24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring als Höhepunkt

Rennfahrerin Carrie Schreiner : 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring als Höhepunkt

Rennfahrerin Carrie Schreiner aus Völklingen fährt 2019 ein volles Programm für Audi. Der jüngste Test im Formel-E-Auto war für sie ein „Riesenerlebnis“.

Seit dem gestrigen Donnerstag ist die „Katz’ aus dem Sack“: Carrie Schreiner hat sich entschieden, 2019 das ADAC GT Masters mit Audi zu bestreiten. Das werksunterstützte Team HCB Rutronik wird den Audi R8 LMS GT3 für die schnelle Rennfahrerin aus Völklingen einsetzen. „Es war wirklich eine sehr schwierige Entscheidung für mich. Ich hatte viele gute Angebote auch von anderen namhaften Herstellern. Mit meinem jetzigen Team habe ich dieses Jahr eine GT3-Meisterschaft gewonnen, ich fühle mich dort pudelwohl und es wird sehr professionell gearbeitet.“

Die GT3-Serie ist die Königsklasse für GT-Sportwagen mit rund 550 PS (Gran-Turismo-Fahrzeuge), die durch den Automobil-Weltverband Fia auf ein Leistungsniveau angeglichen sind. Alle sogenannten Premium-Marken wie Audi, Mercedes, Porsche, Lamborghini, Ferrari, Aston Martin und Corvette sind dort vertreten. Das ADAC GT Masters gilt als die zurzeit stärkste GT-Serie der Welt, in der ausschließlich Profis, Werksfahrer und die besten Nachwuchspiloten am Start sind. Die Rennen finden an sieben Wochenenden in Deutschland, Österreich, Tschechien und den Niederlanden statt. Saisonauftakt ist traditionell in Oschersleben (26. April). Schreiner startet dort neben dem zweifachen Le-Mans-Sieger Timo Bernhard als zweiter saarländischer Pilot. Parallel dazu fährt die Saarländerin ebenfalls für HCB Rutronik im gleichen Fahrzeug bei sieben Läufen der Dunlop-60-Serie, der national stärksten GT-Serie. Auftakt ist hier in Hockenheim am 12. April.

Doch mit diesen beiden Serien gibt sich Schreiner nicht zufrieden. Auf dem Programm der 20-Jährigen stehen zusätzlich sechs Läufe in der VLN-Langstreckenmeisterschaft auf dem Nürburgring. Bei der weltweit größten Breitensport-Serie mit mehr als 175 unterschiedlichen Fahrzeugen geht die 20-Jährige mit einem VW Golf TCR des Einsatzteams WS Racing an den Start. Die Rennen werden über vier Stunden in der „Grünen Hölle“ auf der Nordschleife ausgefahren, wobei die Fahrer sich abwechseln. Das Besondere bei Schreiners Golf-Truppe ist, dass es sich um ein reines Frauen-Team handelt – von den Fahrerinnen, Mechanikerinnen, Ingenieurinnen bis zu den Truckfahrerinnen. Auftakt für die Langstreckenmeisterschaft ist am 23. März.

Den motorsportlichen Höhepunkt des Jahres 2019 erlebt Schreiner vom 20. bis 23. Juni, wenn die Piloten bei der 47. Auflage des ADAC 24-Stunden-Rennens über die rund 25 Kilometer lange Eifelstrecke jagen. „Auf dieses anspruchsvollste Rennen der Welt mit seinen ständig wechselnden Witterungsbedingungen freue ich mich ganz besonders“, blickt Schreiner bereits voraus, „denn es ist ein Traditionsrennen der Superlative, das einem alles abverlangt.“ Auch bei dieser Kultveranstaltung wird sich Schreiner während der 24 Rennstunden mit ihren zwei Fahrerkolleginnen am Lenkrad des Golf TCR abwechseln.

Ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk bekam die Völklingerin am vergangenen Sonntag. Auf Einladung des schwäbischen Rennteams HWA Racelab aus Affalterbach durfte sie nach dem Saisonauftakt der Formel E nahe Saudi-Arabiens Hauptstadt Riad einen Elektroboliden testen. Im Auto von HWA-Pilot Stoffel Vandoorne, der dieses Jahr 16. der Formel-1-WM war, der im Rennen wegen fehlender Leistung nur Platz 17 belegte, drehte Schreiner vormittags ebenfalls mit mangelnder Leistung 20 Runden, davon 15 im Renntempo. Ihre Erfahrungen hat Schreiner dennoch gemacht. „Alles war neu für mich“, erzählt sie, „ich musste mich ans Auto und die enge, aber schnelle Strecke ohne Auslaufzonen gewöhnen. Die Rennfahrer sagen, der 2,5 Kilometer kurze Stadtkurs sei die schwierigste Strecke im Kalender.“ Im zweiten Training war Schreiner einfach nur vom Pech verfolgt. In der Einführungsrunde brach die rechte Antriebswelle. Bis eine neue eingesetzt war, musste sie 75 Minuten warten. „Ich bin fast verzweifelt“, klagt sie. „Anschließend bin ich noch drei Runden gefahren, da ist wieder etwas kaputt gegangen. Da war für mich auch schon Feierabend.“ Trotz technischer Probleme ist sie nicht enttäuscht. „Ich bin stolz, als erste Frau für ein reinrassiges Werksteam diesen Test in einem Formel-E-Boliden bestritten zu haben. Das kann mir keiner nehmen. Das war ein Riesenerlebnis.“ Ein Geschenk der anderen Art bereitete der Völklingerin „Motorsport total“. Das Internetportal zählte Carrie Schreiner gestern zu den 30 vielversprechendsten Rennfahrerinnen weltweit, die „das Zeug zur Formel 1-Pilotin haben“.