist. Jetzt stehen neben Holger Badstuber (Kreuzbandriss) und dem kurzfristig ausgefallenen Bastian Schweinsteiger (Adduktorenverletzung) gleich drei Dortmunder Profis nicht zur Verfügung.

Mittelfeldmann Götze leidet an einem viralen Infekt. Reus fällt wegen einer Adduktorenzerrung aus. Bei Schmelzer wurde eine Sprunggelenkverletzung und eine Racheninfektion diagnostiziert. Schon beim 0:0 im letzten Spiel 2012 in Amsterdam gegen die Niederlande hatten gleich acht Nationalspieler gefehlt. "Ich wollte jetzt einfach, nachdem im November einige Spieler nicht dabei waren und andere eine längere Pause hatten, den Kader etwas größer halten als es normalerweise bei einem Länderspiel der Fall ist", bemerkte Löw zu seiner großen Zahl von 23 ursprünglich Nominierten. Inzwischen hat sich diese Zahl erheblich reduziert. Löw nominierte bereits den Dortmunder Sven Bender nach, weitere könnten folgen.

An der Zielstellung für den Neubeginn nach dem durchwachsenen Länderspieljahr 2012 aber soll nicht gerüttelt werden. "Wir wollen das Spiel gut abschließen und es nutzen, die Mannschaft weiter zu entwickeln", erklärte Bierhoff. "Es können sich nun andere Spieler präsentieren."

Oliver Bierhoff, Manager der Nationalelf