Saar-Fußball „A-Klasse? Dann höre ich lieber auf“

Saarbrücken · Der 1. FC Saarbrücken ist geschockt. Der geplante Deal mit der DJK Bildstock ist wohl geplatzt, die Zukunft der U23 wieder offen.

 Dieter Ferner wartet den Rat der Juristen ab. Foto: Schlichter

Dieter Ferner wartet den Rat der Juristen ab. Foto: Schlichter

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"Ich bin geschockt, ernüchtert, paralysiert." Mit diesen Worten reagierte Jörg Alt, der 1. Vorsitzende des 1. FC Saarbrücken, auf den wohl geplatzten Deal mit der DJK Bildstock. Der Plan des Fußball-Regionalligisten, die vor zwei Jahren abgemeldete U23 direkt in der Saarlandliga wieder in den Spielbetrieb zu integrieren, geht wohl nicht auf, wie die Saarbrücker Zeitung gestern erfuhr. Der Saarländische Fußball-Verband (SFV) bestätigte SZ-Informationen, wonach der von ihm beauftragte Gutachter die Übertragung des Saarlandliga-Spielrechts von der DJK auf den FCS für nicht möglich hält. In dem Schreiben der Frankfurter Kanzlei Beiten Burkhardt steht unter Punkt 2: Sollte die erste Mannschaft der DJK Bildstock abgespalten oder ausgegliedert und mit dem 1. FC Saarbrücken verschmolzen werden, würde das Spielrecht nicht auf den FCS übergehen.

Der FCS-Vorsitzende Alt hatte in den vergangenen Wochen zahlreiche Gespräche mit möglichen Spielern geführt. "Ich bin immer davon ausgegangen, dass die Rechtsnachfolge der DJK Bildstock anzutreten, kein krummes Ding ist, sondern den Statuten entspricht", sagte Alt: "Ein Neustart in der A-Klasse war darum nie ein Thema. Jetzt ist die Situation zwar neu, aber ich kann mir das kaum vorstellen."

Auch für FCS-Vizepräsident Dieter Ferner macht eine U23 in der untersten Klasse "wenig Sinn". "Die Geschichte wird jetzt von unserem Anwalt geprüft, dann werden wir weitersehen", sagte Ferner, der offen ließ, ob man selbst rechtliche Schritte einleiten wolle oder könne: "Das wären zu diesem Zeitpunkt Spekulationen, an denen ich mich nicht beteilige. Wir warten jetzt ab, was unsere Rechtsberatung meint."

Abwarten fällt dem Verein leichter als manchem Spieler. Denn Sven Sökler und Jens Meyer aus dem derzeitigen Regionalliga-Kader sind eigentlich fest für die neue U23 vorgesehen. "Das betrifft auch einige Spieler der U19. Sie alle haben wir gebeten, mit ihrer Entscheidung zu warten", sagte Ferner gestern: "Darum wäre es sehr schade, wenn es mit der U23 nicht klappen würde."

Meyer weiß auf jeden Fall, was er nicht möchte. "A-Klasse? Dann höre ich lieber auf", sagte der 20-jährige Lebacher: "Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich habe zwar auch andere Optionen, aber ich finde die Entscheidung scheiße - auch für den Verein." Für Sökler dürften die Optionen mit 32 Jahren nicht mehr so vielseitig sein wie bei den U19-Talenten Lars Birster, Andrej Ogorodnik, Philipp Wunn oder Jan Rebmann. Für sie könnte das A-Jugend-Pokalfinale gegen die SV Elversberg (heute um 19 Uhr in Tholey) der drittletzte Auftritt in Blau-Schwarz werden.

"Wir wollten eigentlich alle für die zweite Mannschaft halten", sagte FCS-Sportdirektor Marcus Mann, der auch die U23-Regelung in der Regionalliga im Auge behalten muss. Schließlich stehen bislang mit Ricco Cymer, Patrick Herbrand, Ivan Sachanenko und Sascha Wenninger nur vier Spieler unter 23 Jahren unter Vertrag. Zu wenig, um zu gewährleisten, dass bei jedem Spiel mindestens vier im Kader stehen. "Wir wollten mit der U23 zum einen unseren Nachwuchsspielern noch ein, zwei Jahre Zeit zur Entwicklung ermöglichen", sagte Mann, "zum anderen Spielern aus der ersten Mannschaft Spielpraxis geben. Das ist Stand heute nicht möglich."

Die FCS-Anhänger sind sich in der Bewertung der Vorgänge uneins. Während sich einige in Fanforen für einen Gang vor ordentliche Gerichte aussprechen, haben sich andere bereits in den vergangenen Wochen mit Transparenten im Völklinger Hermann-Neuberger-Stadion gegen "RB-Verhältnisse" positioniert (eine Anspielung auf den Spielrechte-Erwerb des Bundesligisten RB Leipzig) und sehen den Verein in der Pflicht, zu den Fehlern der Vergangenheit zu stehen.

 Jörg Alt ist „ernüchtert und paralysiert“. Foto: Schlichter

Jörg Alt ist „ernüchtert und paralysiert“. Foto: Schlichter

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 Auch Marcus Mann war überrascht. Foto: Schlichter

Auch Marcus Mann war überrascht. Foto: Schlichter

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 Jens Meyer hat keine Lust auf die A-Klasse. Foto: Schlichter

Jens Meyer hat keine Lust auf die A-Klasse. Foto: Schlichter

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Offen ist auch, wie es mit der DJK Bildstock weitergeht. "Es ist bedauerlich, dass es juristisch nicht möglich ist", sagte Vereins-Chef Heinz Eigner gestern: "Ich denke, die Hauptentscheidung ist gefallen, dass der Deal nicht zustande kommt." Die DJK, die Schulden in wohl sechsstelliger Höhe hat, wollte vom FCS Geld für das Startrecht in der Saarlandliga haben. "Die Saarlandliga ist ohne einen konstanten Sponsor nicht finanzierbar. Das ist ein jährliches Aufkommen, das wir als Dorfverein nicht stemmen können", sagte Eigner gestern. In die Insolvenz müsse der Verein aber nicht. "Es ist alles gesichert, der Verein wird weiterexistieren mit allen seinen Abteilungen. Lediglich die Abteilung Fußball geht auf Sparflamme." Die DJK will in der A-Klasse neu anfangen. Trotzdem überlegt der Vorstand, bis Ende des Monats für die Saarlandliga zu melden, sollte es doch noch Hoffnung für den Deal geben.

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