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35 Jahre geballte Fußballerfahrung

Fußball-Kreisliga A Bliestal : 35 Jahre geballte Fußballerfahrung

Frank Roth, Trainer bei der SG Oberwürzbach-St. Ingbert, trat als Vierjähriger erstmals unter den Ball. Er hat viel erlebt.

Frank Roth ist der Trainer der SG Oberwürzbach-St. Ingbert aus der Fußball-Kreisliga A Bliestal. Er ist 39 Jahre alt, verheiratet und hat neben drei Kindern mittlerweile auch ein Enkelkind. Roth wohnt in Rentrisch und ist beruflich bei einem Sicherheitsunternehmen in leitender Funktion tätig. Nebenberuflich arbeitet er im familieneigenen Weinvertrieb mit.

„Mit dem Fußballspielen hatte ich im Alter von vier Jahren in Scheidt begonnen, da es damals in Rentrisch keine Jugendmannschaft gab“, blickt Roth zurück. Sein Talent wurde schnell entdeckt: Vom zweiten Jahr in der E-Jugend bis einschließlich der ersten B-Junioren-Saison trug er in den höchsten saarländischen Spielklassen und „mit der einen oder anderen Einladung zur Saarauswahl“ das Trikot des 1. FC Saarbrücken. Seine restliche Jugendzeit verbrachte der Rentrischer beim SV Auersmacher in der Verbandsliga, wo es dank einer Sondergenehmigung auch bereits Einsätze im Aktivenbereich gegeben habe. Zu Beginn der Aktivenzeit wechselte er näher an seinen Wohnort zurück und spielte beim damaligen Verbandsligisten SV St. Ingbert. „Das war damals die höchste saarländische Spielklasse. Ich hatte jedoch vom damaligen Stichtagswechsel profitiert und durfte so noch ein drittes Jahr in der A-Jugend spielen. Es gab aber auch bereits Einsätze in den Aktivenmannschaften“, berichtet Roth von dieser ungewöhnlichen Konstellation.

Obwohl es höherklassige Angebote gab, ging es zunächst beim SV St. Ingbert weiter. „Es war jedoch immer mein Ziel und Wunsch, mit meinem großen Bruder gemeinsam für einen Verein im Aktivenbereich auf dem Platz zu stehen. Diesen Wunsch habe ich mir mit dem Wechsel von der Verbandsliga in die damalige Kreisliga A Halberg zum SV Scheidt erfüllt“, berichtet er. Er habe sich dann aber eine Knieverletzung zugezogen – und auch durch dem Umzug seines Bruders habe die gemeinsame Zeit nur eine Saison lang angedauert. „Aufgrund der Verletzung hatte ich mit meiner aktiven, fußballerischen Laufbahn abgeschlossen. Doch dann klingelte zu meiner Bundeswehrzeit mein Handy“, meint der Rentrischer. Am anderen Ende der Leitung war der damalige Trainer des SV St. Ingbert, Thomas Linn. Man benötige dringend weitere Spieler, um den Abstieg aus der Bezirksliga zu vermeiden. Roth folgte daraufhin dem Lockruf seines ehemaligen Mitspielers und half mit, die Klasse zu halten.

Doch das Verletzungspech blieb ihm treu: Ein Achilessehenanriss führte für den Mittelfeldspieler und Stürmer zum endgültigen Karrierende. Rückblickend hat der Offensivakteur sehr viel erlebt. Mit dem 1. FC Saarbrücken durfte er an der deutschen Meisterschaft teilnehmen und traf bei überregionalen Turnieren auch auf solch bekannte Teams wie Bayern München, 1. FC Kaiserslautern, Borussia Dortmund, Juventus Turin, FC Barcelona oder auch FC Everton. Roth wurde Saarlandpokalsieger, Saarlandmeister sowie Kreis- und Stadtmeister. Teilweise durfte er vor über 50 000 Zuschauern im letzten Bundesliga-Jahr des FCS bei den Vorspielen der Jugendteams ran. „Das schönste Erlebnis war jedoch für mich die souveräne Qualifikation zur Bezirksliga in meinem letzten A-Jugendjahr mit dem SV St. Ingbert – verlustpunktfrei und mit nur einem Gegentor. Hier hat man gesehen, was man als Underdog leisten kann, wenn man ein Team ist und einen positiv verrückten Trainer hat“, meint Roth.

