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Fußball-Bundesliga
Kampfansage mit Augenmaß

Julian Nagelsmann wechselt im Sommer 2019 zum Fußball-Bundesligisten RB Leipzig. Sein letztes Jahr bei der TSG 1899 Hoffenheim sieht der Trainer nicht als „Abschiedstournee“.
Julian Nagelsmann wechselt im Sommer 2019 zum Fußball-Bundesligisten RB Leipzig. Sein letztes Jahr bei der TSG 1899 Hoffenheim sieht der Trainer nicht als „Abschiedstournee“. FOTO: dpa / Thomas Frey
Sinsheim. In seinem letzten Jahr bei der TSG Hoffenheim will Julian Nagelsmann Titel gewinnen. Heute geht’s gegen die Bayern. sid

Ganz so forsch wie vor drei Wochen klang Julian Nagelsmanns Kampfansage an den FC Bayern diesmal nicht. „Ich habe nicht gesagt, wir werden Meister, sondern wir möchten es gerne probieren“, sagte der Trainer der TSG Hoffenheim vor dem Bundesliga-Auftakt beim Rekordmeister heute Abend (20.30 Uhr/ZDF). Nach dem Wirbel um seine offen formulierten Titelambitionen gab sich der 31-Jährige zwar angriffslustig, aber auch demütig: „Wir sind nicht der einzige Bayern-Jäger – ich hoffe, dass es 17 Bayern-Jäger gibt.“


Große Ziele verfolgt Nagelsmann in seiner letzten Saison bei den Kraichgauern trotzdem. Ungeachtet seines bereits feststehenden Wechsels zum Ligakonkurrenten RB Leipzig im Sommer 2019 will der Hoffenheimer Trainer mit dem Champions-League-Teilnehmer hoch hinaus. „Für mich ist es keine Abschiedstournee“, sagte er und unterstrich noch einmal seinen Wunsch, den Branchenprimus aus München nicht nur an diesem Freitag, sondern möglichst dauerhaft zu ärgern: „Es ist immer ratsam, sich hohe Ziele zu setzen.“

Trotzdem: Nagelsmanns Worte Anfang August im Trainingslager im österreichischen Windischgarsten waren da noch um einiges offensiver gewesen. „Ich strebe immer nach dem Maximalen. Und das Maximale ist der Titel“, hatte der TSG-Trainer damals gesagt und so für einen echten Paukenschlag gesorgt. Dass Clubs derart offen mit der in den vergangenen sechs Jahren von den Bayern abonnierten Meisterschaft liebäugeln, ist inzwischen eine echte Seltenheit geworden.



Dabei ist die Hoffenheimer Anspruchshaltung im Grunde nur die logische Konsequenz. In der vergangenen Saison war die TSG bereits Dritter geworden und hatte sich mit dem besten Ergebnis der Vereinsgeschichte erstmals für die Königsklasse qualifiziert. Mit Ausnahme von Torjäger Mark Uth (Schalke 04) und des nach Ablauf seiner Leihe nun für den Gegner Bayern München auflaufenden Nationalspielers Serge Gnabry konnten außerdem alle Leistungsträger gehalten werden. Dazu wurde der Kader in allen Mannschaftsteilen sinnvoll ergänzt.

Durch Neuzugänge wie den Verteidiger Kasim Adams (Young Boys Bern), die offensiven Mittelfeldspieler Leonardo Bittencourt (1. FC Köln) und Vincenzo Grifo (Borussia Mönchengladbach) sowie die Stürmer Joelinton (Rapid Wien) und Ishak Belfodil (Standard Lüttich) bieten sich Nagelsmann etliche neue Optionen. Optionen, die er besonders zum Liga-Auftakt gegen die Bayern dringend braucht, angesichts der langfristigen Ausfälle von Leistungsträgern wie Kerem Demirbay, Nadiem Amiri, Dennis Geiger, Lukas Rupp und Benjamin Hübner. Auch die Einsätze von Florian Grillitsch und Havard Nordtveit sind derzeit fraglich.

„Wir haben den Kader breiter aufgestellt und versucht, die Positionen etwas gleichwertiger doppelt zu besetzen“, sagte Nagelsmann, der seine Mannschaft für den Liga-Auftakt gut gerüstet sieht. Seine Prognose fiel dennoch auch in diesem Fall eher vorsichtig aus: „Es ist möglich, bei den Bayern zu verlieren. Es ist möglich, bei den Bayern zu gewinnen“, sagte er, nur um nachzuschieben: „Auch dann werden wir aber nicht mit einer Krone rumlaufen.“ Das würde sich Nagelsmann wohl lieber für den 34. Spieltag aufheben.