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Abgetaucht für den großen Traum

Rio de Janeiro. Für den Traum von einer Medaille verschwand Anne Haug von der Bildfläche. An diesem Samstag steht sie dafür umso mehr im Fokus. Um 16 Uhr startet in Rio der Triathlon, bei dem Haug auf das perfekte Rennen hofft. sid-Mitarbeiter Nicolas Reimer

Anne Haug stellte ihre Fans in den vergangenen Wochen auf eine Geduldsprobe. Keine offiziellen Rennen , dazu das Trainingslager im fernen Mallorca - nicht einmal auf ihrer Internetseite teilte sich Deutschlands beste Triathletin mit. "Ich arbeite gerade hart für meinen Traum", hieß es dort nur vielsagend: "Alle News dazu findet Ihr Ende August wieder an dieser Stelle."



Und es ist klar, welche Botschaft dann verkündet werden soll. Um bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro an diesem Samstag (16 Uhr) allerdings eine Medaille zu gewinnen, müssen gleich zwei Komponenten zusammenkommen. "Eine gute Fitness ist natürlich die Voraussetzung", sagt die Athletin des LAZ Saarbrücken , "dann muss aber auch noch ein perfektes Rennen gelingen." Seit vergangenen Samstag istHaug mit Kollegin Laura Lindemann (Potsdam) und Bundestrainer Dan Lorang in Rio , um sich zu akklimatisieren. Alles ist genau durchgeplant für dieses eine perfekte Rennen .

Vorbereitung nahezu perfekt

Um zuallererst in der bestmöglichen körperlichen Verfassung an den Start gehen zu können, tauchte Haug ab. Die Vorbereitung auf der spanischen Ferieninsel lief dabei nahezu perfekt, die Form sei "wieder ziemlich genau dieselbe" wie vor vier Jahren, als die 33-Jährige in der WM-Serie den zweiten Rang belegt hatte. "Aber die Rennen haben sich in der Zeit verändert, vor allem das Schwimmen ist so viel schneller geworden", sagt Haug und spricht ein Problem direkt an. Weil die erste der drei Teildisziplinen Haugs Schwachstelle ist, erhält sie Unterstützung von Lindemann. Von offizieller Seite heißt es zwar, dass beide Deutschen ihr eigenes Rennen bestreiten werden - da Lindemann wohl aber keine Chancen auf einen Podestplatz hat, wurde taktisch nominiert. Und das gefiel einigen gar nicht.

Probleme bei Nominierung



Drei Frauen hätte der Deutsche Olympische Sportund für Olympia nominieren dürfen. Von der Deutschen Triathlon Union (DTU) wurden - neben Haug - Lindemann und Anja Knapp vorgeschlagen, obwohl sowohl Rebecca Robisch als auch Hanna Philippin in der WM-Serie vor ihnen lagen. Also versuchte Robisch, sich in das deutsche Team zu klagen und bekam recht. Daraufhin schlug die DTU dem DOSB alle fünf Athletinnen vor, obwohl klar war, dass nur drei starten können. Zunächst fiel die Entscheidung des DOSB nur auf Haug, da sie als Einzige die Norm erfüllt hatte. Nach vielen Diskussionen und einem Einmischen der Weltverbands-Präsidentin Marisol Casado schickte der DOSB noch Lindemann nach Rio . Einfach so. Oder eben doch aus taktischen Gründen?

Wie auch immer: Nun müssen es Lindemann und vor allem Haug richten. Was denn eine Medaille für sie bedeuten würde, wurde Haug unlängst gefragt. "Das ist die Krönung aller Leiden, ein Traum", sagte sie dem Portal tri2b.com: "Aber man gewinnt leider keine Medaille, indem man davon träumt." Sondern trainiert. Haug hat es getan. Und egal wie das Rennen ausgeht: In Rio erwartet sie auf jeden Fall ein weiterer Höhepunkt. Bei der Abschlussfeier der Spiele wird sie dabei sein. Dann hat das Abtauchen endgültig ein Ende.