Es gibt aber auch noch den Trainer Frank Roth. Vor zehn Jahren hätten Eltern von Rentrischer Kindern den Wunsch geäußert, dort Jugendfußball zu installieren. In Zusammenarbeit mit dem damaligen Kindergärtner Eric Vogelgesang wurde ein Aushang gemacht. Die Resonanz bei den Jahrgängen 2005 und 2006 sei sehr groß gewesen. Zu den G-Junioren gehörte auch Sohn Maximilian Roth, Trainerkollege wurde Vogelgesang. Der Gewinn der Hallenstadtmeisterschaft war der erste große Erfolg. Später ging es bei der SG St. Ingbert – einer Spielgemeinschaft zwischen dem SV Oberwürzbach, SV St. Ingbert, FC Viktoria St. Ingbert und der SG Hassel – weiter. Auch heute noch trainiert Roth diese C-Jugend. In Zusammenarbeit mit dem weiteren Trainer Stefan Reif und auch zwei Jahre lang mit Daniel Bauer gab es viele Erfolge: Kreismeister, Zweiter beim Landesentscheid, Meister nach einem gewonnenen Entscheidungsspiel gegen die DJK St. Ingbert, mehrmals Stadtmeister, viele Turniersiege und aktuell auch die souveräne Qualifikation für die Bezirksliga Nordost. Seit der Saison 2019/20 trainiert Roth auch die Aktiven in Oberwürzbach. Die Zielsetzung Bezirksliga-Klassenverbleib wurde zusammen mit dem Trainerkollegen Fabian Seel „trotz diverser Probleme“ erreicht. „Dennoch wollten wir nicht so weitermachen und haben es auch unserem Vorsitzenden Peter Weidmann so kundgetan. Wir wollten eine Mannschaft, die wieder Spaß am Fußball hat, sich als Einheit sieht, in der keiner Starallüren hat, die charakterlich zusammenpasst und in der sich die Nachwuchstalente entwickeln und entfalten könnten“, erklärt der 39-Jährige.

Man habe dann gehört, dass es mit Roths und Seels ehemaligem Verein SV St. Ingbert „nicht zum Besten gestellt ist“. Und so hätten das Trainerteam und Weidmann die Idee zu einer SG zwischen dem SV Oberwürzbach und SV St. Ingbert im Aktivenbereich angestoßen. Beide Clubs hatten zuvor im Jugend- und AH-Bereich „vorzüglich gemeinsam funktioniert“. Um die „jungen Wilden“ besser entwickeln zu können, ging es freiwillig runter in die Kreisliga A Bliestal. Und beim jüngsten Verbandstag des Saarländischen Fußballverbandes trat der Verein im größeren Rahmen in Erscheinung. Das Aussterben der kleineren Clubs sollte verhindert werden. Diese Vereine sollten auch zu Corona-Zeiten weiter die Möglichkeit haben, erfolgreich zu sein. Und so wurde eine Änderung der Jugendspielerlaubnis beantragt. „Schließlich war es zu meiner Jugendzeit auch möglich. Diesem Antrag wurde mit überwältigender Mehrheit zugestimmt. Denn wie konnte es möglich sein, dass im Gegensatz zu anderen Bundesländern im Saarland nur die Vereine mit Nachwuchsleistungszentrum die Jugendspieler ab 17 im Aktivenbereich spielen lassen durften? Wo blieb hier der Sinn der Gleichbehandlung?“, fragt sich der Oberwürzbacher Trainer. Als neue SG sehe man sich als Ausbildungsverein und möchte gemeinsam mit der „jungen Rasselbande“ die nächsten Jahre eine Identifikation zur Region sowie zwischen Spielern und Zuschauern aufbauen. Die Zuschauer sollten wieder sagen: „Das sind unsere Jungs!“ Die Zusammenarbeit mit den Trainerkollegen Reif und Seel sowie Weidmann und Carlo Rubeck sei sehr gut.

Die SG Oberwürzbach-St. Ingbert tritt in der Kreisliga A Bliestal unter der Regie von Trainer Frank Roth (hinten, links) und Co-Trainer Fabian Seel (hinten, rechts) mit vielen jungen Spielern an. Foto: Stefan Holzhauser

Ohne die Unterstützung seiner Familie könne Roth diese vielfältigen Aufgaben nicht angehen. Und was für ein Trainertyp ist er? „Ich bin sehr emotional, aber fair zu den Schiedsrichtern, denen ich selbst mal angehört habe. Und akribisch mit guten fußballerischen Kenntnissen, bedingt durch meinen Trainerschein, meine fußballerische Ausbildung sowie langjährige Erfahrung“, sagt der 39-Jährige selbst über sich.